Wie NRW aus Aishe schnell und unbürokratisch eine Annette macht

Schwarz-Geld macht in NRW aus Aishe und Fatima ganz unbürokratisch Martina und Annette (Symbolbild: JouWatch)

NRW /Düsseldorf – Weil Aishe, Mohammed, Fatima oder aber angeblich auch Iwan, Amélie, Wang, Li und Zhang aufgrund ihrer ausländischen Namens im beruflichen und gesellschaftlichen Alltag diskriminiert werden, will die schwarz-gelbe NRW-Regierung es diesen Diskriminierten wesentlich vereinfachen, ihre Namen ohne viel Bürokratie „umwandeln“ zu lassen. SPD und Grüne laufen dagegen Sturm.

Das derzeit geltende Namensrecht in Deutschland findet die schwarz-gelbe Regierung in NRW „nicht zeitgemäß“. Wie in den Koalitionsvertrag hineingeschrieben, soll es bald möglich sein, seinen Namen ohne hohe bürokratische Hürden zu ändern. Damit komme man den Wünschen vieler zugewanderter Menschen nach und ermögliche ihnen, „ihre Integration durch eine Namensänderung verfestigen können“.

Amélie, Anastazja oder aber Wang, Li und Zhang hatten den Wunsch in der Vergangenheit nicht

Denn: Mittlerweile hat jeder vierte Bürger in NRW einen Migrationshintergrund. Und wer sich mit einem „ausländischen Namen“ um einen Arbeitsplatz bewirbt, verringere seine Chancen erheblich. Das hätten mehrere Untersuchungen eindeutig bewiesen, so Klaus Spenlen, Sozialwissenschaftler an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Um welche „ausländische Namen“ es sich hierbei handelt und warum Amélie, Anastazja oder aber Wang, Li und Zhang diesen Wunsch in der Vergangenheit nie äußerten, diese Antwort bleibt Spenlen ledig, zumal er die Meinung vertritt, dass das „Angebot“ eh auf eine „Germanisierung“ hinauslaufen würde.

NRWs Familien- und Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) – nach seinem Studium der Politikwissenschaften, Philosophie und Religionswissenschaft sofort im „liberalen“ Parteidienst tätig –  will das Vorhaben breiter verstanden wissen. „Von einer Vereinfachung des Namensrechtes können Menschen profitieren, deren Namen Anlass für Spott bietet sowie Personen, die einen gemeinsamen Familiennamen wählen wollen, ohne ihren Geburtsnamen abzulegen oder auch Transgender“. Zudem wolle man Menschen mit Einwanderungsgeschichte das Angebot machen, wenn ihrerseits der ausdrückliche Wunsch besteht, ihren Name zu „vereinfachen“.

SPD im Erdogan-Sprech: Das ist „Assimilation statt Integration“

Gegen diese Pläne laufe die Opposition Sturm, so der WDR. Der SPD-Landtagsabgeordnete Ibrahim Yetim, dessen Eltern aus der Türkei stammen, bemerkt entrüstet, dass dies bedeuten würde, dass man seine Herkunft verleugnen müsse, um besser integriert zu werden. Das sei „Assimilation statt Integration“, befindet die SPD ganz im Sinne Erdogans.

Die integrationspolitische Sprecherin der Grünen, Berivan Aymaz sieht das naturgemäß ähnlich: Es sei schon sehr skurril. Nicht nur, weil CDU und FDP anscheinend glauben, dass das Verbergen der eigenen Herkunft ein substanzieller Beitrag zur Integration wäre, sondern auch, weil das Land hier schlicht keine Gesetzgebungskompetenzen habe, so die türkischstämmige Grüne.

Das Serap Güler (CDU), Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration im Kabinett Laschet jedoch mit genau dieser Begründung – „Menschen müssten ihre Herkunft nicht verstecken, da ein objektives Bewerbungsverfahren in der Landesverwaltung sichergestellt sei“ – das anonyme Bewerbungsverfahren für den Landesdienst wieder abgeschafft hat, das passt der grünen Aymaz dann doch wieder nicht. (BS)