Max Erdinger: „Quotze“

Von Max Erdinger

Manuela Schwesig (SPD), Bundesfamilienministerin, frohlockt. Die Frauenquote wirke, sagt sie: „Wir haben mehr Frauen in Führungspositionen“. Der Frauenanteil in Aufsichtsräten der zur Quote verpflichteten Unternehmen in diesem Jahr sei um vier Prozentpunkte, von 23,3 auf 27,5 Prozent gestiegen. So steht es in der ZEIT.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-12/manuela-schwesig-frauenquote-erfolg

Die Führungsposition besteht aus Führung und Position. Die Frauenquote zielt auf Position ab, weniger auf Führung. Daß wir mehr Frauen in Führungspositionen haben – wer ist übrigens „wir“? – hätte mir Schwesig nicht erst erzählen müssen. Ich habe es nämlich auch so bemerkt, bei der Bundeskanzlerin angefangen. Wo man in der Bunten Republik Deutschland hinschaut: Frauen in Führungspositionen. Niemand hat etwas davon, außer den Frauen in den Positionen. Ginge es bei Frauen in Führungspositionen tatsächlich um bessere Führung und wäre das mit der Frauenquote erreicht worden, – wer wollte über die Frauenquote meckern? Ich nicht. Mir ist nämlich egal, ob ein Mann oder eine Frau bessere Führungsqualitäten aufweist. Aber wie gesagt: Es geht um Position. Und das ist eine Riesensauerei. Wollte man rein theoretisch die meisten Frauen in den Führungspositionen dieser Bunten Republik hinsichtlich jenes ominösen „Wir“ gleichwertig durch Männer ersetzen, man müsste ausgemachte Trottel nehmen. Der Erfolg der Frauenquote für Führungspositionen ist lediglich insofern einer, als daß Frauen die Gelegenheit erhalten haben, ihre Unfähigkeit genauso unter Beweis zu stellen, wie das früher nur Männern vorbehalten blieb. Was dieses ominöse „Wir“ davon haben soll, bleibt ein Mysterium.

Medien: Seit Sabine Christiansen, einer gelernten Flugbegleiterin, wird die öffentliche Meinungsbildung maßgeblich von Frauen betrieben. Sonja Maischberger, Maybrit Illner und Anne Will sind die Talkmeisterinnen der Bunten Republik. Liz Mohn und Friede Springer sind die Presseköniginnen. Beide haben ihre Positionen von ihren verstorbenen Männern vererbt bekommen, vermutlich deswegen, weil sich die durchschnittliche Lebenserwartung nicht nach Gleichstellungsideen und Quoten richtet. Männer sterben im Schnitt sechs Jahre früher als Frauen. Im Jahr 1920 betrug der Unterschied ein Jahr, auch damals schon zugunsten von Frauen.

Politik: Angela Merkel ist Kanzlerin und damit ein besonders eindrückliches Beispiel dafür, was das „Wir“ von einer Frau in einer Führungsposition hat: Eine Frau in einer Position. Das war´s auch schon. Kein Grund, sich wie Bolle zu freuen. Dann gibt es noch Andrea Nahles, Ursula von der Leyen, Barbara Hendriks, Claudia Roth, Renate Künast, Aydan Özoguz und-und-und … Manuela Schwesig. Die hat den Spitznamen „Küstenbarbie“ und freut sich über den Erfolg der Frauenquote für Positionen.

