„Blendle“, Breitbart, Dortmund und viel Fake um angebliche „Fake News“

Von Dr. Andreas Unterberger

Auf frischer Tat ertappt. Schon wieder hat eine massenweise und täglich mehr gelesene Internet-Seite, die noch dazu Donald Trump im Wahlkampf unterstützt hat, eine glatte Erfindung verbreitet. Großer Grund zur Freude also bei „Blendle“, einer Firma, die Artikel aus mehr oder weniger seriösen Printmedien unter die Menschheit zu bringen versucht. „Blendle“ meldete jedenfalls dieser Tage als Spitzenmeldung seiner täglichen Werbeaussendung: „Angeblicher Kirchenbrand in Dortmund: Breitbart verbreitet schon jetzt Falschmeldungen in Deutschland“.

„Blendle“ macht zwar keine weiteren Angaben zu dieser Meldung, erklärt schon gar nicht, was eigentlich die Worte „schon jetzt“ bedeuten sollen. Aber das Ganze klingt arg. Klare Fake News.

Noch dazu ist Breitbart eine bekannte konservative US-Seite mit einer Redaktion, die größer ist als die der meisten europäischen Zeitungen. Daher machte ich mir die Mühe, der Sache nachzugehen. Wird dort wirklich so brutal erfunden, wie man aus der „Blendle“-Spitzenmeldung schließen muss?

Tatsächlich: Auf Breitbart steht etwas davon. Und zwar wörtlich: „Despite the prohibition of lighting pyrotechnics near churches, firemen had to intervene after fireworks were launched at St Reinolds, Germany’s oldest church, setting the roof alight.“

Schon auf den ersten Blick ist ein Teil dieser Meldung als unrichtig zu erkennen: Die Reinoldikirche ist nur die älteste erhaltene Kirche Dortmunds (als älteste Kirche Deutschlands gilt der Dom zu Trier). Aber das war sicher nicht der Grund, warum der Breitbarttext plötzlich zum Aufreger in Deutschland geworden ist; das ist denen gar nicht aufgefallen. Relevanter ist natürlich der Rest der Meldung.

Zu dieser gibt Breitbart freilich auch eine Quelle an: „Ruhrnachrichten.de“. Das ist eine Plattform mehrerer deutscher Regionalzeitungen. Diese hat in der Silvesternacht in knappem Abstand jeweils die neueste Lage in der durch einen exzellenten Fußballklub europaweit bekannten Stadt (mit rund 600.000 Einwohnern) berichtet.

Auf dieser Plattform aber finde ich Erstaunliches, nämlich einen weitgehend mit Breitbart konformen Text (samt Bild): „Einsatz an der Reinoldikirche: Eine Silvesterrakete hatte am Dach ein Fangnetz eines Baugerüsts in Brand gesetzt.“

Wumms, da ist der „Blendle“-Ballon aber jetzt mit einem ordentlichen Knall geplatzt. Das einzige was von der „Falschmeldung“ überbleibt:  Breitbart hat „Fangnetz eines Baugerüsts am Dach“ mit „Roof“ übersetzt.

Nun, das ist gewiss nicht ganz präzise. Aber das ist zweifellos eine lässliche Minisünde im Vergleich zu dem, was man beispielsweise fast in jeder Nummer der „Blendle“-Zeitungen zu Hauf findet. Diese Minisünde so prominent zu thematisieren ist schlicht lächerlich und ein neues Beispiel der krampfhaften Manipulation und des verzweifelten Überlebenskampfs der Printwelt gegen die neue Medienwelt, in dem denunziert wird, was das Zeug hält.

Der noch viel größere Skandal tut sich aber erst auf, wenn man näher in die „Ruhrnachrichten.de“-Berichte aus Dortmund einsteigt. Wenn man liest, was sämtliche „Blendle“-Zeitungen, aber auch alle anderen verschwiegen haben. Fast automatisch bekommt man dabei den Verdacht, dass es noch in vielen anderen durch afrikanische und islamische Zuwanderer bereicherten Städte auch zu diesem Silvester doch nicht so friedlich zugegangen ist, wie amtlich/medial behauptet wird.

