Mein Weihnachts- und Neujahrsgruß 2016/17 – ´mal ein bißchen anders

Von Peter Helmes

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,

es ist mir in den letzten Jahren zu einer liebgewonnenen Tradition geworden, den Menschen, die ich besonders schätze, eine eigene Weihnachtsgeschichte zu schreiben.

Heute will ich zwar diese Übung nicht unterbrechen, aber diesmal handelt es sich um eine ganz andere Geschichte – kein Märchen, keine Fabel, keine „fromme Betrachtung“, sondern ein Stück aus meinem eigenen Leben. Zugleich auch ein glühendes Bekenntnis zum Wert der Familie.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Ihnen damit einen kleinen Einblick in das Großartige einer Großfamilie bieten könnte. Und: Die Erinnerung bringt mich auch heute wieder und immer noch zum Schmunzeln.

Hier ist sie, meine kleine Weihnachtsgeschichte:

Weihnachten – wie es bei mir zuhause war

Liebe Leser,

Wer hat dies nicht auch schon einmal erlebt? Krummer Tannenbaum? Wie ich das kenne! Wie leicht fällt man auf einen solchen Krüppel rein, zumal diese Bäumchen häufig in ein Netz eingewickelt sind und der Verkäufer hoch und heilig verspricht, daß ich einen edleren Baum noch nie gesehen hätte Zuhause kommt dann die „Bescherung“. Na ja, wenn wenigstens die Kerzen halten, geht´s doch!

Kein Fluch, sondern Segen einer Großfamilie

Was ich heute vermisse, ist meine Großfamilie, in der ich aufgewachsen bin – mit Hund und Katz´ und bis zu 15 hungriger Mäuler am Tisch. Was dann kam, nannten wir Kinder „typisch Helmessche Festtagsstimmung“. Die alles beherrschende Mama herrschte in der Tat jeden an, Papa verkrümelte sich in den Keller, in dem die Weinschätze schütter wurden. Meine große Schwester – 20 Jahre älter als ich – spielte den lieben Part, „die liebe Mutti“ – aber da sie meiner Mutter meist auf den Füßen stand, gab´s da auch nicht viel zu lachen.

Zu allem dudelten mindestens drei Radios, selbstredend mit jeweils anderen Programmen: Eines in der Küche, das von morgens bis abends lief, eines im Wohnzimmer und (mindestens) eines in einem der Kinderzimmer. (Wir hatten zwölf Zimmer. Man kann sich also leicht vorstellen, welches „Harmoniekonzert“ bei uns ablief.) Dazu mein durchgeistigter Bruder (der sich auf sein Priestertum vorbereitete), er spielte (übte!) abwechselnd (jämmerlich!) auf dem Klavier und seiner Geige usw….

„Negerjazz“

Ich selbst bereicherte das permanente Hauskonzert, war aber etwa ab dem 10. Lebensjahr der Schrecken der Familie – der einzige Jazzliebhaber im Haus (erst viele Jahre später fand auch ich zur Klassischen Musik). Und Jazz kann man nicht leise hören. Eine Jazzband wirkt nur, wenn sie „auf volle Dröhnung“ gedreht ist. Dann schrie meine Mutter (über zwei Etagen): „Stell den Negerjazz ab – oder wenigstens leiser…!“ In der Regel verpuffte dieser Wunsch, bis ich „eine geklatscht“ kriegte.

Hingegen empfing meine Schwester viel Lob, sie hörte am liebsten Kantaten und Motetten, was mich zur Weißglut trieb. Aber da wir ein „frommes“ (katholisches) Haus waren, mußte ich eben still vor mich hin leiden.

Dazwischen unser Schäferhund, den niemand beachtete, der aber so schlau war, die allgemeine Verwirrung auszunutzen: Er fraß – völlig unbeachtet und unbeobachtet – in aller Ruhe das „Hexenhäuschen“ (aus Lebkuchen und Printen), das meine Mutter liebevoll vor Tagen fürs Fest zurechtgebacken hatte. Erst als er so vollgefressen war, daß er alles wieder rauskübeln mußte, war die Stimmung „leicht“ getrübt.

Und dann „Fräulein Maria“, unser „Kindermädchen“ – die spätere Pfarrhaushälterin meines Bruders: der fleischgewordene Hausdrachen par excellence. Sie war nur hinter uns Kindern her. „Paßt auf die Kleidung auf, gleich gibt´s Bescherung!“ Oder, von uns „besonders gerne“ gehört: „Übt doch nochmal die Weihnachtslieder!“ „Hast Du die Schuhe geputzt?“ „Putz Deine Nase!“ Die Skala ihrer Befehle schien schier unendlich…

„Es wird nicht genascht!“

Das war besonders vor Weihnachten der häufigste Befehl. Da ich (tatsächlich) nie zum Naschen neigte, galt dieser Ruf eher meinen Geschwistern. Vor allem mein jüngerer Bruder und meine kleine Schwester waren unglaublich neugierig, vor allem, um herauszufinden, was denn „das Christkind bringen“ wird. Wurden sie beim „Spinxen“ erwischt, gab´s kräftig Haue.

