Wie amerikanische Milliardenbetrüger ungewollt Wladimir Putin zum Aufstieg verhalfen

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Putin is a bitch (Foto: JouWatch)

Eine Räuberpistole aus dem echten Leben.

Von Martin Armstrong, übersetzt von Ingmar Blessing

Aktuell liest man in den Medien immer wieder den Namen William Felix Browder, der sich in der ganzen Russland-Trump Angelegenheit profilieren will. Vor längerem gründete er Hermitage Capital, um damit exklusiv in russische Unternehmen zu investieren. Der berüchtigte Banker Edmond Safra, der im Zentrum des sog. „Money Plane“ stand, investierte damals 25 Millionen Dollar bei Hermitage Capital und seine Bank, die Republic National Bank of New York kontrollierte den Fonds. Es war dieses Russlandgeschäft, bei dem auch mir der Einstieg angeboten wurde. Als dann die HSBC die Republic National Bank kaufte, schloss Browder mehrere Geschäfte ab, an deren Ende er Hermitage Capital komplett übernahm, weil die ganze Sache in den Mittelpunkt einer politischen Kontroverse geriet, die viele unter den Teppich kehren wollten.

Der ursprüngliche Plan mit Hermitage Capital bestand darin, Boris Jelzin dazu zu bringen, 7 Milliarden Dollar aus einem IWF Kredit umzuleiten, worüber ich davor bereits geschrieben habe. Jelzin ging darauf ein und Safra leitete die Überweisung des Geldes über die Republic National Bank zu einem Unternehmen in Genf, wobei er behauptete, das Geld sei für die Renovierung des Kreml gedacht. Als das Geld dann überwiesen wurde, meldete die Republic National Bank die Überweisung beim US Justizministerium, um diese darüber zu informieren, dass soeben 7 Milliarden Dollar aus Russland kamen und es sich dabei um Geldwäsche handelt. Die Transkripte der Verhandlungen mit den verantwortlichen Bankern, die dafür lediglich 6 Monate Hausarrest bekamen, zeigen, dass sie auf die Frage, worum es sich bei der Geldwäsche handelte, einfach nur meinten, dass sie damit russische Geschäftsleute bestechen wollten. Safra war damals auch im Geschäft mit der US Regierung, um für diese per Flugzeug Milliarden an Dollarscheinen nach Russland zu schaffen. Daher lässt sich sagen, dass wohl auch die US Regierung zu einem gewissen Grad in die Geldwäscheaktion eingespannt war.

Während sich Browder nun als Geschäftsmann hinstellt, der zum Opfer von Putins Machenschaften wurde, so sei hier angemerkt, dass Browders Großvater zeitweise die Amerikanische Kommunistische Partei leitete und bei der Präsidentschaftswahl gegen Theodore Roosevelt antrat. Sein Großvater war Vollblutkommunist und wurde später in der McCarthy-Ara auch verhaftet. Browder behauptet, dass er 1995 nach Russland ging, um seine Wurzeln neu zu entdecken. Allerdings endete er als einer von Russlands wichtigsten Investoren mit Verbindungen zu Safra, der selbst wiederum mit Boris Beresowski in Verbindung stand, der selbst enge Beziehungen zu Jelzin pflegte.

Jelzin wollte im Jahr 2000 ein zweites Mal als Präsident antreten. Zu der Zeit haben sie dann den Plan zur Übernahme Russland ausgeheckt. Jelzin wurde damit gedroht, dass die oben erzählte Geldwäschegeschichte publik würde, woraufhin er zurücktreten müsse, er allerdings das Geld behalten darf, wenn er Beresowski zum Präsidenten macht. Jelzin merkte, dass er hintergangen wurde und wandte sich an Putin. Beresowski floh daraufhin nach London, andere Involvierte flohen nach Israel und vermutlich liess Putin dann Safra umbringen, als er sich gerade in Monaco aufhielt.

Da Safra Hermitag Capital gehörte, wurden deren Kapitalwerte eingezogen. Die Behauptung von Browder nun, dass sein russischer Steueranwalt Sergej Magnitski inhaftiert wurde und vor seiner Verhandlung verstarb, weil er gegen die Korruption in Russland kämpfe könnte nicht weiter von der Wahrheit weg sein. Putin ließ alles, was zu Hermitage Capital gehörte, einziehen und Browder tat im Gegenzug alles, um das Magnitski Gesetz durch den Kongress zu bringen. Ich fand es immer seltsam, dass die ganze Sache sich darum drehte, die Wahlen in Russland mit Hilfe von Erpressung zu beeinflussen und der US Kongress im Gegenzug das Magnitski Gesetz verabschiedete, ganz so, als wäre es ein Menschenrechtsthema, bei dem es um den Tod eines Anwalts in einem russischen Gefängnis geht. Irgendwas ist an der Geschichte ziemlich faul.

Sowohl Browder als auch Putin konnten den inhaftierten Oligarchen Michael Chordorkowski nicht ausstehen, der 2003 der reichste Russe war. Jukos war einer von Russlands größten Öl- und Chemiekonzernen und auch eine der größten Nichtregierungsorganisationen der Welt. Chordorkowsi wollte dann auch Präsident werden, wodurch er Putin in die Quere kam. Allerdings wollte sich auch Chordorkowsi nicht mit Safra und dessen Hermitage Capital zusammentun, um sich Russlands Gold-, Diamant-, und Energiereichtum anzueignen.

