DAS KOMPETENZKABINETT

Medienkritik (Foto: Collage)

Die WELT stellt uns Donald Trumps Kabinett vor. Daß es sich um Trumps Kabinett handelt, merkt man schon an der Schagzeile. „Vom Kleinkriminellen bis zum Kriegermönch“, heißt es im Springer-Blatt.  „Von der Ahnungslosen bis zur Inkompetenten“ hätte gut zu einer Vorstellung von Angela Merkels Kabinett gepaßt, aber die Schlagzeile wäre so in der WELT niemals erschienen. Schon deswegen nicht, weil der Neuigkeitswert bei Null gelegen hätte. Schließlich weiß inzwischen jeder, worum es sich bei Merkels Kabinett handelt.

Von Max Erdinger

Interessant ist aber, daß die WELT die politische Unerfahrenheit von Trumps Team herausstreichen zu müssen glaubt. Die WELT erscheint immerhin in einem Land, in dem man offiziell große Stücke darauf hält, daß die Volksvertreter aus dem Volk kommen. Daß das Volk nach Ansicht eines guten Teils der deutschen Presse im politischen Analphabetismus versumpft ist, wurde bisher nie als Mangel begriffen. Schließlich bezieht der bundesdeutsche Volkspädagogenjournalismus intern seine ganze Berechtigung aus diesem Sachverhalt.

Da nun Trumps Kabinett, von einer Ausnahme abgesehen, aus lauter Männern besteht, hätte hier auch wahlweise die Ahnungslose oder die Inkompetente gefehlt, was einfach eine andere Schlagzeile zur Folge haben mußte. „Vom Kleinkriminellen bis zum Kriegermönch“ also. Was die korrekte Übersetzung von „politische Unerfahrenheit“ angeht, kommt man aber in den USA zum selben Ergebnis wie in Deutschland. „Politische Unerfahrenheit“ bedeutet „noch nicht im politischen Pfründensumpf versackt.“ – Et voilá – schon sieht die politische Unerfahrenheit viel sympathischer aus.

https://www.welt.de/politik/ausland/article161165325/Das-Team-Trump-Vom-Kleinkriminellen-bis-zum-Krieger-Moench.html

Trumps Kabinettsmitglieder – Zitat: >“Der 63-jährige Stephen Bannon ist die graue Eminenz im Hintergrund. Manche halten ihn für den gefährlichsten Mann in Trumps Umfeld, weil er das System zertrümmern will. Bannon war Chef der nationalkonservativen Webseite Breitbart und hat sie für die Alternative Rechte geöffnet, eine mildere Form von Neonazis. Im Wahlkampf bestärkte er Trump darin, aggressiv und provokativ aufzutreten. Auch künftig wird er sich als Berater im Weißen Haus darum kümmern, dass der Präsident der „Bewegung“ treu bleibt und sich nicht mit dem Establishment verbrüdert. Bannon unterhält enge Kontakte zu den rechtspopulistischen Bewegungen in Europa.“<-Zitatende.

Grau ist die Eminenz, die das System zertrümmert. Da würde auch ein rotes Jäckchen nicht viel helfen. „Nationalkonservativ“ ist wegen „national“ ein Wort, das seine Wirkung beim deutschen Politanalphabeten nicht verfehlen wird, auch wenn  „internationalkonservativ“ ein wahrer Blödsinnsbegriff wäre. Daß es eine „milde Form“ von Neonazismus gibt, lese ich heute zum ersten Mal. Daraus folgt, daß „neonazistisch“ steigerungsfähig sein muß. Neonazistisch, neonazistischer, am neonazistischsten. Der Neonazi wäre demnach am neonazistischsten, wohingegen alles, was zwar Alternative, aber nicht links ist, normal neonazistisch sein müßte. Bannon wird sich als graugefährliche Eminenz also darum kümmern, daß Trump der „Bewegung“ treu bleibt. Da werden wir nicht lange warten müssen, bis von Washington als der „Hauptstadt der Bewegung“ geschrieben werden wird. In der Springerpresse.

Zitat: >“Ben Carson hat als erster Chirurg am Kopf zusammen gewachsene Zwillinge getrennt und Karriere gemacht als konservativer Redner und Autor. Ben Carson kandidierte selbst in den republikanischen Primaries, scheiterte aber mit seiner gelegentlich eher schläfrigen Art frühzeitig. Der Afroamerikaner wurde danach Berater Trumps. Das Angebot, nämlich Minister für Stadtentwicklung (Housing and Urban Development) zu werden, nahm der Bestsellerautor an. Insbesondere die LGBT-Gemeinde sieht die Personalie sehr kritisch, weil Carson immer wieder behauptet, Homosexuelle strebten im Rahmen der Political Correctness nach Sonderrechten.“<-Zitatende.

