„SÜDDEUTSCHE ZEITUNG BESTREITET, KÄSEBLATT ZU SEIN.“

Von Max Erdinger

Das wäre die Schlagzeile, die in ihrer Hinterfotzigkeit zu „Trump bestreitet, erpreßbar zu sein“ passen würde, ginge es in der SZ um das eigene Blatt und nicht um Donald Trump.

http://www.sueddeutsche.de/politik/usa-trump-bestreitet-erpressbar-zu-sein-1.3329542

Natürlich bestreitet Trump, erpreßbar zu sein. Welcher Politiker würde nicht bestreiten, daß er erpreßbar, korrumpierbar oder lenkbar sei? Die Frage ist doch, warum er sich genötigt sieht, solche Aussagen öffentlich über sich selbst zu teffen. Da spielt es keine Rolle, ob Vorwürfe zutreffend sind und dennoch bestritten werden, oder ob sie unzutreffend sind und lediglich deshalb bestritten werden, weil sie in den Raum gestellt worden sind.

„Trump bestreitet, erpreßbar zu sein“ ist als Schlagzeile eine Perfidie, weil die Schlagzeile, wenn nicht als einziges, so doch auf jeden Fall als erstes wahrgenommen wird. Wer, wie in diesem Fall, den ganzen Artikel liest, merkt dann zum Schluß hin schon, wie diese Schlagzeile gemeint war: Erstens ist Trump erpreßbar und zweitens bestreitet er es auch noch. Daß der Artikel selbst nicht einen Beleg für die unterstellte Erpreßbarkeit Trumps liefert, sondern sich lediglich auf Einschätzungen und Mutmaßungen beruft, die aus einem Dossier zu Trump resultieren, welches hochoffiziell Trumpgegner bestellt hatten, wird dem Leser erst klar, wenn er die Schlagzeile schon längst wieder vergessen hat. So funktioniert süddeutsche Meinungsmache.

Das Dossier stammt von einem ehemaligen britischen „Geheimdienstarbeiter“, wie uns die Süddeutsche „wissen“ läßt. Nicht wissen läßt sie uns, ob es sich bei diesem Geheimdienstmitarbeiter um James Bond persönlich, um Mr. Q  oder den geheimdienstlichen Hausmeister handelt. Schon bei geringfügig mehr informativer Substanz hätte man bei der SZ zumindest ein „hochrangiger“ vor „Geheimdienstmitarbeiter“ eingefügt, um sicherzustellen, daß kein Leser an den Hausmeistergehilfen denkt. Jedenfalls berichtet die SZ, in dem fragwürdigen Dossier“heiße es“ – Zitat: “ … der russische Geheimdienst verfüge über ein Video, das Trump bei einer Sexparty im Moskauer Hotel Ritz Carlton im Jahr 2013 zeige. Zudem heißt es in den Dokumenten, dass Russland Trumps Aufstieg durch Geheimdienstaktionen seit Jahren gezielt gefördert habe. Während des Wahlkampfs vergangenes Jahr habe es ständig enge Kontakte zwischen Mitarbeitern Trumps und dem Kreml gegeben.“
Gottogott, „zudem heißt es“ auch noch? Das ist ein bißchen viel „heißt es“, um in Form eines Artikels mehr als nur Gerüchte zu transportieren. Interessiert sich der treue Konsument der Prantl-Prawda für Gerüchte? Bei der SZ scheint man davon auszugehen, daß dem so sei. Und was wäre überhaupt das Skandalöse an einer Sexparty, unterstellt, daß es tatsächlich eine gegeben hat? Dürfen alle „die Menschen“ Sexparties feiern, nur der amerikanische Geschäftsmann und spätere Präsidentschaftskandidat nicht? Verschweigt uns die SZ auch nicht, daß es heißt, Trump habe als Kind mit seinen späteren Präsidentenfingern in der Nase gebohrt? Heißt es das überhaupt? Und wenn es das hieße: Wer wollte da noch Verträge unterzeichnen, die von der einen Vertragsseite mit solchen Fingern unterschrieben worden sein würden? Kontakte habe es gegeben, heißt es auch in dem fragwürdigen Dossier. Zwischen Trumps Mitarbeitern und dem Kreml. Während des amerikanischen Wahlkampfes! Sodom und Gomorrha! Es hieß auch schon, Angela Merkel habe der Clinton-Foundation 5 Mio. Euro überweisen lassen während des Wahlkampfes. Merkel bestritt (!) das und behauptete, dabei habe es sich um Fake-News gehandelt. Hieß es. Später.

