Jürgen Stark: Weltwirtschaftsforum: Hyperglobalisierung überfordert Welt-Autor Zschäpitz

Knapp daneben ist auch vorbei. Welch ein Thema, was für ein gewaltiger Stoff für einen Artikel über Reiche, Mächtige, Verlierer, Gute und Böse. Mal wieder trifft sich der exklusive Club der Superreichen und Einflußreichen am bereits legendären Tatort Davos. Die Zimmermieten in den zum Tagungsgeschehen angrenzenden Luxusherbergen sind nicht unter 1000 Euro pro Nacht zu haben. Wi hebt datt ja, datt kost ja nix, sagt der norddeutsche Bauer, wenn er sämtliche seiner Hühner auf einmal brät und die Erlöse aus der gesamten Ernte in der Spielbank an einem Abend verzockt. Wer hat, der hat, sagen sich die grinsenden Eliten und lachen sich bekanntlich ins Fäustchen, weil ihnen mit der Kampagne der allgewaltigen Globalisierung ein gigantischer politischer Coup vor etlichen Jahren gelang. Sich den Ursprüngen bedeutsamer Trends und Tendenzen zu widmen, scheint nicht mehr zum Tagesgeschäft des hiesigen Journalismus zu gehören. Das Zeitalter der Aufklärung ist hiermit beendet. Dafür hat das Zeitalter der Märchen, Sagen und nebulösen Allgemeinplätze für dumme kleine Untertanenkinder längst begonnen.

Von Jürgen Stark

Liest man den Beitrag von Holger Zschäpitz in der Rubrik „Geld“ der Welt, folgt man erwartungsvoll der spannenden Überschrift, dann landet man am Ende aber doch nur irgendwo im Niemandsland: „Die globale Elite zieht in ihren wichtigsten Kampf.“ Drei Viertel des Beitrags geben sich kritisch und folgen aktuellen Ereignissen, die ins Feld gegen die bisherigen Globalisierungsgewinnler und -strategen geführt werden. Brexit, Trump, die „gemeinen Menschen von der Straße“ – es muß alles irgendwie anders werden, meint der Autor. Eigentlich steckt dahinter aber die Botschaft: Es muß alles anders (verkauft) werden, damit alles so bleiben kann wie es ist. Damit wären wir bei der journalistischen Impotenz dieser Tage, die sich überall beobachten läßt. Mühsam ringt man mit der Pose des Kritikers, um dann als schlapper Bettvorleger auf dem Boden der Tatsachen krachend zu landen.

„Davos soll sich wieder stärker mit dem normalen Volk verbinden, die Menschen mitnehmen und nicht mehr für abgehobene Entscheidungsträger stehen, die den Bürgern vorgeben, wie sie zu leben haben.“ Rumms. Nun müßte der Wertekanon der Davos-Prediger konkret durchleuchtet werden. Hier warten wir nun auf Beispiele, die belegen, in welchem Maße uns durch eine von Mächtigen gesteuerte Globalisierung – seltsam, seltsam, hört, hört!!! – also gleichzeitig flankierend und absichernd (!!!) Vorschriften für unsere Lebensweise gemacht wurden. Welches „Lebensverhalten“ ist damit wohl gemeint?!!!  Welche Politiker und Parteien als Regionalvollstrecker fühlen sich dieser „Verhaltensagenda“ denn verpflichtet und exekutieren diese?! Beispiele? Nichts! Der Autor schweigt.

„Eliten am Rande der Verzweiflung“ – Holger Zschäpitz beginnt angesichts der Dramatik des Themas nun eher zu halluzinieren. Der Gesamtzusammenhang entgleitet ihm in eine Sozialstatistik, welche wohl eine Sarah Wagenknecht von der Altlinkspartei vermutlich zehnfach besser hätte vorlegen und interpretieren können. Vorgerechnet wird der zwar nicht uninteressante Status der globalen Einkommen, wobei „auf dem Globus nun acht Milliardäre inzwischen so viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung.“ Deshalb sind die Eliten aber doch nicht verzweifelt, armer Autor, sie wollen sich ihren Reichtum und ihr erpresserisches Politikgestaltungspotenzial nur nicht nehmen lassen – deshalb will man in Davos „die Welt vor einer populistischen (!) Abwärtsspirale“ retten. Die elitären Ausbeuter und ihre korrupten „Volkserzieher“ (= Verdummer) sind natürlich weiterhin charakterlos, inhuman und voller Zynismus, sonst müssten sie sich ja selbst ein Tribunal bauen und ihre entsetzliche, menschenfeindliche und desaströse Politik der letzten Jahrzehnte auf den Prüfstand stellen.