Außer den Führungspositionen gibt es natürlich auch Nichtführungspositionen. Es gibt überhaupt viel mehr Positionen, als es Führung gibt. Dort wird die Frauenquote schmerzlich vermißt. Bei den Gerüstbauern, den Industrietauchern, den Landwirten, den Bergleuten, den LKW-Fahrern und generell in Positionen, wo sich miserable Bezahlung, lausige Arbeitsbedingungen und Lebensgefahr zu einem wenig begehrenswerten Mix vereinen, gibt es keine Frauenquote. Was es ebenfalls nicht gibt, sind spezialdemokratische Blondinen, die das bemängeln würden. Weit über 90 Prozent aller tödlichen Arbeitsunfälle betreffen Männer in völlig unquotierten, gefährlichen Männerberufen. Das untermauert meine These, daß es bei „Frauen in Führungspositionen“ nicht um Führung, sondern um Position geht.
Ursula von der Leyen zum Beispiel, siebenfache Mutter und in militärischer Hinsicht trotzdem eine völlig ahnungslose Jungfrau, wurde nicht deswegen Verteidigungsministerin, weil es klug wäre, jemanden zur Führungsperson für das Militärische zu machen, der vom Militärischen keine Ahnung hat, sondern deswegen, weil es als schöner gilt, wenn der Ahnungslose weiblichen Geschlechts ist. Sie fordert – na, was wohl? – mehr Frauen in den Führungspositionen der Bundeswehr. Daß Frauen in den unteren Diensträngen der Bundeswehr im militärischen Konfliktfall ebenfalls an die Front geschickt werden müssen, fordert sie allerdings nicht. Daß die in einem solchen Fall nicht an die Front befohlen werden dürfen, ist gesetzlich so geregelt. Da gibt es für die Frau von der Leyen nichts zu meckern. So kommt es, daß wir bei jeder Reportage über einen Truppenbesuch der Verteidungsministerin im Ausland als erstes eine Unteroffizierin zu sehen bekommen, die sich über irgendein frauenspezifisches Problem beklagt. In Afghanistan hat sich eine darüber beklagt, daß es in Masar-e Sharif keine Drogeriemärkte mit Monatshygieneartikeln gebe. Darüber, daß alle der über fünfzig Gefallenen der Bundeswehr Männer gewesen sind, hat sich – Frauenquote hin oder her – niemand beklagt. Man spricht von Soldatinnen und Soldaten, nicht aber von Gefalleninnen und Gefallenen. Gefallene dürfen völlig unquotiert exclusiv männlich bleiben.

Die Frauenquote ist ein Resultat linker Gleichheitsfanatiker, die keine Unterschiede mehr gelten lassen wollen. Daß diese Fanatiker ständig mit zweierlei Maß messen und einer widerlichen Doppelmoral  verfallen sind, läßt sich gerade in Bezug auf die Frauenquote für Führungspositionen anhand zweier Begriffspaare verdeutlichen. Da gäbe es einmal den Feminismus, den jeder kennt. Daß der wiederum aufgeteilt ist in einen Gleichheits- und einen Differenzfeminismus – und daß, je nachdem, wie es der Position von Frau Führung gerade dienlich ist, entweder mit der Gleichheit oder mit dem Unterschied der Geschlechter argumentiert wird, fällt kaum jemandem auf. So entstehen Argmentationsfiguren wie die folgende: Frau muß in Führungsposition, weil sie dem Manne gleich ist und alles andere Diskriminierung wäre. Frau muß aber nicht ins Feld ziehen, weil sie sich vom Manne körperlich unterscheidet. Früher hätte man das ganz einfach Rosinenpickerei genannt. Dann gibt es noch Gleichberechtigung und Gleichstellung. Der Unterschied zwischen Beidem ist den Meisten nicht geläufig. Gleichberechtigung zielt auf Chancengleicheit ab. Es bleibt dem Einzelnen überlassen, seine Chancen wahrzunehmen. Gleichstellung hingegen zielt auf Ergebnisgleichheit ab und degradiert den Einzelnen zur Verfügungsmasse regierungsamtlichen Zwangs. Wer seine Chancen nicht wahrnimmt, wird quasi gezwungen, sie wahrzunehmen. Die wissentliche Vermischung von Differenz- und Gleichheitsfeminismus, sowie die von Gleichberechtigung und Gleichstellung im weiteren Wissen um die fehlende Differenzierungskunst des Adressaten linksgestrickten Gerechtigkeitsgeredes, ergibt am Schluß dann eine der linken Gerechtigkeiten: Die Frauenquote für Führungspositionen.

Zitat: >“Gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe sprach sie von einem „Kulturwandel“ und sagte: „Es tut sich was, es hat sich etwas bewegt.“ < – Zitatende.

