Islam und Christentum, der Staat und die menschliche Kultur: Bücher zum Nachdenken

Von Dr. Andreas Unterberger

Fast schon Tradition, da es immer wieder von mir verlangt wird: Einige ganz subjektive Geschenktipps für Bücher. Wieder mit der Empfehlung: am besten beim Buchhändler erwerben. Aber für die, die es so bequemer finden, sind auch wieder dort, wo vorhanden, die Amazon-Links gesetzt.

Ganz bewusst an der Spitze steht Friedrich Orter: „Aufwachen! Europa und die neue Weltunordnung“. Der langjährige Krisenreporter des ORF, der mehr in der Welt und insbesondere auch in islamischen Ländern herumgekommen ist als jeder andere österreichische Journalist, schreibt darin ungeschminkt seine Beobachtungen mit der Entwicklung der Welt und vor allem jener des Islamismus nieder.

Orter macht sich auf Grund seiner Erfahrungen große Sorgen insbesondere um Europa und warnt ganz intensiv vor der islamischen Massenmigration in den Kontinent. „Keine Toleranz den Intoleranten.“ Der Islam sei keine Religion wie Christentum oder Judentum: „Sie missbrauchen unsere Freiheit, um unsere Gesellschaft zu zerstören.“

Das Buch sei hier ganz besonders empfohlen. Nicht nur, weil man vieles einfach nicht klarer und deutlicher sagen kann. Nicht nur, weil hier einer der wenigen Österreicher mit wirklich intensiven Erfahrungen in der islamischen Welt ohne Rücksicht auf Political-Correctness-Filter schreibt. Nicht nur, weil er sich weder vor Anschlägen noch dem Diktat des Mainstreams fürchtet. Sondern auch ganz besonders deshalb, weil es einfach infam war, wie der ORF das Buch blitzschnell verräumt hat, sobald die totalitären Meinungsgouvernanten im Monopolsender entdeckt haben, dass sich da einer nicht an die linken Denkschablonen hält, sondern selbst denkt. Das ist ein ungeheuerlicher Kontrast zu der massiven Dauerwerbung im Sender für jeden Mist, der sonst von ORF-Autoren produziert wird, wie beispielsweise für jedes neue Lendvai-Buch.

Absolut in die gleiche Spitzen-Kategorie gehört „Der Koran – Botschaft der Liebe, Botschaft des Hasses“ des deutsch-ägyptischen Islam-Experten Hamed Abdel-Samad. Dieser ist selbst Moslem und Sohn eines Imams und daher ein extrem versierter Koran-Experte. Dennoch – nein, gerade deshalb nimmt er sich kein Blatt vor den Mund und seziert messerscharf, wie gut sich gewalttätige Islamisten auf den Wortlaut des Korans stützen können.

Gerade weil er ein Moslem ist, kann Abdel-Samad wegen seiner präzisen Analysen nur noch unter Polizeischutz leben. Er wird von Salafisten und anderen radikalen Moslems bedroht, was ihn aber keinen Millimeter hindert, die Wahrheit zu suchen und schreiben. Er sieht die einzige Hoffnung darin, dass möglichst viele Moslems erkennen, dass der Koran ein zeitgebundenes Menschenwerk ist. Er zögert aber auch nicht, zugleich herauszuarbeiten, dass man im Koran auch viele positive Passagen findet. Was diese Religion ja so verwirrend macht.

Einen relativ kurzen politikwissenschaftlichen Überblick über die allerradikalsten islamistischen Bewegungen liefert Wilfried Röhrich: „Fronten des Dschihadismus“. Der Kieler Politologe verschafft damit eine brauchbare Zusammenfassung jener vielen Entwicklungen, welche die Tagesberichterstattung der Medien prägen.

Damit genug zum Islam und den damit verbundenen Bedrohungen. Wer weihnachtlich nach etwas klugem Christlichem sucht, sollte zu Matthias Beck: „Christ sein – Was ist das?“ greifen. Ohne ausufernde theologische Schnörksel liest sich das neue Werk des Wiener Universitätsprofessors, Priesters und Arztes problemlos und klar. Beck kommt ganz ohne illusionistische Schwärmerei aus und kann zugleich sehr gut einen zeitgenössischen Weg zum Christentum vermitteln.

