Was Snowden und Assange dürfen, dürfen die Russen noch lange nicht

Hacker, übernehmen Sie bitte.

Von Dr. Andreas Unterberger

Ich habe wenig Zweifel, dass es russische Hacker waren, welche die geheimen Mails von Hillary Clinton mit illegalen Methoden an die Öffentlichkeit gebracht haben. Ich habe aber ebensowenig Zweifel, dass es ein übles Foul von Barack Obama an seinem Nachfolger ist, deswegen Russland eine diplomatische Kriegserklärung entgegenzuschleudern (die von Moskau jedoch ungewöhnlich elegant ins Leere abgelenkt worden ist).

Denn es gibt ebensowenig Zweifel, dass auch die Amerikaner ebenso in russischen Mails herumschnüffeln. Und vor allem gibt es keine Zweifel, dass es nicht diese von russischen Hackern hinausgespielten Mails waren, die den Wahlausgang entschieden haben. So sensationall waren die Clinton-Mails ja gar nicht. Für ihre Niederlage gibt es mindestens zehn andere und stärkere Gründe.

Worum es Obama wirklich geht: Er will seinem Nachfolger das Leben möglichst schwer machen, indem er jeden Tag Entscheidungen mit Langfristwirkung trifft. Das gehört sich aber in den allerletzten Tagen einer Präsidentschaft nicht. Obamas Taten widersprechen damit all seinen schönen Worten von einem sauberen Machtübergang.

Darüber hinaus hat Obama ein weiteres sehr persönliches Motiv, die Hacker-Affäre möglichst groß aufzublasen. Denn auch für ihn war die Clinton-Niederlage eine heftige Ohrfeige. Hat sich doch das Präsidentenehepaar ungewöhnlich heftig im Wahlkampf für Clinton engagiert. Damit ist die Clinton-Niederlage auch eine der Obamas. Diese persönliche Schlappe wird jedoch harmloser und weniger schädlich für die eigene Heiligenlegende, wenn man sie auf unfaire Praktiken zurückführen kann. Im Unterbewusstsein der Meinungsmacher soll sich die Botschaft festsetzen: Ein Obama ist nur durch übernatürliche Magie besiegbar.

Obama-Kritiker könnten freilich auch sagen: Da bastelt einer gezielt an einer Verschwörungstheorie und Dolchstoßlegende.

Denn bei aller kritischen Haltung gegenüber Trump muss gesagt werden: Wenn in diesem Wahlkampf wirklich etwas extrem unfair war, dann war es der absolut geschlossene und nicht gerade mit nobler Klinge geführte Kampf sämtlicher amerikanischer Printmedien und fast aller elektronischen Medien sowie der gesamten Film- und Pop-Schickeria einschließlich des Regierungsapparats gegen ihn. Es war auch extrem unfair, eine unter vier Augen gefallene Äußerung Trumps (mit frauenverachtendem Inhalt) wochenlang zu thematisieren, als ob Amerikas Schicksal davon abhinge. Dagegen nehmen sich die Aktionen der russischen Hacker und deren Wirkung geradezu wie ein Kinderspiel aus.

Ganz abgesehen davon, dass die Russen ja offenbar diesmal gar nichts erfunden haben (was sie sonst schon des Öfteren tun). Sie haben vielmehr nur gefunden und wahre Dinge an die Öffentlichkeit gezerrt, die Obamas Partei lieber geheim gehalten haben wollte. Das ärgert natürlich Amerikas Geheimdienste, weil sie solche Spionageaktionen nicht verhindern haben können – und noch viel mehr deshalb, weil die Russen mehr Clinton-Mails gefunden haben als das monatelang einschlägig aktive FBI.

PS: Köstlich ist übrigens auch, wie plötzlich alle jene Medien, die jahrelang große Weihrauchwolken für die Herren namens Snowden, Greenwald, Assange oder Manning verbreitet haben, plötzlich die Nase rümpfen, da die Russen die gleichen Sauereien begehen. Noch dazu zugunsten des verhassten Trump …

Symbolfoto: Pixabay/ CC0 Public Domain

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