Anfangs liest man aus Dortmund recht beruhigende Meldungen der lokalen Polizei. Das ändert sich aber bald. Ein paar Passagen seien zitiert:

„Ab 23.45 Uhr versammelten sich mindestens 1000 überwiegend junge Männer am Platz von Leeds in der Dortmunder Innenstadt. Mehrmals war ein riskanter Umgang mit Pyrotechnik zu beobachten. Raketen wurden mit bloßen Händen gehalten und abgefeuert, statt sie sicher am Boden zu positionieren. Mehrere Unbekannte schleuderten Böller auf Polizisten und feuerten Pyrotechnik in die Menschenmenge, in der sich vereinzelt auch Familien mit Kindern aufhielten. Die Polizei forderte die Menge auf, Böller und Raketen nicht in die Menschenmenge abzufeuern. Lautsprecherdurchsagen wurden jedoch ignoriert. Bereitschaftspolizisten verfolgten mehrere Männer, die dann festgesetzt und durchsucht wurden.“

„Die Polizei berichtete in einer ersten Bilanz kurz nach Mitternacht von intensiven Kontrollen bereits am Hauptbahnhof und auch am Platz von Leeds und am Platz von Amiens. Auch dort wurden Platzverweise ausgesprochen. Die Polizei stellte größere Mengen an Pyrotechnik sicher.“

„Erste Anzeichen für eine unruhige Nacht erhielt die Bundespolizei am Silvesterabend bereits um 18.35 Uhr, als eine Silvesterrakete in eine Gruppe von Obdachlosen geschossen wurde und einen 32-Jährigen schwer verletzte. Um 19 Uhr feuerte eine Gruppe von Männern von der Katharinenstraße aus mehrere Leuchtkörper auf den Hauptbahnhof. Die Männer wurden überprüft, Pyrotechnik sichergestellt. 25 Minuten später bewarfen mehrere Tatverdächtige zur Sicherheit abgestellte Bundespolizisten und beleidigten sie mit den Worten ,fuck you‘ und ,scheiß Polizei‘. Ähnliche Vorfälle wiederholten sich immer wieder.“

„Wir haben mit der Bundespolizei über Einsätze in der Silvester- und Neujahrsnacht am Dortmunder Hauptbahnhof gesprochen. Polizisten und Reisende erlebten dort eine ,aggressive Grundstimmung‘, sagte Bundespolizeisprecher Volker Stall. Verantwortlich für diese gefährlichen Aktionen seien ,junge Männer mit und ohne Migrationshintergrund‘. Polizisten und Passanten wurden mit Pyrotechnik beworfen. Wie gefährlich die Lage war, beschreibt dieser Fall: Ein Unbekannter feuerte gegen 18.35 Uhr eine Rakete ab – er zielte jedoch nicht in die Luft, sondern traf einen Obdachlosen. ,Der Mann musste mit Verbrennungen ersten Grades in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Er hatte Brandwunden an den Händen und am Kopf‘, sagte der Sprecher. Im Bahnhofs-Gebäude wurden in Deutschland nicht zugelassene Rauchtöpfe gezündet, auch das habe Reisende stark beeinträchtigt.“

„Die Dortmunder Polizei veröffentlicht weitere ,vorläufige Zahlen‘ zur Silvesternacht in Dortmund. Hier eine Übersicht:

  • 180 Einsätze zwischen 18 Uhr am Silvesterabend und 6 Uhr am Neujahrsmorgen
  • 79 Platzverweise
  • 12 Personen in Gewahrsam
  • 13 Personen vorläufig festgenommen
  • 28 Anzeigen wegen Sachbeschädigungen
  • 41 Anzeigen nach Gewalttaten
  • 4 Anzeigen nach Taschendiebstählen
  • 4 Anzeigen nach Raubstraftaten (,Antanzen‘)
  • in 12 Fällen: Mehrere Tatbeteiligte
  • 23 Verletzte (20 leicht)
  • 5 leicht verletzte Polizisten“

Für alle Medien außerhalb Dortmunds eine ganz normale Nacht, die keine Zeile der Erwähnung wert ist. Dies erst dann, als eine amerikanische Internetseite „Fangnetz eines Baugerüsts am Dach“ verkürzend mit „Roof“ übersetzt hat.

Wie schlecht muss es den klassischen Medien gehen, dass sie solche hetzerischen Übertreibungen  über die Konkurrenz aus dem Internet verbreitet? Nur weil dort Medien agieren, die von der politischen Macht weder kontrolliert noch bestochen werden können?

Zunehmend bekommt man den Eindruck, dass nicht so sehr Breitbart ein Wahrheitsproblem ist, sondern vielmehr jene klassischen Medien, die alles verschweigen, was ihnen nicht passt, und die dann empört sind, wenn immer mehr Menschen „Lügenpresse“ zu ihnen sagen.

Dabei finden sich gewiss im Internet auch echte Lügen, dass es eine Anti-Internet-Kampagne eigentlich gar nicht notwendig haben sollte, bei der erstbesten ernsthaften Nachprüfung so blamabel einzugehen. Im Internet wird gelogen, so wie in Print auch. Und erst recht im Fernsehen. Aber dennoch werden (zu Recht) keine Gesetze gegen das Fernsehen verlangt.

Dafür hat das Internet den Vorteil viel, viel größerer Vielfalt, sodass dort nie eine geschlossene Verschweigekampagne möglich ist.

Foto: Pixabay/ CC0 Public Domain

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