Die Medien und das „Denkmal der Schande“

Nachdem die NPD nicht verboten werden durfte, gerät nun wieder vermehrt die AfD ins Visier der linken Meinungsbäcker. Als Beispiel für fast alle Zeitungen hier der „Skandal“, den die „faz“ aufgedeckt hat:

Die Empörung über die Äußerungen von Björn Höcke ist groß. Der AfD-Politiker nannte unter anderem das Holocaust-Mahnmal in Berlin bei einer Veranstaltung „eine Schande“. Ein Politiker hat Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/empoerung-nach-rede-kloeckner-hoeckes-aeusserungen-atmen-den-geist-rechtsradikaler-hetze-14686499.html

Sicherlich kann auch diese Äußerung, wie einige andere von Björn Höcke auch – gutwillig wie böswillig – fehlinterpretiert werden. Aber es ist kaum vorstellbar, dass sich Höcke während einer Rede eine politische Kugel in den Kopf jagen würde, abgesehen davon, dass diese Rede so überflüssig war, wie eine Eismaschine am Nordpool.

Doch darum geht es auch überhaupt nicht. Es steckt nämlich etwas ganz anderes, wie wir von einem Politiker aus der „Partei der Schande“ erfahren:

Der Linkspartei-Politiker Diether Dehm erstattete nun nach eigenen Angaben wegen Volksverhetzung Strafanzeige gegen den AfD-Politiker. „Am Tag der traurigen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zeigt Höcke, offensichtlich ermuntert, wo Geschichtsrevisionisten und rechtsextreme Chauvinisten ihr neues Zuhause finden sollen: Bei der AfD“, sagte Dehm am Mittwoch. Das Bundesverfassungsgericht hatte am Dienstag entschieden, die rechtsextreme NPD nicht zu verbieten…

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/empoerung-nach-rede-kloeckner-hoeckes-aeusserungen-atmen-den-geist-rechtsradikaler-hetze-14686499.html

Genau. Für die Linken ist die AfD nämlich jetzt die NPD.

Am besten, man lässt den Urheber auch mal zu Wort kommen:

Persönliche Erklärung von Björn Höcke zu seiner Dresdner Rede

Zu Berichten, dass er mit seiner Rede am 17. Januar 2016 in Dresden Kritik am Holocaust-Gedenken der Deutschen geübt habe, sagt der Thüringer AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Björn Höcke:

„Ich bin erstaunt über die Berichterstattung zu meiner Rede vom 17. Januar in Dresden. Angeblich soll ich dort das Holocaust-Gedenken der Deutschen kritisiert haben. Diese Auslegung ist eine bösartige und bewusst verleumdende Interpretation dessen, was ich tatsächlich gesagt habe. Wörtlich habe ich gesagt: ,Wir Deutschen sind das einzige Volk, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.‘

Das heißt, ich habe den Holocaust, also den von Deutschen verübten Völkermord an den Juden, als Schande für unser Volk bezeichnet. Und ich habe gesagt, dass wir Deutsche diesem auch heute noch unfassbaren Verbrechen, also dieser Schuld und der damit verbundenen Schande mitten in Berlin, ein Denkmal gesetzt haben.

Was ist daran falsch? Was ist an dieser Feststellung zu kritisieren? Gar nichts! Ich möchte in diesem Zusammenhang an die Rede Martin Walsers vom 11. Oktober 1998 anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche erinnern. Damals sagte Walser: ,In der Diskussion um das Holocaustdenkmal in Berlin kann die Nachwelt einmal nachlesen, was Leute anrichteten, die sich für das Gewissen von anderen verantwortlich fühlten. Die Betonierung des Zentrums der Hauptstadt mit einem fußballfeldgroßen Alptraum. Die Monumentalisierung der Schande.‘ Er sprach sogar von einer ,Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken‘.

Unzweifelhaft haben wir mit dem Holocaust-Mahnmal in Berlin unserer Schande ein Denkmal gesetzt. Der Begriff ,Denkmal der Schande‘ stammt übrigens gar nicht von mir, sondern ist schon vor langer Zeit zumindest in den politischen Sprachgebrauch eingegangen. So heißt es etwa in einer Drucksache (14/3126) des Deutschen Bundestages: ,Denkmäler der Schande und der Trauer, des Stolzes und der Freude sind notwendige Grundsteine des neuen Deutschland und der neuen Bundeshauptstadt.‘

In meiner Dresdner Rede ging es mir darum, zu hinterfragen, wie wir Deutschen auf unsere Geschichte zurückblicken und wie sie uns im 21. Jahrhundert identitätsstiftend sein kann. Zweifellos müssen wir uns in unserer Selbstvergewisserung der immensen Schuld bewusst sein. Sie ist ein Teil unserer Geschichte. Aber sie ist eben nur ein Teil unserer Geschichte. Auch darauf habe ich in meiner Dresdner Rede hingewiesen.

