KOMMENTAR DES GRAUENS

Von Max Erdinger

Unter dem Titel „Nebel des Grauens“ schrieb Stefan Kuzmany einen grauenhaften Kommentar zu den Erwartungen, welche „die Menschen“ an Donald Trumps Präsidentschaft knüpfen dürfen. Als Philanthrop freut man sich dennoch, ist doch die Existenz von Kuzmanys Kommentar der Beweis, daß sich der schreibende Pessimist vor lauter Kummer nicht erhängt hat. Das wäre nämlich – im Tenor seines Kommentars weitergedacht –  die noch grauenhaftere Option für Kuzmany gewesen.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/usa-praesidentschaft-die-versprechungen-des-donald-trump-kommentar-a-1129747.html

Zitat: >“Es ist eine blendende Geschichte, alles dran, alles drin, was die Aufmerksamkeit der Leserinnen und vor allem der Leser erregt: Der (bald) mächtigste Mann der Welt. Klandestine Beziehungen zum russischen Geheimdienst. Ungewöhnliche sexuelle Vorlieben. Erpressung, Bestechung, Intimitäten, wie erfunden für die Boulevardpresse. Und möglicherweise tatsächlich erfunden.“<-Zitatende.

So weit ist man beim SPIEGEL schon herabgesunken, daß eine Geschichte, die man selbst dort für erfunden halten muß, immer noch zu gut zur eigenen Agenda paßt, als daß man einfach sang- und klanglos auf ihre Erwähnung verzichten würde. Sogar, wenn das Dossier des ehemaligen britischen „Geheimdienstmitarbeiters“ Christopher Steele über Trump eine gut bezahlte Erfindung im Auftrag von Trumpgegnern gewesen wäre, – was sie wahrscheinlich ist -, so ist sie für Kuzmany doch immer noch brisant genug, um ein Schlaglicht auf Trump zu werfen. Das ist ungefähr so, wie zu behaupten, Angela Merkel würde auf jeden Fall im Stehen pinkeln, wenn sie ein Mann wäre.

Zitat: >“Jedenfalls eine Geschichte, die alle Vorurteile bestätigt: Die der Gegner Donald Trumps, denn wer von ihnen würde ihm nicht die seltsamsten Praktiken und die ehrlosesten Händel zutrauen? Und auch die seiner Anhänger: So tief ist die Mainstreampresse also gesunken, dass sie in ihrer Verzweiflung und ihrem Hass nicht einmal vor der anrüchigsten Lügengeschichte zurückschreckt, um den Wahlsieger zu diffamieren. „<-Zitatende.

„Zutrauen“ ist ein zutrauliches Verb in dem Zusammenhang. „Unterstellen“ oder „böswillig unterstellen“ wäre zwar richtig gewesen – aber hey – wer hegt nicht Sympathie für vertrauensvolle Menschen und ihr Zutrauen, zumal wenn es sich bei diesen Menschen um Trumpgegner handelt? Und Trumps Anhänger erst! Denen würde das erfundene Dossier, lediglich seiner unbedeutenden Erfindung wegen, als völlig abwegiger Beweis dafür dienen, daß es sich bei denen, die es zunächst als wahr hingestellt hatten, um Lügenpresse handelt. Es mag ja sein, daß dieses Dossier und seine Veröffentlichung eine einzige, schamlose Abgefeimtheit von Trumpgegnern gewesen ist, aber: Die Guten betraf es lediglich in ihrem Zutrauen, die Schlechten hingegen instrumentalisieren es völlig grundlos für ihr Presse-Bashing. Beim SPIEGEL ist man sich nämlich einig, daß Lügen nicht das wären, womit sich eine Lügenpresse beschäftigen würde, wenn es denn überhaupt eine gäbe. Es gibt aber keine. Gelogen ist auf jeden Fall, daß SPIEGEL-Autoren ihren Bewerbungen ein amtsärztliches Zeugnis über den Grad ihrer Schizophrenie beifügen müssen und daß sie umso eher eingestellt werden, je höher dieser Grad ausfällt. Um das in SPIEGEL-Manier zu komplettieren: Das sagt einiges aus über den SPIEGEL als Pressetrumpel. Auch wenn die weniger Postfaktischen weiterhin steif und fest behaupten, eine Lüge sage nichts weiter aus, als daß gelogen worden sei.

ZItat: >“Bitter hat sich Trump über diese Skandalberichterstattung beklagt – und doch ist davon auszugehen, dass sie ihm ganz so ungelegen nicht kommt, wie es zunächst den Anschein haben mag. Denn sie mag wahr sein oder falsch, vor allem ist sie eben blendend – sie macht all jene, die sich nur noch mit ihr beschäftigen, blind für alle anderen Fragen, die noch offen sind vor Trumps Amtsantritt. Sie überstrahlt das Bild dieses Mannes auf dem Weg zur Macht so stark, dass die Lücken seiner Konzeption unsichtbar werden.“<-Zitatende.

Das ist der Gipfel. Auf die Idee, daß einem Diffamierten seine eigene Diffamierung gelegen kommen könnte, muß man erst einmal kommen. Niemandem, der weniger schlau ist als Stefan Kuzmany, wäre das eingefallen. „Wie schön, daß Sie mich verleumdet haben, freut mich!“, ist tatsächlich kein Satz, der jemals eines Menschen Ohr gestreichelt hat. Trump will dadurch, daß er sich willig diffamieren läßt, die Lücken seiner Konzeption unsichtbar machen, mutmaßt Kuzmany. Wahrscheinlich haben nicht Trumpgegner das schändliche Dossier eingekauft, sondern Trump selbst. Genug Geld hätte er ja gehabt. Für keine Sorte Mensch gilt folgender Satz so sehr, wie er für deutsche Linke gilt: „Was ich denk´und was ich tu´, das trau´ich jedem anderen zu.“ Kuzmany ist der perfekte linke Verdächtiger.

Zitat: >“Donald Trump hat seine Präsidentschaft noch nicht angetreten, da versinkt sie bereits im Nebel. Alles wird great, fantastic, beautiful und tremendous – aber wie genau soll es das werden? Konkrete Antworten auf die Frage, wie er seine Absichten in die Tat umsetzen will, gibt es nicht. Von ihm kommen nur Tweets, Show und Phrasen – und dem Rest der Welt bleibt nur die verzweifelte Hoffnung auf einigermaßen kompetentes Personal in der US-Regierung, das seine schlimmsten Ausfälle einhegt und echte Katastrophen verhindert. Politik jedoch ist von diesem Präsidenten nicht zu erwarten.“<-Zitatende.

Das ist ein interessantes Resümee. Und gelogen ist es natürlich auch wieder. Daß dem Rest der Welt lediglich die „verzweifelte Hoffnung“ bliebe, „einigermaßen kompetentes Personal“ würde Trumps „schlimste Ausfälle“ einhegen, stimmt einfach nicht. Meinereiner zählt nämlich zum Rest der Welt. Als Teilmenge von „Rest der Welt“ hofft meinereiner inständig, daß die Kündigungswelle beim SPIEGEL anhält und daß sie Typen wie Kuzmany trifft. Ein anständiger Kommentar ist von diesem Stefan nämlich nicht zu erwarten.

Foto: Collage

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.