Michael Klonovsky: Eins, zwei, drei, vier

Von Michael Klonovsky

Eins
Die Grenzen müssten offen bleiben, denn Deutschland dürfe sich nicht „abschotten“, mahnen deutsche Politiker mit schnöder Regelmäßigkeit. Daraus folgt dreierlei. Erstens: Indem sie ihre Grenzen kontrollieren und nicht jeden, der mag, ins Land lassen, „schotten sich“ die USA, Australien, Kanada, China, Japan, Russland, Polen, Ungarn, ja nahezu alle außer den Moralherrenmenschentümlern in Europas Mitte, „ab“. Dank Merkel und der Merkelianer ist Deutschland das einzige wahrhaft „weltoffene“ Land der Erde. Zweitens: Jeder Mensch, der nicht seine Wohungstür aushängt und jedem, der mag, Einlass in sein Heim gestattet, „schottet sich ab“. Drittens: Alle diese Politiker fahren, nachdem sie gegen die „Abschottung“ gepredigt haben, von Bodyguards und gepanzerten Limousinen abgeschottet heim, um hinter verschlossenen Türen ihr abgeschottetes Leben zu führen und sich neue Redensarten gegen die Abschottung auszudenken.

Zwei
Hamburg hat erstmals Zahlen zur Kriminalität der sogenannten Flüchtlinge veröffentlicht. Das Ergebnis fällt aus, wie es zu erwarten war: Jeder zehnte Tatverdächtige war 2016 „ein Geflüchteter“. Kaum hat die Welt das Fiasco vermeldet (hier), wiegelt die Gazette ab: Man müsse die Zahlen in den Kontext setzen. „Die Gruppe von Asylbewerbern, die in der Stadt leben, unterscheidet sich in puncto Alter und Geschlecht von der Hamburger Wohnbevölkerung, das erschwert einen Vergleich. Unter den Geflüchteten sind überproportional viele junge Männer, eine Problemgruppe also, die generell ein höheres Risiko hat, Straftaten zu begehen – unabhängig von der Nationalität.“

Dass ein Journalist meint, seinen Lesern vorschreiben zu dürfen, wie sie Zahlen zu verstehen und zu kontextualisieren haben, sei hier als deutschtypischer Mediendachschaden jenem crescendierenden Publikumsgelächter anheimgestelt, von welchem u.a. auch die Verkaufszahlen der Welt künden. Aber zur Sache: Ich erwarte von einem Menschen, der vor Verfolgung und Bürgerkrieg flieht, dass er in jenem Land, das ihn aufnimmt, NULL Straftaten begeht, nicht mal einen Eierdiebstahl, erstens aus Dankbarkeit, der Lebensgefahr entronnen zu sein, zweitens aus Angst, bei schlechtem Benehmen wieder in die Gefahrenregion zurückgeschickt zu werden, drittens aus jenem Gebot der Anständigkeit, dass man seinen Wohltäter nicht bestiehlt, beraubt, zusammenschlägt oder unaufgefordert an die Mimi fasst. In welches Irrenhaus sind wir geraten, wo uns Kriminelle und Banditen als Schutzsuchende verkauft werden und – zum Schaden der wirklich Schutzsuchenden übrigens – in ihrer Aggressivität mit soziodemografischen Argumenten entlastet werden, die gegenüber vergleichbar fremdenfeindlich agierenden einheimischen Straftätern niemand anzubringen wagte?

Drei
Die epochale Forderung der Grünen nach öffentlichen Unisextoiletten findet zwar in mir keinen Gegner – ich kenne die Unisexifizierung der Herrenklos vom Kölner Karneval, aber was ein Kerl ist, der tritt auch mannhaft vors Urinal, wenn ihm zehn fremde Frauen dabei zuschauen –, doch eine gewisse Unvereinbarkeit mit sonstigen grünen Prämissen scheint mir nicht von der Hand weisbar zu sein. So wähnte ich bislang, Frauen müssten nach Ansicht dieser Agenten des guten Gattungsgewissens vor dem Zugriff geiler Männer geschützt werden, statt dass man sie ausgerechnet bei der heiklen Verrichtung des Geschäfts, beim Tamponwechsel oder Näschenpudern deren dräuender Nähe ausliefert. Beziehungsweise aussetzt. Speziell für Koprophile dürfte die Unisextoilette ein wahres Dorado sein – sind etwa, grüne Schwestern beiderlei Geschlechts, nach den Pädo- bei Ihnen nun die Koprophilen an der Rei…? Na, egal, wenn’s Stimmen bringt. Allerdings exkludiert die Einheitstoilette für jedermann unsere frommen moslemischen Mitbürger, denn wo Mädchen nicht gemeinsam mit Jungen Sport treiben oder baden und Frauen ihr Gesicht nicht außerhalb der Familie zeigen dürfen, sollte die Kloschüsselbenutzung neben einem männlichen Ungläubigen, der nur durch eine oblatendünne Wand von der Dienerin Allahs getrennt die Endprodukte seiner unreinen Ernährung ausscheidet, für eine Muslima tabu sein. Ist die Unisextoilette am Ende also ein Ausdruck von Islamophobie? Müssen die muslimischen Männer immer zuerst das Terrain sondieren und dann draußen vor der Tür einen Sperrriegel bilden, wenn ihre Frauen die Toilette benutzen?

Den gemeinen Nafri allerdings und immerhin dürfte die Einrichtung neuer Hotspots der Völker- und Geschlechterverständigung uneingeschränkt erfreuen…

Vier
„Volksverräter“ ist als „Unwort des Jahres“ ausgezeichnet und gepriesen worden. Tatsächlich muss es nämlich heißen: „Verräter derer, die schon länger hier leben“.

http://www.michael-klonovsky.de/acta-diurna

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