Der Rausch bei den Kryptowährungen hebt buchstäblich vom Boden ab

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Bitcoin-Dealer bei der Arbeit (Foto: Durch PR Image Factory/Shutterstock)

In einem Goldrausch braucht es Hacken und Schaufeln – und in einem Kryptowährungsrausch? Nun, da braucht es schnelle Prozessoren und wenn diese zu weit weg sind, dann braucht man Flugzeuge, um sie möglichst schnell dahin zu schaffen, wo man seinen digitalen Schürfclaim abgesteckt hat.

Von Ingmar Blessing

Die Preise für die beiden aktuell wichtigsten Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum steigen derzeit so stark an, dass ein lupenreiner Boom entstanden ist, der von vielen als Blase bezeichnet wird. Das schreckt viele Investoren aber nicht ab, sondern spornt sie aufgrund der Aussicht auf noch höhere Gewinne an, mehr und schneller zu produzieren.

Produzieren heißt in diesem Fall berechnen und dafür braucht es Computer mit entsprechenden Prozessoren. Am besten eignen sich dafür Grafikkarten, die vor allem von Nvidia und AMD bestückt werden und die im Sog des Booms gute Gewinne einfahren können. So wie bei einem klassischen Goldrausch meist jene das meiste Geld machen, die den Goldsuchern Hacken und Schaufeln verkaufen oder Dienstleistungen für die Entspannungen anbieten.

Momentan ist das Geschäft um das Schürfen von Kryptowährung so sehr erhitzt, dass die betreffenden Unternehmen zu recht unüblich anmutenden Maßnahmen greifen, um möglichst schnell an weitere Prozessoren zu kommen.

Wie der Business Insider berichtet, meinte Marco Streng von Genesis Mining vor kurzem gegenüber Quartz, dass sie „ganze Flugzeuge mieten, Boeing 747, um sie frühzeitig zu bekommen. Mit allen anderen Möglichkeiten, etwa dem Transport per Schiff, würden wir zu viel verlieren“.

Im Fall von Genesis Mining ist der Zielort Island, wobei Nvidia weltweit produzieren lässt und alles nur, um ein paar Tage länger schürfen zu können. Bedenkt man, dass ein Chipsatz in einen Schuhkarton passt und Hochleistungskarten über 1.000 Euro kosten ergibt sich ein Bild davon, wie sehr der Markt heißgelaufen sein muss, wenn das Material schon flugzeugeweise von Taiwan und andernorts nach Island gebracht wird.

Bei Nvidia freut man sich über das Extra an Umsatz. Laut Chefin Lisa Su allerdings ist das Geschäft mit digitalen Schürfunternehmen aber nur ein Zubrot von dem erwartet wird, dass es bald schon wieder verschwindet. Die Erwartungen waren gering und sie bleiben fürs erste gering. Spätestens, wenn die Berechnung neuer Währungseinheiten die rechnerische Unmöglichkeit erreicht, werden die Transportflüge wohl ausbleiben. Oder es kommt die nächste Kryptowährung und der Boom geht in die nächste Runde.