Im Oktober 2003 wurde Chordorkowski schliesslich wegen Betrugs verhaftet und Putin fror kurz danach wegen Vorwürfen zu Steuerbetrug auch alle Jukos Aktien ein. Putins Regierung ging weiter gegen Jukos vor, was das Unternehmen schließlich in die Knie zwang. Jukos Aktien wurden eingezogen und am 1. August 2006 wurde das Unternehmen von einem Gericht in Moskau für bankrott erklärt. Im Mai 2005 kam der Schuldspruch gegen Chordorkowski, der für neun Jahre ins Gefängnis musste. Im Dezember 2010 wurde auch sein Geschäftspartner Platon Lebedew angeklagt und der Geldwäsche und Bereicherung für schuldig befunden; Chordorkowskis eigene Haftstrafe wurde bis 2014 verlängert. Nachdem sich Hans-Dietrich Genscher für Chordorkowskis Freilassung einsetzte, begnadigte ihn Präsident Putin und entließ ihn am 20. Dezember 2013, woraufhin er in die Schweiz zog. Browder meinte über Chordorkowski, dass dieser sich im „Asset Stripping“ betätigte und mit Verrechnungspreismethoden arbeitete. Browder sagte: „Für uns war er der härteste aller Gegenspieler. Das ist auch einer der Gründe, warum ich Präsident Putin so so dankbar bin.“

Browder wandte sich schliesslich aber doch gegen Putin, worauf dieser ihm die Einreise nach Russland untersagte. Die offizielle Begründung Russlands für die Aufhebung von Browders Visum stand in einem Brief, den er am 25. November bekam und in dem stand: „Die Entscheidung, Herrn William Felix Browder die Einreise in die Russische Föderation zu untersagen, wurde von den Behörden in Übereinstimmung mit Artikel 27 Absatz 1 des Bundesgesetzes 114FZ getroffen. Dieser Artikel stellt fest, dass jemandem die Einreise verweigert werden kann im Interesse ‚der Sicherstellung der staatlichen Sicherheit, der öffentlichen Ordnung oder der öffentlichen Gesundheit.'“

Hermitage Capital behauptet von sich, dass sie in Russland die Pioniere waren hinsichtlich guter Unternehmensführung und Rechenschaftspflicht für die Chefetagen von Russlands größten Unternehmen. Das war definitiv nicht das, was mir versprochen wurde, als ich das Angebot bekam, 1 Milliarde Dollar in Hermitage Capital zu stecken. Es ging ihnen um die russischen Bodenschätze. Hermitage Capital schaffte es entsprechend, in nur zwei Jahren 1 Milliarde an Geldern einzusammeln.

Es tut mir daher wirklich leid, aber ich glaube der Propaganda nicht, mit der versucht wird, die Geschichte umzuschreiben. Chordorkowski dachte über einen Einstieg in die Politik nach und finanzierte Parteien, die gegen Putin waren. Er stritt sich mit Putin vor allem wegen der Korruption im Staatsapparat. Es gibt da eine ganze zweite Seite bei der Geschichte, allerdings scheint es niemanden zu interessieren, diese aufzudecken, da damit auch enthüllt werden könnte, dass es massive amerikanische Versuche gab, die russische Politik zu beeinflussen, was aber nach hinten losging und Putin überhaupt erst den Aufstieg ermöglichte. Die Verbindungen zwischen Safra und der US Regierung im Zusammenhang mit dem Money Plane war möglicherweise der eigentliche Grund, weshalb Browder es überhaupt schaffte, das Magnitski Gesetz durchzubringen, mit dem er sein Geld zurückholen wollte. Wäre ich Trump, ich würde den Teppich mal hoch heben und nachsehen, was sich sonst noch im Schatten hinter dem Magnitski Gesetz verbirgt.

Martin Armstrong ist ein amerikanischer Finanzanalyst und gilt als die moderne Kassandra für Wirtschaftsprognosen. Mit seinem wirtschaftlichen Zuversichtsmodell schafft er es mit großer Zuverlässigkeit, selbst weit in der Zukunft liegende Ereignisse und Trends vorherzusagen. Ob Konjunkturzyklen, Markteinbrüche oder politische Krisen, Armstrong kennt bereits das Datum. Sein Geheimnis ist ein Computerprogramm namens Socrates, das er mit einer umfassenden Datenbank mit historischen Wirtschaftszahlen versehen hat und das ihm basierend auf Informationen aus der Vergangenheit ein Bild über die Zukunft vermittelt, da so Armstrong, „die menschliche Natur sich seit Jahrtausenden nicht verändert hat und sie daher immer wieder die selben Fehler machen“.

  Sein Ruf eilt ihm voraus und so berät er Kunden weltweit. Groß- und Zentralbanken gehören dazu, genauso dazu wie Autokonzerne und große Universitäten und seine Prognosen sind so genau, dass er aus fadenscheinigen Gründen sogar für fünf Jahre ins Gefängnis musste, weil er nicht bereit war, den US Behörden sein Geheimrezept zu verraten. Seine Geschichte wurde unter dem Titel „The Forecaster“ verfilmt.

  Auf seiner Internetseite veröffentlicht Armstrong täglich Artikel zum Tagesgeschehen und gibt seinen Lesern Hinweise darauf, was kommen wird. Das war ein aktueller Beitrag von ihm.