Klick-Gebühren im Online-Banking

Von Klaus Peter Krause

Eine Sparkasse hat den Anfang gemacht – Jeder Seitenaufruf bisher 1 Cent, jetzt 2 Cent – Eine Kundenrevolte? Bisher nicht – Was die Sparkasse kann, können auch andere Banken

Stellen Sie sich vor: Sie wollen das Gebäude Ihrer Bank betreten, und am Eingang steht ein Türhüter. Der entbietet Ihnen einen freundlichen Gruß und verlangt Ihnen dann ein Eintrittsgeld ab. Wie reagieren Sie darauf? Klar, Sie sind empört: „Was soll denn das? Sind Sie nicht ganz bei Trost? Ist es nicht schon irre genug, dass mir diese Bank keine Zinsen mehr zahlt?“ Der Türhüter sagt: „Ich bitte Sie, schauen Sie sich dieses wunderschöne, prächtige, lichtdurchflutete Gebäude an. Es hat viel Geld gekostet, es zu bauen. Es kostet viel Geld, es zu unterhalten. Es zu betreten, sollte Ihnen die kleine Eintrittsgebühr doch wohl wert sein. Unter der Null- und Negativzinspolitik leiden wir selbst doch ebenfalls –  Sie wissen, die EZB.“ Der Bankkunde bekommt Schnappatmung und …  

So etwas gibt es nicht? Doch, das gibt’s

Liebe Leser, wie der Disput weitergeht, mögen Sie sich je nach Temperament bitte selbst ausmalen. Wenn Sie nun sagen: „Aber so etwas gibt’s doch gar nicht“, dann sage ich Ihnen: „Doch, das gibt’s.“ Zwar noch nicht für das Betreten Ihrer Bank, aber dafür, dass eine Bank ihren Kunden Geld abverlangt, wenn diese beim Abwickeln von Bankgeschäften über das Internet („Online-Banking“) Web-Seiten dieser Bank aufrufen. Es ist eine Sparkasse. In der FAZ fand sich dazu ein kleiner Bericht, der so anhub:

Erfindungsreich im westfälischen Soest

„Die Sparkasse Soest schafft es selten in die überregionalen Nachrichten. … Doch gerade jetzt sorgt die Sparkasse über Westfalen hinaus für Aufregung. Denn in Zeiten, in denen Banken als Ausgleich für sinkende Zinserträge nach neuen und höheren Gebühren rund ums Girokonto suchen, gibt man sich in Soest besonders erfindungsreich. Die Sparkasse hat ein Girokontomodell im Angebot, für das sie einen geringen Grundpreis erhebt, aber die Kunden müssen für den Aufruf bestimmter Seiten im Online-Banking einen Cent bezahlen. Der ‚Soester Anzeiger’ berichtete nun, der Preis fürs Online-Banking der Sparkasse Soest verdoppele sich auf 2 Cent, und zwar für jeden Klick.“ Darüber prangte die Überschrift „Sparkasse verdoppelt Gebühr für Seitenaufrufe im Internet“  (FAZ vom 19. Dezember 2016, Seite 26). Auch andere Blätter berichteten darüber (hier und  hier). Der Originalbericht des Soester Anzeigers vom 15. Dezember hier.

Eine Kundenrevolte? Bisher nicht

Die Klick-Gebühr von 1 Cent je Seitenaufruf gibt’s bei der Sparkasse schon länger. Aber bisher war sie in der breiten Öffentlichkeit nicht weiter aufgefallen, erst jetzt, als die Sparkasse sie auf 2 Cent verdoppelte. Allerdings ist die Klick-Gebühr nicht für jeden Seitenaufruf zu bezahlen. Aufrufe zum Beispiel innerhalb desselben Menüpunktes seien vom Zuschlag befreit, heißt es bei der Sparkasse. Auch gelte der nur für einen relativ kleinen Kreis, nämlich für solche Kunden, die nicht die Variante mit einer pauschalen Kontoführungsgebühr gewählt hätten, sondern eine preisgünstigere Variante.  Schließlich würden schon beim bloßen Anklicken der Seite technische Prozesse im Hintergrund ausgelöst, die mit Kosten verbunden seien. Eine Kunden-Revolte sei bislang ausgeblieben.

Online-Banking schützt vor höheren Gebühren nicht

Doch Variante hin, Variante her. Entscheidend ist: Auch beim digitalen Abwickeln der Bankgeschäfte über das Internet können die Banken zuschlagen, nicht nur beim herkömmlich analogen. Noch versuchen sie, ihre Kunden zum Online-Banking zu bewegen, indem sie dafür nichts oder nur wenig berechnen. Doch wenn alle (oder fast alle) Kunden beim Online-Banking mitmachen, werden diese ihr blaues Wunder erleben: das der Gebührenerfindungsphantasie. Eine Kundenrevolte würde es dann erst recht nicht geben. Die Ausweichmöglichkeiten sind begrenzt und mit Umständen verbunden. Die Revolte müsste es gegen die EZB-Geld- und Niedrigzinspolitik geben, mit der sie hochverschuldete Eurostaaten über Wasser halten und rechtswidrig die Konjunktur ankurbeln will. Aber Deutsche sind klaglos leidensfähig.

Was die Sparkasse Soest kann, können auch andere Banken

Beispiele, meist nur schlechte, pflegen Schule zu machen. Was die Sparkasse Soest kann, können auch andere Banken – und werden es können wollen. Liebe Leser, machen Sie sich also auf noch mehr gefasst als schon bisher. Dann klingt mein Vergleich der Klickgebühr mit der Eintrittsgebühr auch für das Betreten Ihrer Bank nicht mehr gänzlich absurd. Das, was die Fachleute finanzielle Repression nennen, wird für uns Bürger immer hautnäher erlebbar werden.

Foto: Pixabay/ CC0 Public Domain

http://kpkrause.de/2016/12/21/klick-gebuhren-im-online-banking/