Gegenbeispiel Euro und nationale Arbeitsmärkte: Die Einführung des Euro war ein typisches Elitenprojekt, welches unseren Geldwert mittels verkappter Währungsreform halbierte, aus unseren Einkünften Niedriglöhne und Billighonorare machte und am Ende auch dazu führte, dass man mit Steuergeldern (!) Banken und Finanzen der Superreichen in Griechenland rettete. Globalisierung bedeutet für transnationale Unternehmen freien Geldfluss an allen Instanzen vorbei und überall hin, aber im Gegenzug eine ultrafiese Nationalpolitik in den einzelnen Staaten, die nur noch nützliche Larven der Hypermächte sind. Eine der wichtigsten Botschaften der Globalisierung an die arbeitenden Bevölkerungen, die kleinen Unternehmen und den bodenständigen Mittelstand lautete von Beginn an: IHR ALLE SEID AUSTAUSCHBAR! FRESST ODER STERBT! – das klingt etwas zugespitzt, was es auch sein soll, aber eine Debatte über die Machenschaften der unseriösen Davos-Krieger und ihrer willigen Helfer in den politischen Machtzirkeln ist überfällig!

Wie sehr unsere Öffentlichkeit bereits auf den Hund gekommen ist, zeigt sich an Artikeln wie diesen, die nicht nur jegliche wahren Hintergründe und alle relevanten Zusammenhänge ausblenden. Hierzu gehört dann noch des Pudels Kern: Wer hier etwas von Weltrettung dank geläuterter Eliten schwafelt, hierbei die dunkelroten Chinesen als Bündnispartner gegen Trump, Brexit und andere Formen des ständig herumgeisternden „Populismus“ gleich mit ins Boot holen will, der beschreibt ungewollt den inneren Zusammenhang eines bizarren Bündnisses aus globaler Finanzelite und linker Polithegemonie im Westen. Die gute alte Sozialdemokratie erreicht so etwas natürlich nicht mehr, zumal der Autor nicht einmal den Versuch unternimmt, diese mit seinem Artikel zu wecken. Kein Wort davon, dass sich gerade die Linken aller Couleur von den transnationalen Ultrakapitalisten und Propheten der Globalisierung dermaßen in die Falle locken ließen.

„Samstags gehört Papi mir“, das war der Wortlaut eines der wohl berühmtesten Plakate der westdeutschen Nachkriegszeit. DGB und SPD Seit‘ an Seit‘ für das Wohl der Familien und ihrer Kinder, für Arbeitszeiten und Löhne, die Mann und Frau und ihren Kindern ein lebenswertes Leben ermöglichen sollten. Lang, lang ist’s her. Die Genossen entdeckten dann dank der Einflüsterungen der Globalisierungspromoter (der Superreichen!) eine neue soziale Traumwelt. Heute müssen Mami und Papi beide arbeiten, damit das Geld dann doch kaum reicht. Familien werden „dekonstruiert“, Kinder ab Geburt in die staatliche Verwahrung gepackt. „Geschlechtergerecht“ ist es nun plötzlich, wenn beide arbeiten, beide Steuern zahlen, sich um ihre Kinder kaum noch kümmern oder gar keine mehr bekommen, dann aber glücklich auf der Transgendertoilette hocken und überlegen, welches von den siebzig Geschlechtern sie nun sein wollen. Die Superreichen lachen sich halbtot über den von ihnen gezielt inszenierten Irrsinn. Teile die Menschen, die Familien, ihre Identitäten, ihren eigentlichen sozialen Zusammenhalt – und herrsche! So werden weiterhin aus braven Bürgern entrechtete, folgsame Narren geformt, die nur noch böse werden wenn jemand „Populist“ sagt oder auf  anderes politisch unkorrektes hinweist. Wuff, wuff, sagt der dressierte Hund in der via Davos gleichverblödeten Welt und macht Männchen für die Mächtigen.

https://www.welt.de/finanzen/article161201552/Die-globale-Elite-zieht-in-ihren-wichtigsten-Kampf.html

 

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