In nur 20 Jahren hat sich Pakistans Bevölkerung mehr als verdoppelt

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Immer mehr Pakistani - Wann machen auch sie sich auf den Weg nach Deutschland? (Foto: Durch Rawpixel.com/Shutterstock)

Die erste Volkszählung in Pakistan seit 1998 ergab, dass die Bevölkerung seit damals um 57 Prozent auf 207,8 Millionen Menschen gewachsen ist. Dies entspricht einem jährlichen Wachstum von 2,4 Prozent.

Von Ingmar Blessing

Während das deutsche Demografietannenbäumchen den Eindruck erweckt, vom Borkenkäfer befallen worden zu sein, sehen viele Grafiken für Entwicklungsländer aufgrund des massiven Bevölkerungwachstums eher aus wie Kuhfladen.

Meist sind die Zahlen aufgrund der mangelnden Zuverlässigkeit nur bedingt brauchbar und im Falle Nigerias etwa ist es für die einzelnen Regionen aufgrund der verfassungsmäßig festgelegten Zuteilung von Bundesmitteln sogar politisch opportun, die eigene Bevölkerungszahl zu übertreiben, wie der Economist vor nicht allzu langer Zeit berichtete. Die tatsächlichen Bevölkerungszahl Nigerias dürfte daher in etwa 10-20 Prozent unter der offiziell angegebenen liegen.

In wieweit die neuen Zahlen für Pakistan, einem weiteren Elendsmoloch dieser Welt, zuverlässig sind, bleibt dahingestellt. Tatsache jedoch ist, dass selbst eine Zunahme, die 20 Prozent unter der offiziell bekanntgegebenen liegt, alles andere als eine gute Nachricht wäre. Weder für Pakistan, noch für Deutschland und den Rest der Welt. Mit dem Wachstum der Bevölkerung steigt nämlich auch der Ressourcenbedarf entsprechend. Die landwirtschaftliche Produktivität muss zuverlässig steigen, es wird mehr Grundwasser benötigt, die Infrastruktur muss sich in eine Dauerbaustelle verwandeln, um mithalten zu können und staatliche Leistungen, wie etwa die Schulbildung müssen ebenfalls permanent erweitert werden. Beispielsweise stellt sich die Frage, ob es mit einer so hohen Wachstumsgeschwindigkeit überhaupt möglich ist, rechtzeitig genügend Lehrer auszubilden, da deren Qualifikation in der Regel länger als ein Jahr dauert, jährlich also eine Steigerung von 5-7,5 Prozent an Lehramtsstudenten von Nöten ist, um auf gegebenem Niveau mit der Geburtenentwicklung mithalten zu können.

Der Vergleich zur Schweiz, einem absolut hochfunktionalen Land zeigt, wie dramatisch die Lage in Pakistan und vielen anderen Ländern in Afrika und auf dem Subkontinent sein muss. Die Bevölkerung der Schweiz stieg aufgrund der massiven Zuwanderung in nur zwei Generationen um ein Drittel an. Heute kämpft das Land aufgrund des Zuwachses mit einem permanenten „Dichtestress“, da die komplette Transportinfrastruktur permanent überlastet ist. Wenn aber bereits die Schweiz mit einer vergleichbar harmlosen Zunahme unter Druck gerät, wie soll da ein Land wie Pakistan zurechtkommen, das mit 250 Einwohnern pro Quadratkilometer bereits heute dichter als Deutschland besiedelt ist?