Was hat sich denn getan? Was für ein Kulturwandel soll das sein? Ist Kulturwandel an sich schon gut, nur weil er Wandel ist?

Es ist ja nicht so, daß alle Frauen für Führungspositionen in frage kämen. Das ist so wie bei den Männern. Welche Frauen werden denn per Quote in Positionen gehievt? Das ist ein sehr begrenztes Häufchen ohnehin schon saturierter Bessergeschlechtlicher, die sich per Quote einfach mindestens fünfzig Prozent ihrer Mitbewerber um die Position vom Halse halten, – die Schlechtergeschlechtlichen eben. Lieschen Müller hat davon gar nichts. War in der europäischen Kultur früher der Mann das Maß seiner selbst und dasjenige der Frau, so hat sich das heute gewandelt. Inzwischen ist die Frau das Maß für den Mann geworden.  Nicht nur bei den exzentrischen Modekreationen kann man das beobachten, sondern bald überall. Maßstab des aufgeweckten, zappeligen  Grundschülers in seinem ganzen Bewegungsdrang ist das brave, folgsame Mädchen geworden, welches zur Freude der Frau Lehrerin ruhig auf seinem Stuhl sitzen bleibt. Das heißt in der Konsequenz: Immer mehr Ritalin für ganz normale Jungs, um sie in ihrem Verhalten den Mädchen anzugleichen. Das ist schon ein Kulturwandel – und zwar ein äußerst negativer. Groß geworden ist die europäische Kultur damit nicht. Dieser Wandel begleitet vielmehr ihren Abstieg – und zwar in vielerlei HInsicht. Es ist geradezu grotesk, daß Deutschland in den PISA-Studien zum Bildungsstand deutscher Schüler ziemlich schlecht abschneidet, vor allem, wenn man die Ergebnisse an den Ansprüchen mißt, die Deutsche im internationalen Maßstab an sich selbst zu stellen gewohnt waren. Einhergehend damit aber wird bejubelt, daß Mädchen national inzwischen die besseren Schulabschlüsse vorzuweisen haben. Ein Schandmaul, wer hier eine Verknüpfung macht? Wo sind sie denn zu finden an den Universitäten, die jungen Frauen mit den besseren Schulabschlüssen? In den faktenbasierten Studiengängen jedenfalls nicht. In den sogenannten Geschwätzwissenschaften allerdings zuhauf. Informatik zum Beispiel ist nach wie vor eine fast rein männliche Angelegenheit – und mit der Ausfuhr von Geschwätz ist noch keine Exportnation jemals erfolgreich geblieben.

Da es bei der Quote für Frauen in Führungspositionen nicht um Führung, sondern um Position geht, steht auch nicht die Verantwortung, welche seit jeher an Führung gekoppelt ist, im Zentrum der Betrachtungen zu Führung im allgemeinen. Einen schönen Beleg dafür hat jüngst die Bundeskanzlerin abgeliefert. Nicht zum ersten Mal übrigens. Allen Ernstes bezeichnete sie den furchtbaren Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin als „letztlich unbegreiflich“, obwohl der überaus begreiflich gewesen ist. Ursache ist die Opferung jeder Verantwortung seitens der Kanzlerin zugunsten ihrer persönlichen Weltsicht gewesen. Die Kanzlerin will einfach nicht verantwortlich dafür sein. Wer Merkel dennoch dafür verantwortlich macht, bekommt von ihr zu hören, daß Deutschland „nicht mehr mein Land sei“, wenn sie dafür kritisiert wird, ein „freundliches Gesicht“ gemacht zu haben. Diese Einlassung Merkels ist so dämlich, wie sie deutlich ist. Es geht ihr nicht um Führung und Verantwortung als Kanzlerin, sondern darum, daß sie die Kanzlerin ist. Es geht ihr um die Position.

