Journalist berichtet aus Sizilien über Migranten und wird zensiert: „Irgendwas ist hier im Busch“

Foto: Stefano Garau/ Shutterstock
Mit jeder "Schiffsladung" verschwindet ein Teil von Europa (Foto: Stefano Garau/ Shutterstock)

Ein unabhängiger Journalist aus Schweden berichtet aktuell aus Sizilien über die Migrationskrise. Gestern wollte er an zwei Häfen die Ankunft von Migranten filmen, wurde dabei aber von der Polizei daran gehindert, die ihm auch einen Platzverweis erteilten.

Von Ingmar Blessing

PeterSweden, so sein Pseudonym bei YouTube, beschreibt in einem Video wie er gestern vorhatte, an zwei sizilianischen Hafenanlagen jeweils die Ankunft eines NGO Rettungsschiffs zu verfolgen. Einmal die der Aquarius mit etwa 400 Migranten an Bord und einmal die der Phoenix mit etwa 300 Migranten. An beiden Häfen aber bekam er ein Platzverbot und es war ihm nicht erlaubt, die Ankunft der Migranten zu filmen.

Beim zweiten Mal, bei der Ankunft der Phoenix zwang ihn die Polizei sogar, die bereits gemachten Aufnahmen zu löschen und drohten ihm mit der Verhaftung. Beide Male wurde er von der Polizei vom Hafen weg eskortiert, was er als „völlig übertrieben“ bezeichnete, nur weil er die ankommenden Schiffe filmen wollte.

Die europäischen Regierungen, so PeterSweden, versuchen etwas zu verbergen, da am Filmen der Ankünfte nichts verbotenes ist und bezeichnet die Zwischenfälle mit der Polizei als Zensur, wie man sie aus dem Kommunismus kennt. Er fährt fort: „Hier läuft gerade etwas ab, von dem die europäischen Regierungen nicht wollen, dass es bekannt wird. Sie bringen jedes Jahr hunderttausende Migranten ins Land und versuchen es nun zu vertuschen. Sie machen es heimlich und wenn ein unabhängiger Journalist wie ich dorthin geht und versucht darüber zu berichten, dann wird man rausgeworfen.“

Im Unterschied zu ihm erhielt das von ihm als „Fake News Mainstream Media“ bezeichnete „Vice“ nach dem Anlegen direkten Zugang zu den Migrantenschiffen. Das ausschließliche Zulassen „befreundeter“ Journalisten ist ein bekannte Methode für Organisationen oder Länder, die etwas Kontroverses oder gar Illegales machen und eine kritische Berichterstattung verhindern wollen. Bekannt ist dies aus der Sowjetunion, wo nur streng vorselektierte amerikanische Journalisten hinreisen durften, vom US Militär beim zweiten Irakkrieg, als der Begriff „embedded“ geprägt wurde, aber auch von PR Aktionen von Politikern, wie etwa Bürgermeister Bill de Blasio aus New York, der letztens seine Volksnähe demonstrieren wollte, indem er gemeinsam mit Journalisten U-Bahn fuhr, davor aber alle Obdachlosen entfernen ließ.

In einem vorigen Video beschreibt PeterSweden die ausgeklügelte Organisation durch NGOs wie Oxfam, die vor Ort in Sizilien eine Rundumbetreuung für die Migranten aufbauten und von Kost und Logie bis hin zur anwaltlichen Vertetung auf allerlei kostenlose Dienste hinweisen und anbieten, und auf welche die Migranten laut verteilter Flugblätter „ein Recht haben“. Den Organisationsgrad kann er sich aber nur dadurch erklären, dass im Hintergrund europäische Regierungen und die Europäische Union die Fäden ziehen und die NGOs lediglich als deren Dienstleister auftreten.

Während den NGOs von italienischen Behörden bislang vorgeworfen wurde, sich nicht nur mit den Schleuserbanden zu koordinieren, sondern sogar geschäftliche Verbindungen zu diesen zu unterhalten – immerhin handelt es sich dabei um ein Multimilliardengeschäft bei dem nachweislich auch die Mafia versucht, sich ein Stück vom Kuchen zu sichern – so meint nun Hans-Peter Buschheuer von der deutschen mit Schiffen im Mittelmeer präsenten NGO Sea-Eye in einem Interview mit Telepolis, dass „90% der Einsätze von Rom ausgelöst“ werden. Die Schiffe der NGOs halten sich in einem größeren Abstand vor der libyschen 12-Meilen-Zone bereit und fahren nur nach Rücksprache mit Rom an diese heran oder darüber, um Migranten aufzunehmen.

Für Beobachter der Szenerie handelt es sich aufgrund der fehlenden zuverlässigen Informationen um eine Henne-Ei-Frage. Ob die NGOs nun auf Betreiben des Staates den Rettungsdienst in eine Fährverbindung ausgebaut haben und die Regierungen dies insgeheim befürworteten und die Institutionalisierung zuließen, oder aber ob die Regierungen jenseits der Bombardierung von Gaddafi selber aktiv waren beim Herstellen der Migrationsroute und die NGOs heute lediglich als deren Industriedienstleister agieren, kann kaum beurteilt werden. Bekannt ist lediglich, dass der Mulitmilliardär George Soros sowohl enge Verbindungen nach Brüssel pflegt und seine Open Society Stiftung mehrere im Mittelmeer agierende NGOs mit Geld ausgestattet hat. Betrachtet man Soros aus der Perspektive eines Politikers und nicht aus jener eines Philantropen, dann könnte beides stimmen.

Offensichtlich ist, dass sich im Verlauf der letzten beiden Jahre eine Migrationsindustrie mit allen Facetten eines konventionellen Gewerbezweigs entwickelte, dessen Geschäftsprinzip auf dem Abschöpfen staatlicher Gelder beruht. Und wie bei jeder anderen derartigen Industrie ist auch bei der Migrationsindustrie zu erwarten, dass sie sich nicht ohne Widerstand abschalten lassen wird. Das polizeiliche Zensieren von unliebsamen Journalisten kann dabei als Symptom gewertet werden und zwar als ein äußerst besorgniserregendes.