Und dann der Höhepunkt: die Bescherung!

Sie gab´s erst nach der Christmette, in die wir alle zusammen – im Gänseschritt – marschierten: Mama vorneweg (Rangordnung mußte sein!), dann Papa, dann leicht humpelnd Opa und Tante Lisa, die ältere Schwester meiner Mutter, die auch mit uns im gemeinsamen Haushalt wohnte. Dann folgten wir Kinder, von denen sich aber niemand außerordentlich bemühte, nach vorne zu gelangen. Abstand zu Mama war das beste Vorsichtsgebot!

Was auch später nicht fehlen durfte: Die Essens- bzw. Besuchsplanung. Großfamilien-geübt kenne ich natürlich das Durcheinander bei den Essensplanungen. Herrlich, Du kommst am 1. Weihnachtstag zu Deiner Schwester X, aber die weiß von nix, während der Bruder Y auf Deine Ankunft (vergeblich) wartet und Oma böse ist, weil Du nicht zum Abendessen und über Nacht bleibst, und Dein Sohn sauer ist, weil er Dich am selben Abend fest eingeplant hatte, und Tante Z. meint, wir könnten sie nicht leiden, weil wir bei ihr nicht aufschlagen, aber Bruder E. unangemeldet mit seinen Söhnen in der Tür steht… Eine unendliche Geschichte!

Und dann sangen wir alle gemeinsam „Ihr Kinderlein kommet…“

Das, liebe Leser, war Weihnachtsstimmung pur! Und Papa suchte – umständlich wie immer – seine Krawatte (früher: das Kragenknöpfchen), während Mama sich das Leben nehmen wollte, weil die Gans einen verbrannten Popo hatte…

Das war das wahre Leben, meine Welt! Und noch immer bin ich glücklich, wenn ich in einer Großfamilie zu Gast sein darf… Eine ganz großartige Familie (meist zu Zehnt) habe ich gefunden, keine drei Kilometer von mir weg – eine Familie wie meine verflossene. Ich liebe sie alle – inklusive Hund (den haben sie nämlich auch). Und heute, am zweiten Weihnachtstag, bin ich zum gemeinsamen Essen geladen. Und schon höre ich (in meinem geistigen Ohr) das Drachenfräulein Maria rufen: „Hast Du die Schuhe geputzt und die Hände gewaschen…?“

Zurück zum Ernst!

Liebe Leser,

viele Freunde fragen mich, wie´s mir geht. Was soll ich antworten? „Mir geht´s gut“, wäre gelogen. „Mir geht´s schlecht“, wäre auch falsch, weil ich zwar krank bin, aber nicht leide – also keine Schmerzen und erst recht keine Depressionen habe. Also wie immer, ich krebse dahin und freu mich des Lebens…

Zu viele Post

Gebracht haben die drei Krankenhausaufenthalte der letzten 5 Wochen nichts, nur noch mehr Arbeit. Ich stehe vor einem unlösbaren Problem: Weil ich so viel schreibe (fast täglich 2-3 Artikel), erreichen mich täglich (!) mehr als 300 Sendungen, Briefe, Päckchen, e-mails, Faxe… In den letzten 5 Wochen habe ich zusammengenommen 15 Tage im Krkhs gelegen, d. h. 15 mal 300 = mehr als 4.000 Zusendungen. Völlig unmöglich, die zu bearbeiten, ja auch nur zu lesen.

Ich filtere mir die Post raus von Mitmenschen, die ich als für mich wichtig erachte. Das war´s. Natürlich häufen sich in den letzten Monaten die Briefe, in denen meine Unhöflichkeit angeprangert wird (zu Recht), ich hätt´s wohl nicht nötig, Briefe zu beantworten…. Was soll ich machen? Theoretisch müßte ich aufhören, Artikel zu schreiben, um 5-6 Monate lang die eingegangene Korrespondenz zu bearbeiten und Antwort zu schreiben. Geht natürlich nicht. So sehr ich mich auch über die vielen – meist anerkennenden – Briefe freue, sie werden allmählich zum Fluch.

So, das war ein Blick in meine gequälte Seele. Ich bin zuversichtlich, daß Sie Verständnis dafür haben, wenn ich schon mal gar nicht, verzögert oder nur kurz antworte. Manch andere nähmen´s mir übel.

Nun bleibt mir nur noch, Ihnen frohe Festtage sowie ein gutes neues Jahr zu wünschen und Ihnen für Ihre Treue und Ihr Verständnis zu danken.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Peter Helmes

Foto: Pixabay/geralt/ CC0 Public Domain

Mein Weihnachts- und Neujahrsgruß 2016/17 – ´mal ein bißchen anders

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