Broder: Gebt Trump eine Chance

Foto: Wikipedia/ Von Foto: Bernd Schwabe in Hannover - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28233736

Sonia Mikich, Chefredakteurin des WDR-Fernsehens, kritisierte Trump in einem „Tagesthemen“-Kommentar: Trump sei „eine Kreuzung aus Nero und Dagobert Duck“, ein „Narzisst von altrömischer Größe“ und ein „Egomane aus einem Comic“, ein Mann voller „Widersprüche“ und „Angeberei“, der  „verbale Erektionen“ produziere. Seine Halbwertzeit: „Ein Tag.“

Broder merkt an: „Hätte sich Sonia Mikich so oder ähnlich über den amtieren türkischen Präsidenten geäußert, wäre wohl eine Anzeige wegen „Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten“ nach Paragraf 103 des Strafgesetzbuches fällig gewesen, aber zu diesem Zeitpunkt war Donald Trump noch nicht im Amt.“

Weiter fasst Broder die Aktivitäten Trumps und die medialen Reaktionen zusammen: „Er hatte nur der „Bild“ und der Londoner „Times“ ein durchaus bemerkenswertes Interview gegeben, in dem er u.a. die Nato „obsolet“ und die Politik der Kanzlerin in der Flüchtlingsfrage „katastrophal“ nannte, was wiederum die Chefredakteurin des WDR-Fernsehens zu der Feststellung veranlasste, Trump gehe es nur darum, „die Politik zu entpolitisieren, aus ihr einen Deal, eine Transaktion zu machen“. Im „Auslands-Journal“ des ZDF hieß es zwei Tage darauf, Trump sei ein „Semifaschist“, der nur von einer Minderheit der Amerikaner gewählt wurde.

Schließlich weist der Publizist auf die gescheiterten Verhinderungsversuche hin: „Kurz vor Trumps Inauguration wäre es hilfreich, kurz innezuhalten und zweierlei festzuhalten. Trump ist in einer demokratischen Wahl nach allen Regeln der US-Verfassung ins Amt gewählt worden. Alle Versuche, diese Wahl zu delegitimieren, sind gescheitert, einschließlich einer Last-Minute-Kampagne, die ebenso schmutzig wie durchsichtig war.“

Broder schließt mit dem Appel: „Trump ist bestimmt kein Sympathieträger wie Obama, eher ein Amateur und Grobian, dem diplomatische Umgangsformen, wie sie der deutsche Außenminister Steinmeier verkörpert, wesensfremd sind. Es könnte aber sein, dass er seinen Erfolg gerade diesem Manko verdankt. Die „dummen“ Leute, die ihn gewählt haben, sind jedenfalls klug genug, um zu erkennen, dass die Politprofis versagt haben – auf der großen Bühne der Weltpolitik, von der Ukraine bis Syrien, und auf den kleinen Bühnen von North Dakota bis West Virginia, wo der von Obama versprochene Wohlstand nicht eingetroffen ist. Also geben sie einem Amateur die Chance zu zeigen, dass er es besser kann. So vernünftig kann Politik sein.“

Der ganze Kommentar: https://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article161309295/Give-Trump-A-Chance.html#cs-Broder-JPG.jpg

Foto: Wikipedia/ Von Foto: Bernd Schwabe in Hannover – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28233736

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