KEIN FREUNDSCHAFTSORDEN FÜR ANDREAS

Erdingers Weissheiten – Das Schlimmste von gestern

Von Max Erdinger

Wenn Andreas Ross, politischer Korrespondent der FAZ in Washington, jemals einen Freundschaftsorden erhalten haben sollte: Von mir hat er ihn nicht. Ross über Trump und Putin: Drei Seiten lang nichts als Vermutungen. Nichts Konkretes.
http://www.faz.net/aktuell/politik/wahl-in-amerika/russland-naehe-von-donald-trump-und-rex-tillerson-irritiert-usa-14569981.html
Es ist ganz einfach so, daß man als Korrespondent einer großen deutschen Zeitung allerweil in gewissen Schwierigkeiten lebt. Außenpolitisch ist die Bundesrepublik ziemlich isoliert seit Trump zum US-Präsidenten gewählt worden ist und Rußland gegenüber eine 180°-Wende hinlegen will. Dennoch bleibt man natürlich Korrespndent einer Zeitung aus Merkelland. Das würde man gerne auch bleiben. Was macht man da? Man hält sich zurück, berichtet, was man in Washington so gehört haben will, enthält sich jedes eigenen Gedankens und liefert dann drei Seiten ab, nach deren Lektüre der Leser sich aussuchen kann, was er nun glauben will und was nicht. Keinesfalls versucht man sich an eigenen Deutungen des Gehörten. Erstrecht nicht beleuchtet man die jeweilige Motivlage derjenigen, von deren Einschätzungen des Sachverhalts man berichtet. Rußland soll Einfluß auf den US-Wahlkampf genommen haben. Sowohl der russische Geheimdienst FSB, als auch der Militärgeheimdienst GRU sollen sich über Cyberattacken eingemischt haben, um Trump zur Präsidentschaft zu verhelfen. Bewiesen ist davon nichts. Alles beruht auf Einschätzungen und „Plausibilitäten“.
Daß Trump die Konfrontation mit Rußland beenden will, hat er schon lange angekündigt. Nachdem zunächst die geplante Neuauszählung der Stimmen in drei US-Staaten ein Schuß ins eigene Knie der Demokraten geworden war, kommt nun Plan B, um Trump noch eine vors Schienbein zu hauen: Nicht die US-Amerikaner hätten Trump gewählt, sondern Putin habe ihm zum Sieg verholfen. Da paßt es doch, daß Trump mit Exxon-Chef Rex Tillerson als künftigem Außenminister einen Mann präsentiert, der die amerikanischen Sanktionen gegen Rußland schon länger kritisiert.
Zitat: >“Außerdem regt sich im Senat Skepsis wegen der Kontakte des neuen Favoriten für das Amt des Außenministers, Rex Tillerson, zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Dass der Chef des Öl- und Gaskonzerns Exxon seit Jahrzehnten mit Putin Geschäfte macht und vom Kreml einen Orden verliehen bekommen hat, macht auch Republikaner nervös – zumal Exxon unter den Sanktionen leidet, die der Westen nach der Annexion der Krim verhängt hat.“< – Zitatende.
Erstens macht Tillerson keine Geschäfte mit Putin, sondern Exxon welche mit Rosneft. Zweitens unterläßt Ross jeden Seitenhieb auf den Senat dafür, daß sich dort keinerlei Skepsis regte, als Hunter Biden, Sohn des US-Vizepräsidenten Joe Biden, nach der Installation Poroschenkos als amerikanischer Marionette in der Ukraine Chef des zweitgrößten ukrainischen Energieunternehmes geworden ist. Das ist doch seltsam? Und wieso ist in der FAZ noch immer von einer Annexion der Krim die Rede? Nach Auskunft von Staatsrechtlern handelte es sich dabei um eine völkerrechtlich einwandfreie Sezession.
Zitat: >“Washingtons Dienste sehen offenbar keine Belege, dass die Kampagne das Wahlergebnis verändert hätte.“< – Zitatende.
Dennoch – Zitat: >“Demnach haben die Dienste „im Konsens“ ihre Einschätzung verändert, wonach Russland lediglich das Ziel verfolgt habe, Zweifel an der Legitimität des Wahlverfahrens zu säen. Vielmehr sei es Moskaus Ziel geworden, dass Trump die Wahl gewinne. Der Republikaner hatte Putin als „starken Führer“ gerühmt und behauptet, Russlands Krieg in Syrien diene allein dem Kampf gegen den „Islamischen Staat“. Trumps Rivalin Hillary Clinton dagegen versprach Härte gegenüber dem Kreml. Putin wirft Clinton vor, während der Proteste gegen seine Herrschaft 2011 die Opposition unterstützt zu haben.“< – Zitatende.
Wozu also drei Seiten darüber, was Putin im Schilde geführt haben könnte und wer in Washington für den Fall, daß es so gewesen wäre, welche  Meinung dazu geäußert hat? Und warum überhaupt ein Titel wie „Ein Freundschaftsorden von Wladimir“? Ist das bei der FAZ inzwischen üblich, Präsidenten fremder Länder mit ihren Vornamen zu nennen? Welches Ziel hat eine solche Despektierlichkeit? Ist eine FAZ-Schlagzeile „Ein Raki für Angela“ denkbar? Und was soll „Rußlands Krieg in Syrien“ sein? Sind es die Russen gewesen, die Assad unbedingt weghaben wollten und dafür in Kauf nahmen, sich die Pest namens Islamischer Staat ins Haus zu holen? Ist es nicht vielmehr so, daß Rußland in Syrien genau das tut, was Amerikaner behaupteten, daß sie es täten, nachdem offensichtlich geworden war, welche Bestien sie da in den Rang eines Kriegsteilnehmers befördert hatten? Denkt man bei der FAZ darüber nach, noch einmal in derselben epischen Breite darüber zu berichten, worauf sich Putins Anschuldigungen gegen Hillary Clinton stützen – oder kann das abgetan werden unter „Wladimir wirft mit Freundschaftsorden um sich und erzählt Bockmist über Frau Clinton.“ ? Denkt man darüber nach, die Ungeheuerlichkeit einer 5 Mio.-Spende der Kanzlerin an die Clinton Foundation während des US-Wahlkampfes zu thematisieren? – Natürlich nicht.

Es ist halt mit diesem Korrespondentenbericht in der FAZ nicht anders, als überall sonst im deutschen Medienmainstream: Gibt’s keine seriösen Informationen, so ist das noch lange kein Grund, auf billige Stimmungsmache zu verzichten. Man zählt schließlich zu den Guten. Ehrlicherweise hätten die drei Seiten von Andreas Ross auf eine halbe zusammengestrichen werden müssen. Es ist einfach nicht wirklich interessant, wer in Washington welche Vermutungen zu einem Sachverhalt äußert, von dem sich sowieso alle einig sind, daß er nichts geändert hätte an dem Ergebnis, dessentwegen das ganze Geraune überhaupt stattfindet.

Einziger Grund für diesen Korrespondentenbericht ist die Ansicht, es sei heute schon nützlich, zu erklären, wer dafür verantwortlich gewesen sein wird, wenn Merkel nächstes Jahr mit Pauken und Trompeten untergeht. Und zwar ohne jeden wasserdichten Beleg.

 

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