Eine Zeitbombe

Wie sehr die Geschwindigkeit des Bevölkerungswachstums die in Entwicklungsländern sowieso nur rudimentär funktionierenden staatlichen Stellen überlastet zeigt sich am Beispiel des Senegal, eigentlich einem Positivbeispiel mit einer verhältnismäßig gut ausgebauten Staatsverwaltung. In dem muslimischen aber nach französischen Vorbild säkularen Land können inzwischen nicht mehr alle Kinder beschult werden, weshalb diese teilweise in Koranschulen gegeben werden, wo sie von saudisch ausgebildeten Imamen indoktriniert und allzu oft misshandelt werden. In ähnlicher Weise, nur viel stärker und aufgrund der großen Bevölkerung auf viel höherem Niveau läuft es in Pakistan, einem Land, das sogar ein dezidiert islamische Verfassung hat. Das ganze gleicht einer tickenden Zeitbombe, die exakt 20 Jahre lang tickt und dann, wenn die schlecht, islamistisch oder gar nicht beschulten Kinder erwachsen und perspektivlos sind, explodiert.

Fragen, die sich seltsamerweise niemand stellt

Blickt man auf die Krisen der Welt, auf Kriege, Umweltzerstörung, Ressourcenknappheit, wer mag auf das CO2 Problem und die allgemeine Armut mit zu wenig Trinkwasser und Strom und fragt sich, welcher Hebel die größtmögliche Wirkung beim Lindern dieser Globalisierungnöte erzielen würde, dann ist es so gut wie überall das Beenden des grassierenden Bevölkerungswachstums.

Im Jahr 2013 mussten 1,2 Milliarden Menschen ohne Strom zurechtkommen – und von denen wahrscheinlich genügend in Pakistan leben. Wäre das globale Bevölkerungswachstum bereits im Jahr 1998 zum Erliegen gekommen, heute hätte jeder Mensch einen Stromanschluss.

Im Jahr 2015 hatte eine Dreiviertel Milliarde Menschen hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Nun, hätte die Menschheit 10 Jahre davor, also 2005 aufgehört zu wachsen, der Zugang zu Trinkwasser wäre heute für jeden Menschen eine Normalität.

Diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen mit Nahrungsmitteln, Kommunikation, Bildung, medizinischer Versorgung, Terrorismus und so weiter. Tatsächlich ist es so, dass wahrscheinlich die allermeisten der sogenannten Globalisierungsprobleme auf das fortgesetzte Bevölkerungswachstum zurückzuführen sind. Hätte die Menschheit heute ihr Gleichgewicht gefunden, und zwar global wie regional, die Lebensqualität weltweit für die Ärmsten wie für den Durchschnitt wäre vermutlich um einiges höher als sie es ist.

Warum unternimmt niemand etwas?

Alleine der Vergleich zwischen China und Indien seit Mitte der 1970er Jahre, als China eine strikte Fortpflanzungspolitik einführte zeigt, wie dringlich und erfolgreich das gezielte Beenden des Bevölkerungswachstums ist. Während die beiden Länder damals noch in etwa gleichauf waren in den Bereichen Wohlstand und Entwicklung und China eine deutlich größere Bevölkerung hatte, so liegt China heute beim Durchschnittseinkommen und hinsichtlich des Grades der allgemeinen Entwicklung mit deutlichem Abstand vor Indien. Indiens einziger Vorsprung gegenüber China liegt in seiner Geburtenrate, weshalb das Land in absehbarer Zeit China auch den Rang des bevölkerungsreichsten Landes der Welt abnehmen wird. Angesichts der noch immer grassierenden Armut auf dem Subkontinent ein überaus zweifelhafter Titel.

Beim Beenden der überproportionalen Fortpflanzung durch die globale Unterschicht handelt es sich im Grunde genommen um eine politische Aufgabe höchster Priorität. Die Tatsache, dass kaum jemand das Thema anspricht und wenn doch, wie es kürzlich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron getan hat, sofort als Rassist und Nazi abgestempelt wird, um die Debatte zum Ersticken zu bringen, zeigt, dass auch in dieser Angelegenheit politische Drittinteressen im Spiel sein müssen. Wichtige Spieler im Hintergrund wollen die globale Bevölkerungskrise ganz offenbar provozieren. Leider lässt sich aus der allgmeinen Ignoranz zum Thema und der eigentlichen Offensichtlichkeit der Zusammenhänge kein anderes Motiv ableiten.

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