Peter Seewald „Letzte Gespräche“ sind lange Dialoge eines vatikanerfahrenen Journalisten mit dem zurückgetretenen Papst. Dieser macht darin nicht nur den intellektuellen Kontrast zu seinem eher populistischen Nachfolger deutlich. Ratzinger spricht auch offen über eine homosexuelle Seilschaft im Vatikan, die er zerschlagen hat – von der er aber nicht weiß, ob sie sich nicht wieder neu bildet.

Last, not least, ein drittes Buch aus christlicher Perspektive: Georg Mandl: „Zufall, Freiheit, Christentum – Der Fall des Sperlings“. Eine geistig sehr anspruchsvolle Schrift eines österreichischen Universitätsprofessors für Physik und internationalen Forschers, in dem er die letzten Fragen von Theologie und Naturwissenschaft auf höchstem Niveau zu einer erstaunlich guten Annäherung bringt. Mandl widerlegt darin all jene, die zwischen Physik und Religion einen Widerspruch orten.

Ganz ohne Religion kommt hingegen der Klassiker von Martin E.P. Seligman aus dem Jahr 1974 aus, der auch seither immer wieder aufgelegt worden ist: „Erlernte Hilflosigkeit“. Er geht – problemlos lesbar – vielen psychischen Fehlentwicklungen, ihren Ursachen, Wirkungen und Therapien nach. Das Buch ist eine gut fassliche Anleitung dazu, Kontrolle über das eigene Leben zu erlangen, es zeigt, wie oft Menschen durch andere in Depression und Tod getrieben werden.

Zurück in die Welt der Politik. Heinz Kraus und Markus Steffal: „Wer regiert hier wen? – Das Ende von Demokratie und Freiheit.“ Die beiden österreichischen Ökonomen beschreiben an Hand vieler Beispiele, wie sich die staatlichen Strukturen immer mehr der demokratischen Kontrolle durch die Bürger entzogen haben, wie der Wohlfahrtsstaat immer mehr zur würgenden Krake wird, wie die Phrase von der „sozialen Gerechtigkeit“ immer mehr zu Absurditäten führt. Ähnlich wie bei Kafka steht der Staatsbürger hilflos einer übermächtigen Bürokratie gegenüber. Die Autoren reihen als Beleg eine Vielzahl – bekannter wie unbekannter – Beispiele von Fehlentwicklungen aneinander.

Christian Günther und Werner Reichel (Hg.) „Infantilismus – der Nanny-Staat und seine Kinder“. Dieser Sammelband stellt eine Reihe von Autoren zusammen, die in zum Teil brillanten Texten zu recht ähnlichen Ergebnissen kommen wie Kraus und Steffal. Kein Wunder, dass beide Werke von den Mainstream-Medien sträflich ignoriert werden.

Und ganz zum Schluss ein ganz anders geartetes Werk. Herbert Zeman (Hg): „Biobibliographisches Lexikon der Literatur Österreichs, Band 1 A-Bez“. Das ist der Beginn eines gewaltigen Vorhabens des wahrscheinlich wichtigsten Germanisten des Landes. Da Zeman im ersten Band nicht einmal mit den ersten beiden Buchstaben des Alphabets fertig geworden ist, kann man nur hoffen, dass dieses große, auf acht Bände angelegte Werk auch wirklich zum Abschluss kommt. Zeman und seine vielen Mitautoren stellen darin alle irgendwie wichtigen Autoren, Zeitschriften und Anthologien der österreichischen Literaturgeschichte mit einer wirklich sensationellen Präzision und klaren Bewertung zusammen. Dieser großartige und in der Grundidee voll gelungene Anlauf sollte eigentlich im Zentrum aller aktuellen Diskussionen um Österreich, Literatur und Kulturpolitik stehen, wird aber vom ideologisierten Mainstream, der derzeit die Universitäten beherrscht, gezielt ignoriert.

Ja, gewiss: Wieder ist da nichts Belletristisches dabei. Denn wieder halte ich mich auf Gebieten, wo ich zu wenig Kompetenz habe, mit Äußerungen zurück. Aber ich bin dennoch überzeugt, dass es auch zu Weihnachten Menschen gibt, die nach anspruchsvollen Sachbüchern suchen.

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