Max Erdinger: Die Abtrünnigen

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Erdingers Weissheiten – Das Schlimmste von gestern 

Von Max Erdinger

In der ZEIT spielt man lüstern mit dem Gedanken, daß die 538 Wahlmänner des Electoral College am heutigen Montag die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten noch verhindern könnten. Das ist theoretisch zwar möglich, aber extrem unwahrscheinlich. Als Rechtfertigung dafür, daß sie dem ZEIT-Leser ein solches Träumzuckerl offeriert, dient folgende Behauptung – Zitat: >“Trumps Konkurentin Hillary Clinton hat zwar rund 2,8 Millionen US-Wähler mehr, doch nur 232 Wahlmänner gesammelt.“< – Zitatende.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-12/us-wahl-donald-trump-electoral-college-usa

Geschenkt. Wir werden nie erfahren, ob das stimmt. Es gab auch schon andere Meldungen, denen zufolge Trump sowohl die Mehrheit der Wahlmänner, als auch die Mehrheit der Wählerstimmen gewonnen hatte. Lustig ist halt das Gejammer hinter dem Ganzen. Ein Narr, wer glaubt, das Wahlmännersystem in den USA hätte auch nur einen Funken Beachtung in der ZEIT erfahren, wenn die Sache anders herum gelaufen wäre und Hillary Clinton mehr Wahlmänner, aber weniger Stimmen gehabt hätte. In dem Fall wäre der Lobhudelei auf die Weisheit hinter dem Wahlmännersystem bis zum heutigen Tag kein Ende. Todsicher.

Man wird sich bei der ZEIT eben damit abfinden müssen, daß die USA ein undemokratisches Land sind, in welchem der Wählerwillen mit Füßen getreten wird. Kleines Trostpflästerchen für die Trumpgegner: Immerhin könnt ihr jetzt an dem Mythos stricken, daß eigentlich, eigentlich, eigentlich Hillary Clinton die demokratisch gewählte Präsidentin der USA geworden wäre, wenn die USA eine richtige Demokratie wären. So, wie die Bunte Republik Deutschland, zum Beispiel, wo eine Wochenzeitung das „Netz gegen rechts“ mitfinanziert. Oder die Türkei, wo Erdogan nach Auskunft Merkels sowohl die Demokratie als auch die Rechtsstaatlichkeit vor den Putschisten gerettet hat. Aber sei´s drum. Warten wir halt den heutigen Tag auch noch ab.

Anderes Thema: Aufregerchen! Es geht um die bitterböse AfD.

http://www.focus.de/politik/deutschland/claudia-martin-abtruennige-verlaesst-afd-und-stellt-der-partei-ein-vernichtendes-zeugnis-aus_id_6370986.html

Kennen Sie Claudia Martin? Nicht? Claudia Martin war bis letzte Woche völlig unbekannt. Seit sie die AfD verlassen hat und der Partei ein „vernichtendes Zeugnis“ ausstellte, hat sich das geändert. Jetzt ist sie sehr bekannt. Wie´s wohl kommt? Es gibt inzwischen eine Unzahl an Übertritten aus anderen Parteien in die AfD, über die nicht größer berichtet worden ist. Parteimitglieder der SPD, der CDU und sogar der Grünen sind zur AfD übergelaufen. Ihre Beweggründe waren dem FOCUS kein Sterbenswörtchen wert. Anders ist das jetzt im Fall der Claudia Martin. „Ihre Vorwürfe wiegen schwer“, weiß man beim FOCUS, dem Fachblatt für Schwergewichtiges. Also gut, was paßt Frau Martin nicht an der AfD? – Zitat: >“Die Partei sei angetreten, Politik für die Menschen zu machen, aber „auch Flüchtlinge sind Menschen“.< – Zitatende.

Gut, daß es endlich mal jemand gesagt hat: Auch Flüchtlinge sind Menschen. Womöglich sind überhaupt alle Menschen … äh …  Menschen. Der Hype um den Parteiaustritt von Claudia Martin dient natürlich einem anderen Zweck: Wer die AfD verläßt, weil sie keine Politik für Flüchtinge macht, obwohl die Menschen sind, verläßt recht eigentlich eine Partei von Unmenschen. Claudia Martin sollte sich aus der Politik verabschieden. Ganz und gar. Politik ist nichts für Menschen, geht es doch dabei immer darum, daß bestimmte Menschen für die Menschen etwas anderes wollen, als bestimmte andere Menschen. Im Grunde ist Politik unmenschlich. Kann man nicht „machen“, Frau Martin!

Die Kernaussage des FOCUS lautet also: Die AfD besteht aus Unmenschen. Der Umgang der Parteimitglieder untereinander sei unerträglich, heißt es. Erst der Unmensch, der dort austritt, wird wieder zum Menschen. Da kann man schon mal ein Faß aufmachen vor lauter Menschenhäme … äh … – freude. Welche Partei war das nochmal, in der ein Pofalla zu einem krebskranken Bosbach recht menschlich  gesagt hat, er könne dessen Fresse nicht mehr sehen? – Egal. Die AfD war es jedenfalls nicht, sondern eine der menschlichen Parteien. Schwamm drüber …

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