Nein, sowas aber auch! Immer wieder behauptet dieser Carson, Homosexuelle strebten im Rahmen der Political Correctness nach Sonderrechten. Was spielt es da noch für eine Rolle, ob er mit seiner Behauptung recht hat oder nicht? Das fordert direkt einen Versuch heraus. Wer landet eher vor dem Kadi? Derjenige, der einen Anderen eine „schwule Sau“ genannt hat, oder derjenige, der jemanden mit „rechtspopulistische Heterosau“ titulierte? Wetten werden angenommen. Sei es wie es sei: Wer jemals etwas von Ben Carson gelesen hat, beispielsweise über Kindererziehung und Familie, weiß abseits jeder WELT-Lektüre, daß Carson die Idealbesetzung ist, wenn es darum geht, das Renomee von Afroamerikanern in der Politik zu restaurieren. Barack Obama und Al Sharpton hatten es nämlich schwer beschädigt. Ben Carson ist weltberühmter Arzt. Es wundert mich, daß sich die WELT die Bezeichnung „Heilkundiger“ verkniffen hat. „Heilkundiger in der Hauptstadt der Bewegung“ wäre doch der Knüller gewesen?

Jedenfalls geht das in der WELT immer so weiter. Die Aufmachung des Artikels erinnert an eine Sammlung von Steckbriefen gesuchter Verbrecher. Es beißt aber die Maus keinen Faden ab: Im Vergleich zu Merkels Kabinett steht dasjenige von Trump glänzend da. In den Ressorts tummeln sich Leute, die bei aller politischen Unerfahrenheit Ahnung haben von dem, was sie tun. Eine Frau, die noch nie in ihrem Leben etwas Produktives gearbeitet hat, fehlt dort einfach als Arbeitsministerin. Andrea Nahles hätte bei Trump noch nicht mal eine Anstellung als Wagenwäscherin der Präsidentenlimousine bekommen. Eine Frau als Verteidigungsministerin, die der Army Sex-Seminare verordnet und mit dem Militärischen vorher nie etwas zu tun hatte, ist bei Trump ebenfalls undenkbar. Ganz generell: Der wesentliche Unterschied zwischen Trumps Kabinett und demjenigen der Angela Merkel besteht darin, daß es dort niemanden gibt, der seine Position mit unbewiesenem Geschwätz ergattert hätte.

Es ist kein Wunder, daß Angela Merkel Herrn Trump nicht ausstehen kann. Der gibt nämlich nichts auf die wohlfeilen Glaubensbekenntnisse von Leuten, die der Ansicht sind, Politik bestehe aus Warnen, Fordern und Zeichensetzen. Trump setzt lieber auf Leute, die tatkräftig bewiesen haben, wofür sie arbeiten wollen, nicht, worüber sie am liebsten reden. Wenn es nicht so beschämend wäre, müsste man bei der Vorstellung in schallendes Gelächter ausbrechen, Funktionärsseelen wie Katrin Göring-Eckardt, Simone Peter,  Anton Hofreiter, Sigmar Gabriel, Angela Merkel oder Joachim Gauck könnten von der neuen amerikanischen Regierung für voll genommen werden. Das ist mit Sicherheit nicht der Fall, soweit sich das auf mehr als lediglich ihren protokollarischen Rang beziehen sollte. Freunde des deutschen Politestablishments sind die amerikanischen „Kleinkriminellen“ und „Kriegermönche“ nämlich nicht, auch dann nicht, wenn sie sich vor Augen führen, daß Volker Beck und Sebastian Edathy diesem Establishment entstammen und „Kleinkriminelle“ ein verharmlosender Begriff für die Beiden wäre. Lediglich eines ist sicher: Bis Donald Trump und sein Kabinett sich „auf Augenhöhe“ mit Angela Merkel und dem ihren befinden, müssen in den USA erst einmal eine ganze Menge Gesetze von der neuen Regierung gebrochen werden. Solange es aber so weit noch nicht gekommen ist, stünde der WELT und der deutschen Presseberichterstattung generell ein respektvoller Stil im Umgang mit Trumps Kabinett gut zu Gesicht. Hochmut kommt nämlich vor dem Fall.

Symbolfoto: Pixabay/ CC0 Public Domain

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.