Ursula von der Leyen hatte bei ihrem Amtsantritt als Bundesverteidigungsministerin kein Problem damit, ihre fachliche Inkompetenz schönzureden. Sie hatte das Amt bekommen. Das war das Wichtigste. Daß sie noch nicht einmal die militärischen Dienstgrade kannte, – Schwamm drüber. Ihre Qualifikation für das Amt, so von der Leyen damals, bestünde in ihrer Errfahrung mit großen Verwaltungen. So sehr ist diese Republik inzwischen entklötet, daß es niemand wagte, Einspruch zu erheben, dergestalt etwa, daß er eingeworfen hätte, die Tatsache, daß alle Ressorts verwaltet werden müssen, bedeute noch nicht, daß alle Ressorts ihrer jeweiligen Natur nach gleich seien.

Mit Andrea Nahles haben wir ausgerechnet eine Frau als Bundesarbeitsministerin, die in ihrem Leben noch nie etwas Produktives gearbeitet hat. Sie ist halt Frau und damit qualifiziert genug. Der Kulturwandel, von dem Manuela Schwesig spricht – und dem sie implizit Positives unterstellt, da sie ihn sonst wohl kaum begrüßen dürfte – , betrifft eine Kultur, die für die längste Zeit ihres Bestehens erfolgreich gewesen ist damit, daß Männer und Frauen unterschiedliche Aufgaben wahrnahmen und sich dadurch sinnvoll ergänzt haben. Es gibt ein Gaspedal und es gibt ein Bremspedal. Niemand käme auf die Idee, zu behaupten, es sei ein erstrebenswerter Fortschritt für die motorisierte Fortbewegung als solche, wenn man mit jedem der beiden Pedale sowohl gasgeben, als auch bremsen könne. Die Quote für Frauen in Führungspositionen impliziert außerdem, daß fast alle früheren Generationen von den wahren Potentialen der jeweiligen Geschlechter füreinander keine Ahnung gehabt haben können – und daß die diesbezügliche Erleuchtung des Geistes erst in der Gegenwart erfolgte. Das muß jeder Vernunftbegabte für extrem unwahrscheinlich halten. Es geht um zeitgeistige Ideologie und um sonst gar nichts.

Daß die ZEIT mit ihrem Anspruch, das Intellektuellenblättchen dieser Republik zu sein, alles das unter den Tisch fallen läßt und kein Haar in der Schwesigschen Freudensuppe findet, sondern lediglich wohlwollende Hofberichterstattung betreibt, legt den Verdacht nahe, daß es mit dem Intellekt bei der ZEIT nicht mehr weit her sein kann. Nicht nur der zeitgeistige „Intellektuelle“ tappt hier in eine Falle. Seit jeher ist es so, daß es Sachverhalte gibt, die dem Eierkopf zu einfach sind, zu unergiebig, um seine Brillanz unter Beweis zu stellen. Einer davon ist der, daß es die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen ist, die der Fortpflanzung seiner Art dient, nicht die Führungsposition. Etwa 40 Prozent aller deutschen Akademikerinnen bleiben kinderlos. Ausgerechnet die intelligenteren und gebildeteren Frauenköpfe, diejenigen also, für deren Nachwuchs eine günstige Sozial- und Bildungsprognose abzugeben wäre,  verweigern sich dem, was dem Menschen in seiner weiblichen Form den tatsächlichen Sinn gibt und dem Land aus der demografischen Krise helfen würde. Lediglich Frauen, die sich selbst beim besten Willen nicht in Führungspositionen hieven lassen, bekommen in Deutschland noch Kinder. Die Schwesigsche Freude über den – hinsichtlich seines Segensreichtums für das Ganze betrachtet – sehr zweifelhaften Erfolg der Quote für Frauen in Führungspositionen, ist im Grunde eine Freude darüber, daß sich bestimmte, saturierte Frauen heutzutage als Männer „selbstverwirklichen“. Über den „Kulturwandel“, den das mit sich bringt, kann sich nur freuen, wer „Wandel“ mit „Verschwinden“ gleichsetzt. Mit irrsinigen Gleichstellungen jedweder Art aber hat der linksgestrickte „Intellektuelle“ der Gegenwart die geringsten Probleme. Und das ist ein sehr ernsthaftes Problem. Im Grunde ist es das Kardinalproblem.

Symbolfoto: Pixabay/ CC0 Public Domain

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.
Loading...