Michael Klonovsky: Mein persönliches „Haileid“ 2016

Foto: Metropolico.org/Flickr/ https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Von Michael Klonovsky

Mählich beginnen die TV-Anstalten ihre Jahresrückblicke zu senden. Einige fragmentarische Überlegungen hätte ich beizusteuern.

Mein persönliches Haileid 2016 war, trotz vielerlei bunter Konkurrenzveranstaltungen, die Kreuzabnahme unserer beider, pardon, Spitzenpfaffen Bischof Bedford-Strohm und Kardinal Marx auf dem Jerusalemer Tempelberg. Beide legten auf Wunsch der muslimischen Gastgeber ihr Brustkreuz ab, bevor sie den Felsendom betraten. Eine noble Geste in einem Weltteil, wo heute wieder Christen gekreuzigt, wegen ihres Glaubens massenhaft verfolgt und ermordet werden, zumal im Innenraum des heiligen Oktogons Inschriften darauf hinweisen, dass die Christen bezüglich der Rolle des Messias sowieso einer Irrlehre anhängen, denn, so lautet ein Schriftzug: „Jesus, Sohn der Maria, war nur ein Gesandter Allahs“ (aus Sure 4, Vers 171).

Beide Kirchenvögte streuten später die Legende, auch die israelische Seite habe sie gedrängt, bei dem Besuch ihr Kreuz nicht offen zu tragen. Bedford-Strohm sagte laut Welt, die Kritiker seiner kultursensiblen Geste unterschlügen die Tatsache, dass auch an der Klagemauer dem Wunsch der jüdischen Verantwortlichen entsprochen worden sei. Die Reise habe zur Zeit des jüdischen Laubhüttenfestes stattgefunden, als in Jerusalem erhöhte Sicherheitsvorkehrungen galten. Nur: Offizielle israelische Stellen wussten davon nichts. „Fest steht, dass keine Sicherheitsbedenken bestanden haben und keine Polizei oder Armee die Herrschaften aufgefordert hat, ihre religiösen Merkmale zu verstecken“, erklärte der israelische Armeesprecher Major Arye Sharuz Shalicar.

Diese Kreuz, das weiß sogar ich als nichtchristlicher Katholik, ist kein Schmuckstück und kein Talisman. Der Bischof trägt es in der Nachfolge Christi. Und nun vollzogen die beiden höchsten deutschen Kirchenführer am Ort der Kreuzigung des Heilands diesen Akt der symbolischen Unterwerfung gegenüber einer Konkurrenzreligion. Die Kreuzabnahme von Bedford-Strohm und Marx, das war Petri Verleugnung anno 2016!

Als die vielleicht größte Leistung der Lückenpresse verdient für 2016 festgehalten zu werden, dass sie den Münchner Attentäter Ali David (Daud?) Sonboly in einen „David S.“ umwandelte. Zuletzt der stern auf seinem Titel.

Der technologische Hit anno 2016: Ein findiger Unternehmer (oder großer Humorist) aus Oberhausen bietet als „Weltneuheit“ eine Damenunterhose namens „Safe Shorts“ feil, die der vagabundierenden sexuellen Notdurft mit abendländischer Technik entgegenzutreten verheißt. „Reiß- und schneidfeste High-Tech-Schnüre verhindern das Aus- oder Herunterziehen“ des Höschens, ein „flexibler, weicher Protektor im Schritt“ wehrt wiederum dem „Eingreifen“ beziehungsweise -dringen. Der High-Tech-Keuschheitsgürtel ist „atmungsaktiv, hygienisch, weich & anschmiegsam“ und bei 30 Grad maschinenwaschbar (bei Bedarf hier).
Die Kette deprimierender Erfahrungen für den vergeblich am Hobbykeller seiner Beutefrau herumnestelnden Spontanpartyanbahner erlebt ihre Klimax, wenn ein „130 Dezibel lauter Sirenen-Poweralarm“ ertönt, was ungefähr dem Lärmpegel einer startenden Boeing entspricht. Als Werbeclaim für das spröde Dessou empföhle sich: Fluchtvorsprung durch Technik. Silvester kann kommen.

Einzige Nebenwirkung: Man wird zwar nicht mehr erfolgreich vergewaltigt, jedoch bei Mehrfachbenutzung womöglich taub. Aber irgendwas ist ja immer.

Foto: Metropolico.org/Flickr/ https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

http://www.michael-klonovsky.de/acta-diurna

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.
Loading...