Presserat kritisiert FOCUS wegen möglicher Schleichwerbung

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Die Süddeutsche verstopft wieder den Briefkasten (Foto: Pixabay)

Konstanz – Der deutsche Presserat hat die Zeitschrift „FOCUS“ für die Überschreitung der Grenzen zwischen Redaktion und Werbung in einem veröffentlichten Beitrag kritisiert. Konkret ging es um einen Artikel auf dem Online-Portal des genannten Magazins vom 30. Mai 2016, der unter der Überschrift „Fünf Gründe, warum die Öko-Schuhe wieder im Trend sind“ die Rückkehr der Produkte der Firma „Birkenstock“ darlegte. Der Konstanzer Journalist Dennis Riehle sah in dem Text aber weit mehr als die sachliche Berichterstattung über eine Modeentwicklung. Viel eher warf er dem FOCUS in einer Beschwerde beim Presserat vor, Ziffer 7 des Pressekodex verletzt zu haben, der die Verknüpfung von PR und Journalismus untersagt.

Riehle schrieb in seiner Argumentation: „Der vorliegende Bericht, der offenkundig in erster Linie als gesundheitsbezogene und modische Reportage gedacht war, liest  sich im Verlauf als eine deutliche Befürwortung für Produkte der Marke ‚Birkenstock‘. An mehreren Stellen wird deutlich der Eindruck erweckt, als solle der Leser zum Kauf entsprechender Schuhe animiert werden. Nicht verständlich ist beispielsweise die Verlinkung zu einem Shop im laufenden Text, der dazu auffordert: ‚Holen Sie sich jetzt die trendigen Birkenstock Sandalen…‘. Hier wird eine eindeutige Animierung zum Erwerb von Ware der Firmengruppe ausgesprochen, was einer Kaufempfehlung gleichkommt – wird doch der Weg zu einem Verkaufsportal entsprechend geebnet. Mit einer unabhängigen Berichterstattung unter journalistischen Maßstäben ist eine derartige Anpreisung nicht vereinbar.

Die Botschaft der fünf Gründe, weshalb ‚Birkenstock‘ wieder im Trend liege, entfernt sich von einer sachlichen Darstellung des Produkts hin zu einer werbenden, was an zahlreichen positiven, überaus wohlwollenden und gar lobenden Aussagen deutlich wird: ‚… für überstrapazierte Füße sind die Schuhe wie ein kurzer Wellnessurlaub…‘, ‚… wer sich einmal für ein Birkenstock-Paar entschieden hat, bleibt dabei…‘ oder ‚… die Füße freut’s bestimmt…‘. […] Die alleinige Wiedergabe von Werbebotschaften ist nicht Aufgabe des redaktionellen Journalismus. Sie ähnelt viel eher einer versteckten Schleichwerbung, da Informationen aufgrund ihrer Subjektivität keinen Mehrwert besitzen und offenkundig deutlicher einem Marketing für die Firma ‚Birkenstock‘ als einer neutralen Sachdarstellung ähneln“.

Der Presserat folgte diesen Ausführungen und verhängte eine mittlere Sanktion wegen der Verletzung des Pressekodex. Dem „FOCUS“ wurde eine „Missbilligung“ ausgesprochen, die zwar nicht zur Veröffentlichung verpflichtet, aber im eigenen Interesse der Zeitschrift dennoch publiziert werden sollte.

Foto: Pixabay/ CC0 Public Domain

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