Der Markt beutet die Menschen aus!

Von Michael Auksulat

„Auksulat, wieso eigentlich immer Markt vor Staat? Wir werden doch dann ausgebeutet! Sieh doch mal, wie viel schlechter es vielen Leuten geht!“

Nicht schlecht der Einwand. Aber falsch.markt

Kennt ihr diese historischen Schiebebilder von Berlin oder auch aus dem Ruhrgebiet?
Eine Straße in den 70ern und dann heute?
Was fällt Euch da auf?
Schiebt mal hin. Schiebt mal her.
Also abgesehen von schwarz-weiß und bunt ?
Überall auf den Bildern der 70er seht ihr Kleingewerbetreibende.
Hier eine Pommesbude. Dort einen Kiosk. Woanders eine kleine Disco.

Wo ist das jetzt? Und was machen die Leute, die eigentlich sowas machen?
Ganz einfach: Die sind auf Stütze.

Versuch doch mal jemand, heute eine Pommesbude oder einen Kiosk aufzumachen. Abgesehen vom sofort einsetzenden Zeckismus (bevor Du Deinen ersten Umsatz hast, ist schon die Post von GEZ und BG da), wirst Du schon Probleme haben, das Ding überhaupt genehmigt zu bekommen.

Hast Du die richtigen Filter? Sind Deine Nahrungsmittelreste auch gekühlt? Hat Deine Kasse auch einen Fiskalspeicher? Hat Deine Kneipe für sechs Mann auch einen Notausgang, einen Wickelbereich und und und und…
Nicht zu vergessen: Sind die Aufzeichnungen über die Arbeitszeiten Deiner Mitarbeiter rechts-sicher, oder läufst Du Gefahr, dass das bisschen Kohle, das Du hast, vom Zoll wegen eines Verstoßes gegen das Mindestlohngesetz annihiliert wird?

Du hast alles richtig gemacht und stehst jetzt mit einem Gast in Deiner Kellerbar und ihr beiden trinkt ein Bier auf den Erfolg und raucht Euch eine?

Lieber Himmel, wenn jetzt um Zwei einer vom Ordnungsamt vorbei kommt!!!

Du bist nicht arm, weil der Reiche reich ist, sondern Du bist arm, weil da, wo Dein Geschäft stehen sollte, ein Baum wächst. Du bist arm, weil wenn Du etwas verdienen würdest, mehr staatliche Zecken an Deinem Portmonnaie hängen als Mücken an einem Anglerarm am Frühsommermorgen. Du bist arm, weil jede Handlung, die Du tätigst, in irgendeiner Form Energie verbraucht. Und diese Energie wird mit mehreren hundert Prozent Oberstudienrätinwohlfühlgarantierungssteuer beaufschlagt.

Deswegen bist Du arm. Und deswegen kommst Du nicht hoch.
Und deswegen hängst Du an der Staatsspritze.
Das ist für den nämlich ziemlich bequem.

Stell dir vor, Du würdest ein gutes Geschäft am Laufen haben und Dich gut fühlen und Dich fragen, wozu Du Dir eigentlich diese Gebrauchtwagenverkäufer an der Regierung leistest. Du bist ein geiler Typ und Du kriegst es gut selbst gebacken.
Das wäre für den Staat jetzt nicht prickelnd.

Wenn Du aber arm bist und Du Dir vom Staat jeden Monat Deine insgesamt was? tausend Euro vielleicht abholst und von seinem Wohl und Wehe abhängst, wessen Existenz hinterfragst Du dann nicht?

Ja genau.

Wohlfahrtsstaat ist, wenn Du Knecht A für Knecht B bezahlen und Knecht A im Glaube lässt, er würde dafür was bekommen und Knecht B Dich dafür anhimmelt.

(PS: im Falle eines BGE sind übrigens alle plötzlich Knecht B)

Um auf den ersten Satz zurück zu kommen:
Das Primat des Marktes bedeutet, dass jeder erst einmal die Möglichkeit haben muss, seinen Lebensunterhalt auf freiwilliger Basis zu verdienen – und dann kann man sich über Orchideenideen unterhalten.

Derzeit ist es umgekehrt.
Und das finde ich schlicht falsch.
Und das falsch zu finden, ist alles andere als unsozial.

Um noch mal auf die Schiebebilder zurück zu kommen. Dass die heute bunt sind, statt schwarz-weiß und heute mit einer Digitalkamera in HD gemacht werden, statt mit einer Filmrolle – für einen Bruchteil des Preises…

Wessen Verdienst war das noch mal?

 

Foto: flickr.com | Hans-Joachim Schulz | license

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