Nun also doch: Bitcoin inflationiert sich horizontal

Bitcoin (Bild: BTC Keychain; Bitcoin GreenFlare_IMG_8289; CC BY 2.0; siehe Link)
Bitcoin (Bild: BTC Keychain; Bitcoin GreenFlare_IMG_8289; CC BY 2.0; siehe Link)

Nachdem es allenthalben hieß, dass eine mögliche Spaltung von Bitcoin vom Tisch sei, da für das Speicherproblem der Digitalwährung eine Kompromisslösung gefunden wurde, kam es nun überraschenderweise doch zu einer Spaltung.

Von Ingmar Blessing

Ganze 5 Prozent haben Bitcoins vorübergehend an Wert eingebüßt, als die Meldung dazu die Runde machte. Momentan hat sich der Preis für die „reformierten“ Bitcoins bei einem Verlust von 2 Prozent eingependelt und wird von drei Vierteln der Betreibergemeinde von Bitcoin unterstützt. Die 25 Prozent der Revoluzzer, denen die Erweiterung des Speichers nicht weit genug ging, nannte ihren neuen Bitcoin „Bitcoin Cash“.

Der Preis dieser neuen Kryptowährung liegt nun erst einmal bei Null, bis die Betreiber es schaffen, eine Nutzergemeinde aufzubauen, sprich Nachfrage zu generieren. Es ist anzunehmen, dass sie ihren Erfolg im langfristigen Spiel sehen, da der Platz für Blockchains das achtfache dessen beträgt, was der reformierte Bitcoin aufweist. Clemens Schmale von Godmode-Trader meint, dass sich Bitcoin Cash schnell durchsetzen könnte und das Original aufgrund des nur verschobenen Speicherengpasses im Vergleich dazu bald schon in Rückstand gerät.

Fürs erste hat aber der Hauptkonkurrent von Bitcoin, Ethereum, gewonnen. Dessen Wert stieg vorübergehend um 5 Prozent an und pendelt momentan bei etwa 2 Prozent über dem Wert zum Zeitpunkt der Bitcoin Spaltung. Man kann also vermuten, dass sich die beiden Währungen gegenseitig substituieren.

Wie es weitergehen wird, welches Bitcoin oder welche Digitalwährung am Ende das Rennen machen wird steht aufgrund der Neuartigkeit noch völlig in den Sternen. Es könnte durchaus auch dazu kommen, dass Digitalwährungen sich mittel bis langfristig als Totgeburt erweisen, da mit der Begrenzung der designseitig begrenzten Geldschöpfung zwar keine vertikale Inflation möglich ist, allerdings wie sich nun zeigt, eine horizontale.

Denn während sich die einzelnen Währungen in ihrem Aufbau teils deutlich unterscheiden und über unterschiedliche Vor- und Nachteile verfügen, so ist nicht ausgeschlossen, dass immer weitere Ableger von Bitcoin, Ethereum und wie sie nicht alle heißen entstehen und sich ein ganzes Spektrum bildet mit nur marginal unterschiedlichen Konzepten. Die Inflation also wäre keine vertikale, sondern eine horizontale. Während dies für Theoretiker und Freunde des freien Marktes wie ein Wunschtraum klingen mag, so könnte sich das ganze für die Verbraucher schnell zum unüberschaubaren (und teuren) Wirrwarr entwickeln.

Die große Innovation der Digitalwährungen wird letztlich möglicherweise also nicht aus der Verwirklichung des Traumes von der Unabhängigkeit von inflationierbarem Zentralbankgeld bestehen sondern darin, mit Blockchains der wichtigsten, weil sichersten Transaktionstechnik des digitalen Zeitalters den Boden bereitet zu haben. Immer noch eine großartige Leistung. Allerdings wohl auch eine sehr teure, da die Marktkapitalisierung der wichtigsten fünf Kryptowährungen bereits jetzt bei etwa 75 Milliarden Dollar liegt.

Interessant für risikoaverse Anleger könnten sich mittelfristig digitale Tauschmittel mit Blockchain Technologie erweisen, die mit Edelmetall gedeckt sind.