Gabriels Planwirtschaft und der launische Wind

Von Wolfgang Prabel

Die erforderliche elektrische Leistung in Deutschland schwankt im Winter zwischen maximal 82.000 Megawatt (MW) tags und minimal 45.000 MW nachts.

Die installierte Leistung der Windkraftanlagen beträgt 45.000 MW und die der Photovoltaik 41.000 MW. Theoretisch kann man also den Maximalbedarf an elektrischer Energie mit Erneuerbaren locker decken. Aber leider nicht praktisch.

Denn die tatsächliche eingespeiste Leistung von Photovoltaikanlagen schwankt im Winter zwischen 0 und 10.000 MW, die der Windkraftanlagen von 1.000 bis 30.000 MW. Das heißt, die Photovoltaik hat einen Wirkungsgrad zwischen 0 und 25 %, die Windkraft zwischen 2 und 67 %. Wenn man den Wirkungsgrad in erster Näherung als Quotienten von tatsächlicher Leistung und installierter Leistung überschlägt. Wind- und Sonnenstrom zusammen erreichen minimal 1.000 MW, was wiederum etwas mehr als 1 % des Maximalbedarfs ist. Und umgekehrt kann der Wind zwei Drittel des Nachtstrombedarfs decken. Wenn er denn ordentlich weht.

Von einer Abdeckung des Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien kann also überhaupt nicht die Rede sein. Auch in Zukunft nicht. Alle entsprechend lautenden Mitteilungen sind reine Fantasterei und Elitenpropaganda der Medien. Die gesamte elektrische Leistung von 82.000 MW muß im Flaute-, Nacht- und Bewölkungsfall durch konventienelle Kraftwerke erbracht werden, wenn man zu diesen mal die Wasserkraftwerke hinzurechnet. Im folgenden Bild aus agora-energiewende.de sind Strompreis, Stromerzeugung und Stromverbrauch für den Dezember 2016 dargestellt.

Die Rote Linie ist der Verbrauch, die blaue der Preis und die grüne Fäche ist die durch Erneuerbare abgedeckte Leistung. Wer die Grafiken etwas größer und klarer sehen will: Hier.

Man erkennt, daß an Sonn und Feiertagen die erforderliche elektrische Leistung 20.000 MW niedriger liegt, als an Wochentagen an denen gearbeitet wird. Leider hat die Regierung kein Abkommen mit Petrus. Gerade zu Weihnachten zwischen dem 24. und 26.12.2016 blies der Wind aus Leibeskräften. Daniel Wetzel von der WELT hat herausgefunden: „So mussten die deutschen Verbraucher etwa über die Weihnachtsfeiertage hinweg nach überschlägigen Berechnungen fast 20 Millionen Euro für die Vernichtung überschüssigen Ökostroms zahlen.“

Lieber Herr Wetzel, Strom kann man nicht „vernichten“. Schön wärs. Der Müllstrom wurde über die österreichische, französische und schweizerische Grenze verklappt, wofür die entsprechenden Strafzahlungen zu entrichten waren. Müllgebühren sozusagen. Wenn die genannten Länder den Strom auch so rücksichtslos erzeugen würden wie die Deutschen, würde das Verbringen über die Grenzen übrigens nicht funktionieren. Deutschland ist auf einem Energie-Egotrip auf Kosten seiner Nachbarn.

Der Wind weht auch an normalen Tagen selten wie er soll. Ein gutes Beispiel ist der 12.12.2016, ein Montag. Nachts ging es mit 20.000 MW verheißungsvoll los, in der Spitzenbelastungszeit zwischen 16 und 20 Uhr war mit einer Leistung von rund 2.000 MW regerecht tote Hose. Und die Sonne konnte auch nicht ausputzen.

Windjournal.de stellt tägliche diese Angaben zur Verfügung: Sollte man wirklich mal besuchen, die Seite. Neben windiger Propaganda eben auch viele Daten für den Faktencheck.

