Totalversagen oder Generalverdacht?

Von Thomas Böhm

In den Medien kursiert ein Foto, dass wohl Verwirrung stiften soll. Es zeigt den mutmaßlichen Attentäter von Berlin und es zeigt ihn nicht. Denn der Mann mit der Mütze wurde politisch korrekt gepixelt.

Das ist natürlich brandgefährlich, werden damit doch alle jungen Männer südländischen Aussehens unter Generalverdacht gestellt.

Wenn das keine Hetze ist! Oder wollen die Sicherheitsbehörden einfach verhindern, dass der Typ geschnappt wird, bevor er das Land verlässt?

Bei so einem Faux Pas muss man sich nicht wundern, wenn Journalisten durchdrehen, uns so einen Mist wie diesen hier verzapften:

Natürlich muss gesagt werden, dass der festgenommene Tatverdächtige ein Mann afghanischer oder pakistanischer Herkunft ist. Es ist auch nicht auszuschließen, dass er als Flüchtling nach Deutschland kam. Und dass er womöglich eine schaurige neue Methode des Dschihad gegen den Westen präsentiert hat: ein Truck wird entführt und der Fahrer getötet, um ein weiches Ziel anzugreifen. All das  ist denkbar, wohl auch wahrscheinlich. Aber es ist keine Rechtfertigung für Hass auf Flüchtlinge, auf Migranten, auf Muslime. So wenig wie der Mord des Flüchtlings an der Medizinstudentin in Freiburg. Wer jetzt Hass schürt und Rassismus, verrät nicht nur die Grundwerte der Demokratie. Er macht sich auch zum Komplizen der islamistischen Terroristen…

http://www.tagesspiegel.de/berlin/breitscheidplatz-in-berlin-wer-jetzt-hass-schuert-macht-sich-zum-komplizen-derterroristen/19154988.html

Also sind unsere Sicherheitsbehörden in Wirklichkeit Komplizen der islamischen Terroristen, oder wie dürfen wir das verstehen, lieber „Tagesspiegel“.

Das aber ist nicht der einzige Skandal in diesem Drama. Der Gesuchte, der aus dem beliebten Urlaubsland Tunesien stammt und von daher wohl kein „Flüchtling“ sein kann, war schon vorher als Islamist in Deutschland unterwegs. Die „Welt“ schreibt:

…Der 23-Jährige, 1992 in der tunesischen Stadt Tataouine geboren, soll mindestens vier Namen benutzen und als Gefährder gelten. Zudem hat er offenbar einen Wohnsitz in Berlin und in NRW. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte am frühen Nachmittag, dass der Tatverdächtige seit Mitternacht zur Fahndung ausgeschrieben ist…

https://www.welt.de/politik/deutschland/article160487144/Neuer-Verdaechtiger-seit-Mitternacht-zur-Fahndung-ausgeschrieben.html

Wie kann das sein, dass hier jemand als Gefährder mit mehreren Identitäten frei herumlaufen kann, um dann unter den Augen der Politik und der Sicherheitsbehörden solch grausamen Anschläge zu verüben?

Man muss sich doch die Frage stellen: Haben Sicherheitsbehörden, hat das Innenministerium, hat das Bundesamt für Migration überhaupt noch einen Überblick, wer auf Deutschlands Straßen herumläuft?

Wenn dieses Chaos nicht DIE Einladung für alle Islam-Terroristen dieser Welt ist, was dann?

Und noch etwas sehr merkwürdiges, worüber sich Autor Michael Klein wundert:

Wer hat schon einmal von einem Einbrecher gehört, der seinen Personalausweis am offenen Tresor zurücklässt? Oder von einem Berufsmörder, der, um neue Kunden zu gewinnen, seine Visitenkarte an dem Ort zurücklässt, an dem der Beleg des letzten von ihm erfolgreich abgewickelten Auftrags zu finden ist?

Und doch erzählt man uns regelmäßig, dass ausgerechnet die Terroristen, die es trotz verstärkter Sicherheitsmaßnahmen, trotz erhöhter Datensammlung der Verfolgungsbehörden, trotz Gesetzesverschärfungen, trotz besserer und moderner, nein modernster Ausrüstung für die Polizei, trotz neuer Kompetenzen für die Geheimdienste, trotz Unterwanderung der Terrorszene mit V-Männern und trotz aller gesetzlichen Vorkehrungen, die die bürgerliche Freiheit zu einem Nukleus im Meer der Sicherheitsüberwachung gemacht haben, die es trotz alledem geschafft haben, durch das dichte Netz der staatlichen Sicherheit zu schlüpfen und einen Terroranschlag zu verüben, so dilettantisch sind, dass sie ihren Ausweis oder wie Anis A. oder welchen seiner acht Namen er auch immer benutzen mag, seine Duldungsbescheinigung am Ort seines Verbrechens zurückzulassen.

Wenn es Dilettanten schaffen, durch das Netz der Sicherheit zu schlüpfen, das Geheimdienste, Staatsschutz, Polizei und wer sonst noch mit dem Verkauf der Sicherheit der Bürger sein Geld verdient, geknüpft haben, dann muss man daraus wohl schließen, dass die Dilettanten nicht nur auf der Seite der Terroristen, sondern auch auf der Seite staatlicher Schützer wider den Terrorismus zu finden sind.

Wenn es allerdings keine Dilettanten sind, die durch das Netz der Sicherheit schlüpfen, sondern gefährliche Terrorismusexperten, die auf ein entsprechendes hochspezialisiertes Terrornetzwerk zurückgreifen können, eines, das erst die Preisgabe von bürgerlichen Freiheiten, die im Gegenzug für die versprochene Sicherheit erfolgt ist und den finanziellen und personellen Aufwand, der mit dem Verkauf von Sicherheit verbunden ist, zu rechtfertigen im Stande ist, dann stellt sich die Frage, wer lässt aus welchem Grund Ausweise am Tatort zurück?

Sind es die Terroristen, die damit die Mitarbeiter der Verfolgungsbehörden ärgern wollen?

Sind es die Verfolgungsbehörden, die damit verhindern wollen, dass ein Terroranschlag wie der in Berlin zu einem großen Fahndungsmisserfolg wird?

Oder sind es unbekannte Dritte, deren Ziel darin besteht, Terroranschläge zu inszenieren, um auf diese Weise Unfrieden bis hin zum Bürgerkrieg in einer Gesellschaft zu stiften?

https://sciencefiles.org/2016/12/21/terrordilettanten-von-ausweisen-und-duldungsbescheinigungen/

Und der Irrsinn geht weiter:

Auf der Jagd nach dem Terror-Verdächtigem Anis A. hat es offenbar formale Fehler gegeben. Die Durchsuchungsbefehle seien wegen Schreibfehlern ungültig. Deshalb verzögere sich die laufende Polizeiaktion in NRW, berichtet der FOCUS.

http://www.focus.de/politik/deutschland/razzia-in-nrw-jagd-nach-terror-verdaechtigem-anis-a-verzoegert-sich-wegen-formaler-fehler_id_6388391.html

Foto: Collage/Fahndungsfoto (Welt/Dailymail), links die Fälschung, rechts das Original