Welt-Newsroom: Rein in den Darkroom, raus aus dem Darkroom

Foto: Collage
Die Welt - Medienkritik (Foto: Collage)

Von Thomas Böhm

Die Welt gehört zu den überbewertesten Zeitungen im deutschsprachigen Raum. Ihr politischer Einfluss ist nicht größer als ein Fehldruck der „taz“. Die Auflage stürzt wie ein Wasserfall und so muss man sich nicht wundern, dass die Verantwortlichen für diese Misere regelmäßig ausrasten und ihren Frust über das eigene Versagen an den Lesern auslassen.

Dazu gehört nun leider auch Ulf Poschardt. Völlig überfordert mit dem neuen amerikanischen Präsidenten präsentiert er uns einen Beitrag aus der untersten Schublade seiner Redaktion.

Bereits die Schlagzeile ist an überheblicher Lächerlichkeit nicht zu überbieten:

Soll er doch. Er kann uns mal.

So kann nur ein Käfer quatschen, kurz bevor er von einem großen Stiefel zertreten wird.

Folgende Passage beweist uns dann die mittlerweile geistige Beschränktheit eines einst guten Journalisten:

…wenn wir uns nicht wehren und besser, mutiger, fleißiger, innovativer, freier, offener, kreativer, multikultureller werden…

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article161207751/Soll-er-doch-Er-kann-uns-mal.html

Kann es sein, dass hier nachgebessert wurde? Im Netz klang diese Passage noch ein wenig anders:

„Freie Zeiten“ zitierte Poschardt mit folgenden Worten:

…“Die Provokationen von Trump“ sollten ernst genommen werden und „in eine kämpferische Haltung übersetzt werden“, schreibt Poschardt in seinem Kommentar mit der Überschrift „Soll er doch. Er kann uns mal“.

Konkret meint der 49-Jährige damit, dass die „Verteilung des globalen Wohlstands“ in Gefahr sei – „wenn wir uns nicht wehren und besser, mutiger, fleißiger, innovativer, freier, offener, schwuler, multikultureller werden“…

http://www.freiezeiten.net/welt-chef-deutsche-wehrt-euch-werdet-offener-schwuler-multikultureller

Und schaut man sich einen Twitter-Beitrag von Ulf Poschardt an, so hat er noch sehr laut getönt, bevor er es dann selber gelöscht hat:

 

Und hier hat Poschardt eine mächtig dicke Hose:

Herr Poschardt hat also wieder mal den Schwanz eingeklemmt. Schade eigentlich, ich hatte mich schon so sehr darauf gefreut, dass er den Welt-Newsroom in ein Darkroom umgewandelt hätte, denn das hätte er machen müssen, um sich und seine Texte weiterhin ernst nehmen zu können. Ich hatte mir so sehr gewünscht, dass er sich auf einen flotten Dreier vor den Augen der Volontäre mit Spinger-Chef Matthias Döpfner und „BZ“-Mann Peter Huth einlassen würde – das wäre auch sinnvoll gewesen, da es an geeigneten journalistischen Nachwuchs ja offensichtlich mangelt.

Aber auch ohne die schwule Variante ist Poschardts Text ein Beispiel dafür, dass immer mehr Journalisten nur noch in den Spiegel schauen und dann ernsthaft glauben, dort die Realität zu erkennen.

Zu seinen Stichworten „wir müssen uns wehren und besser, mutiger werden“ passt ein Beitrag aus der „Jungen Freiheit“ wie die Faust aufs Auge:

Die vier Männer, die im Mai vergangenen Jahres im sächsischen Arnsdorf einen aggressiven Asylbewerber aus einem Supermarkt gedrängt hatten, müssen sich ab April vor dem Amtsgericht Kamenz verantworten. Angeklagt hat sie die Staatsanwaltschaft Görlitz. Sie wirft ihnen Freiheitsberaubung vor. Das Gericht ließ die Anklage nun zu. Prozeßbeginn ist am 24. April.

Der Fall hatte deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt. Viele Medien berichteten damals, eine angebliche Bürgerwehr habe einen psychisch kranken Iraker mißhandelt.

Der irakische Asylbewerber, der in der örtlichen Psychiatrie untergebracht war, hatte in dem Netto-Supermarkt herumgebrüllt und zwei Mitarbeiterinnen bedroht. Anlaß war der Ärger über seine Mobilfunkkarte, auf der das Guthaben aufgebraucht war. Aufgrund des aggressiven Verhaltens überwältigten die vier Angeklagten, zu denen der CDU-Kommunalpolitiker Detlef Oelsner gehört, den Iraker, drängten ihn aus dem Supermarkt und fesselt ihn mit einem Kabelbinder bis zum Eintreffen der Polizei 45 Minuten später an einen Baum…

https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2017/zivilcourage-soll-kriminalisiert-werden/

Also Herr Poschardt: Wenn sich hier jemand tatsächlich wehrt und mutig gegen denn Alltagsterrorismus ankämpft, wird er bestraft!

Und was meinen Sie mit „offener“ und „multikultureller“ werden? Ist dieses Land, dass seine Grenzen nicht mehr schützt und jeden willkommen heißt, der keinen deutschen Pass vorweisen kann, nicht schon offen genug? Beweisen wir nicht jeden Tag aufs Neue, wenn irgendwo eine Salafisten-Moschee eingeweiht wird, wie multikulturell wir sind?

Warum zeigen Sie uns nicht einmal, wie offen und multikulturell Sie selber sind, Herr Poschardt, und schicken Ihren Pförtner nach Hause, der ja knallhart jeden draußen vor der Tür stehen lässt, der keinen Hausausweis vorweisen kann.

Warum, Herr Poschardt lassen Sie nicht endlich mal Ihren Worten Taten folgen und holen sich Migranten und Flüchtlinge in die „Welt“-Redaktion?

„Besser“ würde Ihr Blatt mit so einer „offenen“, „multikulturellen“ und „mutigen“ Maßnahme mit Sicherheit.

Foto: Collage

 

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.
Loading...