Am 25.12.2016 sah es so aus, daß der Wind den ganzen Tag volles Rohr blies, ebenso wie den Tag davor und danach:

30.000 MW verfügbare Leistung. Nachts war das zuviel und es kam zum teuren Abdrücken in Nachbarländer. Es ist eine gute Frage, wie lange die das mit sich noch machen lassen. Polen, die Niederlande und Tschechien haben schon dicht gemacht und ihre Netze vor den deutschen Windbeuteln geschützt.

Als Ergänzung zum Windstrom wird immer eine gewisse Menge konventioneller Strom aus Wasser-, Kohle- und Gaskarftwerken benötigt, der das Netz stabil hält. Es ist technisch derzeit nicht einmal annähernd möglich 100 % der erforderlichen Leistung mit sogenanntem Ökostrom zu erzeugen. 70 % sind näherungsweise eine realistische Obergrenze.

Und nun zeige ich noch ein drittes Exempel: Es ist auch möglich, daß den ganzen Tag wenig Leistung aus Erneuerbaren entsteht.

Und zwar war der 3.12.2016 ein Samstag, so daß die erforderliche Leistung in der Spitze nur bei etwas über 60.000 MW lag. Aber gerade in den Spitzenzeiten morgens und abends sieht man am 3.12. fast einen Totalausfall der Erneuerbaren.

Der Journalist Wetzel hat – wie oben schon dargetan – behauptet, Strom könne man vernichten. Nein, man muß ihn einfach wieder bedarfsgerecht erzeugen, wie das vor der sogenannten Energiewende selbstverständlich war. Das bedeutet, daß man die Erneuerbaren abschalten muß, wenn die Gestehungskosten an der Strombörse unterschritten werden. Das ist eine ökonomische Binsenweisheit.

Der Landwirt erntet den Kohl nicht, wenn er etwas zuzahlen müßte um ihn zu vermarkten. Er pflügt ihn in diesem Fall unter. Kartoffeln erzeuge ich auf Vorrat, weil ich sie eine Weile lagern kann. Wenn das Fleisch in der Kühltruhe alle geworden ist, ziehe ich ein Schaf aus der Herde und schlachte es. Wenn ich Wärme brauche, heize ich den Kamin mit Holz vom Lagerplatz an. Alles kann ich irgendwie lagern, im Stall stehen lassen und bevorraten. Nur Elektroenergie kann man großtechnisch nicht aufheben. Man muß die Anlagen definitiv abschalten, wenn man den Strom nicht braucht. Der Einspeisevorrang der Erneuerbaren darf bei der riesigen Menge von Erzeugungsanlagen nicht exzessiv ausgelegt werden.

Die Diagramme von Agora zeigen deutlich: Der Zubau von Windkraftanlagen und Photovoltaik muß gestoppt werden, bis die rechtlichen Grundlagen reformiert sind und marktwirtschaftliche Mechanismen wieder greifen. Zu oft nämlich rutschen die Strombörsenpreise ins Negative. Zu oft wird über den Bedarf produziert. Mit den Niedrigpreisen werden die Wasserkraftanlagen und Pumpspeicher in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Dauer in den Ruin getrieben. Und wenn die Pumpspeicher weg sind, weiß niemand mehr wohin mit dem deutschen Müllstrom.

Die Energiewirtschaft in Deutschland ist mittlerweise eine reinrassige von Sigmar Gabriel und Barbara Hendricks gesteuerte Planwirtschaft. Eine vom Wetter abhängige Veranstaltung mit kapriziösen Überraschungen und zahlreichen Unbekannten. Auf die interessante Idee den Wind oder die Sonneneinstrahlung zu planen wäre nicht einmal der schräge Visionär Karl Marx gekommen. Aber wir leben in einer postfaktischen Zeit. Argumente spielen keine Rolle mehr.

Foto: Pixabay/ CC0 Public Domain

http://www.prabelsblog.de/2016/12/gabriels-planwirtschaft-und-der-launische-wind/

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