Kein Christkind in Istanbul

Von Wolfgang Luley

Am Istanbuler Lisesi Gymnasium steht Weihnachten nicht mehr auf dem Lehrplan.

Merkel will reden, wo handeln unerlässlich ist, sie pocht auf Dialog, wo es unumgänglich ist, Erdogan in die Schranken zu weisen.

Was rote Linien in der Politik bedeuten, weiß der kleine Bürger auf der Straße nicht. Wo wäre zum Beispiel die rote Linie im Verhältnis Deutschlands zur Türkei?

Präsident Erdogan reiste – wie selbstverständlich – nach Köln und betrieb dort Wahlkampf. Das war 2014. Jetzt lässt er Weihnachten im Lehrplan des Istanbuler Lisesis Gymnasiums streichen. Und was hört man von der Bundesregierung dazu? Nichts. Das Auswärtige Amt bedauerte, in einer Erklärung, dieses Verhalten der türkischen Schulleitung und werde „mit unseren türkischen Gesprächspartnern“ einen Dialog versuchen.

Was gibt es da zu suchen? Die Linie der türkischen Regierung ist klar. Präsident Erdogan wandelt die Türkei gerade um in einen Gottesstaat nach islamischem Vorbild. Dazu lässt er Zehntausende Kritiker im Land einsperren, deren „Schuld“ für ihn bereits festseht. Zynisch kann man da nur fragen, warum sie überhaupt noch Prozesse bekommen? Um den Anschein von Rechtsstaatlichkeit zu wahren?

Putin zeigt, wie der Umgang mit Erdogan funktioniert

Würde die Bundesregierung endlich handeln und nicht immer Dialoge suchen, an denen Erdogan in keinster Weise interessiert ist, dann hätten wir jene rote Linie, die Politiker immer anmahnen. Wie das geht, hat zum Beispiel der russische Präsident Putin gezeigt. Nachdem die Türkei 2015 einen Jet im syrisch-russischen Grenzgebiet abschoss, erließ Putin, gegen die Türkei, ein Lebensmittelembargo. Zudem erklärte Putin Erdogan zum Feind und sagte über ihn und seine Regierung: „Allah wollte wohl die türkische Elite bestrafen, indem er ihr den Verstand nahm.“ Das ist ein Verhalten, das Erdogan zu Respekt nötigt.

Merkel ist die falsche Person für diese Art Politik. Sie will reden, wo handeln unerlässlich ist, sie pocht auf Dialog, wo es unumgänglich ist, Erdogan in die Schranken zu weisen. Ob sie unfähig oder unwillig ist, spielt dabei keine Rolle. Ihr Zaudern und Zögern ist es, das Erdogan die Bühne gibt, die er braucht. Er treibt den Islam voran und propagiert ihn auch in unserem Land. Siehe Köln.

Erdogan braucht keine rote Linie, die er extra überschreiten muss, er setzt sich, ganz real, schon über unsre Staatsgrenzen hinweg. Gut, das ist jetzt übertrieben, aber er setzt seinen Willen bei uns durch. Die türkische Religionsbehörde Diyanet nimmt Einfluss auf Imame in Deutschland, damit sie Türken, die hier leben, ausspionieren. Klingt das nicht nach einem Schmierentheater?

Merkel ist ohnmächtig angesichts mangelnder Durchsetzungsfähigkeit

Zu diesem Schmierentheater gehört auch das Schweigen der Kanzlerin. Vielleicht ist es nicht einmal Pose, sondern nur Ohnmacht angesichts mangelnder Durchsetzungsfähigkeit. Was ironisch ist. Denn Merkel hat ja Durchsetzungsfähigkeit bewiesen. Auf ihrem Weg an die Parteispitze der CDU hat sie all ihre Konkurrenten aus dem Weg geräumt. Ob das Friedrich März war oder Norbert Röttgen. Zu was das geführt hat, sieht man jetzt: Sie ist von Leuten, wie Peter Altmeier, umgeben, die prinzipiell alles gut finden, was von ihr kommt und sich lieber mit ihren Kritikern anlegen, als mit ihr.

Merkel zeigt Krallen, wenn sie oder ihre Interessen berührt sind. Geht es um Deutschland, schweigt sie beharrlich. Höhnisch kann man da nur fragen: Wenn Deutschland Merkel nicht juckt, warum will sie dann erneut Kanzlerin werden? Nur um länger im Kanzlerstuhl gesessen zu haben als Kohl und als Adenauer, die je sechzehn und vierzehn Jahre im Amt waren?

Sucht Erdogan den Anschein von Rechtsstaatlichkeit zu wahren, versucht Merkel uns Bürger davon zu überzeugen, dass ihr Deutschlands Interessen wichtig seien. In dieser Hinsicht kann man Putin nur zu seiner klaren Haltung gratulieren. Er redet nicht, er handelt.

Was braucht Deutschland?

Braucht Deutschland einen Putin? Nein, bestimmt nicht. Es braucht Mitsprache, wie in der Schweiz, statt einer Politik von oben herab, wie sie auch für Putin typisch ist. Und finden wir Bürger dann noch Politiker mit echtem Interesse für Deutschland und der nötigen Portion Mut und Kraft, Grenzen zu setzen und ihre Einhaltung durchzusetzen, dann müssen wir uns Beleidigungen eines Erdogan nicht länger gefallen lassen.

Und was ist mit den deutschen Lehrern am Istanbuler Lisesi Gymnasium? Deren Aufgabe ist doch der interkulturelle Austausch – aber was sollen sie dort, wenn der Austausch nur einseitig funktioniert?

Foto: Pixabay/CC0 Public Domain

http://www.focus.de/politik/ausland/istanbul-politiker-empoert-auf-weihnachts-verbot-an-deutscher-schule_id_6373011.html

http://www.merkur.de/politik/kommentar-tuerkische-imame-in-deutschland-erdogans-instrumente-7135147.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Abschuss_einer_Suchoi_Su-24_der_russischen_Luftwaffe_2015

https://www.welt.de/politik/ausland/article149575434/Allah-wollte-die-tuerkische-Elite-bestrafen.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Altmaier

http://www.spiegel.de/politik/ausland/erdogan-in-koeln-auftritt-vor-deutschtuerken-kritik-an-medien-a-971530.html

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