Zitat: >“Das von Präsident Wladimir Putin persönlich gebilligte Ziel dabei sei gewesen, eine Präsidentschaft der Demokratin Hillary Clinton zu verhindern sowie den Westen und die Nato durch einen Wahlsieg Trumps zu schwächen.“<-Zitatende.

Das ist einfach zum Schreien komisch. Da steht nicht „Hillary Clinton“, sondern „Demokratin Hillary Clinton“. Demokratin verhindern also. Eine Demokratin zu verhindern, wäre freilich sehr undemokratisch. In dem Fall sogar frauenfeindlich. Eine demokratische Frau zu verhindern, – so etwas tut man nicht. Völlig lächerlich ist die Unterstellung, Putin sei der Meinung, durch Trump lasse sich der Westen samt der NATO schwächen. Da bedient die SZ nur noch einen linken Reflex, der als Gewißheit voraussetzt, der Westen samt Nato sei nur dann „stark“, wenn Figuren wie Angela Merkel und Ursula von der Leyen für Stärke sorgen, mithin also, der Westen sei dann stark, wenn er so bleibt, wie er ist. Das Dumme ist nur: Wenn der Westen bleibt wie er ist, dann bleibt er schwach. Dann befindet er sich nämlich weiter im Würgegriff gutmenschlicher Ideologen, die sich ohne Sinn und Verstand seiner Schwächung widmen. Daß Putin davon ausgegangen sein könnte, ein Wahlsieg Trumps könne den Westen schwächen, beinhaltet die schwachsinnige Unterstellung, daß Putin wie ein deutscher Linker tickt. Und das tut er mit Sicherheit nicht. Aber der SZ-Leser liest es natürlich gern, weil er dann wieder einmal die Welt versteht.

Und dann das – Zitat: >“Wie glaubhaft die Einschätzungen und Erkenntnisse in den Dokumenten sind, ist schwer zu beurteilen. Zusammengestellt wurde das Dossier nicht von staatlichen Ermittlern, sondern von einem ehemaligen britischen Agenten, der in den vergangenen Monaten im Auftrag von Trumpgegnern Informationen über den Republikaner gesammelt hatte. Das Dossier kursiert schon seit einigen Monaten unter Journalisten und Politikern in Washington.“<-Zitatende.

Na also, da haben wir´s doch endlich. Das Dossier des ehemaligen britischen Hausmeisters beim Geheimdienst („Geheimdienstmitarbeiter“) ist im Auftrag von Trumpgegnern entstanden. Da können wir uns an drei Fingern abzählen, von wem der Haumeister Geld für sein Dossier bekommen hat. Wie ging noch der alte deutsche Spruch? So ging er: „Wes´ Brot ich eß´, des´ Lied ich sing.“ Heißt es. In diesem Spruch.

Die Glaubwürdigkeit des Dossiers ist also fraglich. Das hinderte die SZ allerdings nicht, zu titeln, daß Trump bestreite, erpreßbar zu sein. In Miesbach hat die Kuh Berta gekalbt. Das heißt es nicht, das ist so. Darüber hätte man bei der SZ schreiben können. Das wäre eine seriöse Information gewesen. Wußten Sie übrigens schon, daß es heißt, Umweltministerin Barbara Hendricks sei ein Mann? Nicht? Ich auch nicht. Trotzdem  „heißt es zudem“, sie habe selbst das noch bestritten.
Was heißt es noch? „Süddeutsche Zeitung bestreitet, ein Käseblatt zu sein.“ Sie ist eines und zu allem Überfluß bestreitet sie es auch noch.

Foto: Collage

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