Sogar der Architekt des Mahnmals, Peter Eisenman, ein Jude, wies 2005 auf die Problematik hin, die Schuld zum Kern nationalen Gedenkens zu erheben. In einem ,Spiegel‘-Interview sagte Eisenman: ,Natürlich nahm der Antisemitismus in Deutschland in den Dreißigern überhand, ein schrecklicher Moment in der Geschichte. Aber wie lange fühlt man sich schuldig?‘ Und weiter: ,Ich hoffe, dass dieses Mahnmal, mit seiner Abwesenheit von Schuldzuweisung, dazu beiträgt, über diese Schuld hinweg zu kommen. Man kann nicht mit Schuld leben. Wenn Deutschland das täte, müsste das ganze Volk zum Therapeuten gehen.‘

Außer uns Deutschen hat kein Volk der Welt in seiner Hauptstadt einen Ort des Gedenkens an die von ihm begangenen Gräueltaten geschaffen. Diese Fähigkeit, sich der eigenen Schuld zu stellen, zeichnet uns Deutsche aus. Uns zeichnet aber auch etwas anderes aus: Wir haben den Buchdruck erfunden, Martin Luther stieß die Reformation an. Wir sind das Land der Philosophen, Dichter, Komponisten und Erfinder. Dieser großartige kulturelle Schatz gerät uns zuweilen aus dem Blick. Auch das habe ich in Dresden gesagt, und es war der eigentliche Kern meiner Aussage. Schuldbewusstsein allein kann keine gesunde Identität stiften, sondern nur eine gebrochene. Und auch das muss uns klar sein: Die für uns alle sichtbaren Integrationsprobleme in diesem Land resultieren auch aus dieser unserer gebrochenen Identität.“

Und das schreibt der Autor Martin Weidhaas dazu:

Bernd Höcke nannte die Berliner Holocaust-Stelen gestern ein Denkmal der Schande. Götz Kubitschek sekundierte auf Sezession, daß damit nicht das Denkmal selbst gemeint sei, sondern der Holocaust. Dem ist zu widersprechen.

Denkmale der Schande sind die KZs in Buchenwald, Dachau, Auschwitz, Mauthausen, Treblinka etc. und die Gestapokeller im Bendler-Block. Die Stelen in Berlin sind ein Mahnmal, das uns nicht zur Schande gereicht, sondern zur Mahnung, so etwas wie den Holocaust nie wieder zuzulassen. Es bezeugt unseren ernsthaften Willen, aus dem gräßlichen Fehler unter der Naziherrschaft zu lernen, und gereicht uns deshalb auch zur Wiedergewinnung unserer Ehre. Die Naziverbrechen erfolgten zwar im deutschen Namen, aber der weitaus größere Teil der Deutschen war daran nicht beteiligt, hatte nicht mal Kenntnis und nicht wenige stellten sich unter Lebensgefahr gegen das Nazi-Regime. Es waren Deutsche, die zuallererst in die KZs gesperrt wurden: Sozialdemokraten; Kommunisten, Gewerkschafter, einfache Pfarrer, Journalisten und sogar Hausfrauen.

Darum liegt Höcke nach meiner Meinung falsch und seine Aussage nährt den Verdacht, daß er sich bei Neonazis anschleimen will. Das hätte er besser lassen sollen. Schon seine Erinnerung an das Tausendjährige Reich in München vor gut einem Jahr war ein Fehltritt. Er hätte besser sich und uns weitere 1200 Jahre deutsche Geschichte gewünscht, bezogen auf die Kaiserkrönung Karls d.Gr. .

Es ist absurd, daß Holocaustmahnmale wie folgt in D errichtet wurden:
• 3 für Schwule und Lesbierinnen in Berlin, Frankfurt/M. und Dortmund, obwohl sie nicht systematisch vernichtet wurden und Lesbierinnen nicht mal eingesperrt wurden und obgleich Schwule und Lesbierinnen sehr wohl auch Täter waren wie z.B. die SS-Wache von Buchenwald.
• 1 für Juden in Berlin
• 0 für Zigeuner
• 0 für deutsche Dissidenten
Diese geschichtsvergessene Erinnerungskultur ist mehr als schief und schreit nach Korrektur.

Also, wieder mal viel Aufregung, wie gehabt. Wir hoffen wenigstens, dass jetzt nicht innerhalb der AfD gesägt wird, denn das nützt nur dem politischen Gegner.

Foto: Metropolico.org/ Flickr/ https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

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