Ein kanadischer Treppenwitz als Sinnbild für die sklerotischen westlichen Staatswesen

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Ein kanadischer Treppenwitz (Foto: Screenshot)

Man kann viel darüber debattieren und theoretisieren, dass die steigende Regulierungsdichte und unnötige Vorschriften das gesellschaftliche Leben hemmen und dadurch die für das soziale Miteinander so wichtige Eigeninitiative abgetötet wird. Am besten aber sind immer noch Beispiele aus dem wahren Leben, wie jenes eines Rentners aus einem Vorort von Toronto, der aktiv wurde und der Stadtverwaltung im Alleingang die Hosen runterzog.

Von Ingmar Blessing

Torontos Stadtverwaltung plante den Bau einer Zugangstreppe zu einem städtischen Park, deren Kostenvoranschlag bei 65.000 kanadischen Dollar lag. Als Adi Astl, ein Anwohner des Parks, von dem Vorhaben hörte dachte er zunächst, dass dort – es geht um eine ca. 3 Meter hohe Böschung, an der bereits mehrere Fussgänger ausgerutscht waren – ein Aufzug hingebaut werden soll. Nachdem er dann aber mitbekam, dass die 65.000 Dollar für eine schnöde Treppe geplant waren dachte er sich: „Das kann ich billiger,“ und baute die Treppe einfach in Eigenregie, wie CTV News berichtet.

Dafür gebraucht hat der offensichtlich begabte Heimwerker einen einzigen Nachmittag, gekostet haben ihn die Materialien knapp 600 Dollar und überdies heuerte er einen Obdachlosen als Hilfsarbeiter für den Bau an. In gutem Gemeinschaftssinn beteiligten sich am Ende die Anwohner an den Kosten. Problem gelöst.

Nicht so für die Stadt. Dort war man erbost über die Untat des alten Herren, der einfach so die Stadt übergangen hat. In fast schon brüsselesker Manier verwies man auf Regulierungen, die er nicht eingehalten hat und weswegen die Treppe vermutlich wieder abgerissen werden muss.

In einem Akt öffentlichen Ungehorsams ignorierten die Anwohner das Regulierungsrisiko aber und verwendeten die noch stehende Treppe trotzdem. Das konnte die Stadtgewalt nicht akzeptieren und schritt ein. Die Treppe bekam eine Absperrung und nun sinnieren die Behörden darüber, was damit geschehen soll. Gutmütig wie sie sind muss Astl aber keine strafrechtlichen Konsequenzen fürchten.

Diese Geschichte aus Kanada ist nur ein kleines Beispiel, aber es ist eines von vielen überall in den gesättigten westlichen Gesellschaften, die von  Politikern regiert werden, die sich als „Sozialingenieure“ verstehen und es natürlich immer nur gut meinen. In ihrer Abgehobenheit von der Realität erlassen sie dann eine Regel nach der anderen, versehen Gesetze kunstvoll mit Paragrafen, die sie selbst nicht lesen und bemerken am Ende nicht, wie wenig ihre Arbeit mit der Realität zu tun hat, wenn es konkret darum geht, ein Problem zu lösen.

Man schaut gerne nach Brüssel zu den Weltmeistern der bevölkerungsfernen Regulierung, aber es geht eben auch mehrere Ligen darunter. Man muss es sich auch einmal auf der Zunge zergehen lassen. 65.000 Dollar waren angedacht für ein kleines Projekt, das nachweislich für 1 Prozent der Kosten umgesetzt werden konnte.

Nicht anders sieht es im sozialindustriellen Komplex aus, wo vom Kindergeld, über den Wohnzuschuss bis hin zu diversen Härtefallregelungen allerhand Hilfe vom gutmeinenden, durchbürokratisierten Staat kommt. Allerdings steht das alles nur dem zu, der sich erstens im Wust der Regelungen auskennt, zweitens die notwendige Schamlosigkeit hat, sich zu bedienen und drittens sich die Zeit nimmt oder überhaupt erst die Zeit hat, diese Quelle der Nettigkeiten anzuzapfen.

Wir leben in einem perpetuierenden Zustand der Ersatzbefriedigung wie es scheint, in dem die Opportunität gegenüber der Bürokratie und das Abschöpfen ihrer Töpfe höher bewertet wird als das praktische Lösen eines Problems. Und wer Eigeninitiative zeigt? Nun, für den gibt es das Ordnungsamt, wie kürzlich in Großbritannien geschehen, als die Behörden gegen den illegalen Limonadenstand einer 5 jährigen einschritten und dem Mädchen eine 150 Pfund Strafe aufbrummten, weil sie keinen Gewerbeschein hatte. Deutlicher den Mittelfinger zeigen kann man nicht. (Das ist übrigens nicht die einzige Geschichte zum Thema. Wer nach „lemonade stand shut down“ sucht, der wird reichlich fündig.)

Die Kleine kann ja später, nachdem sie in der Schule ordentlich indoktriniert – Pardon – gebildet wurde und ihren Sinn fürs Selbermachen aberzogen bekam, anheuern bei einem der großen Schnellrestaurantketten und dann einfach dort Limonade ausschenken.

Hier liesse sich einwenden, dass dies ja Beispiele aus dem angelsächsischen Raum sind und wir in Deutschland davon nicht betroffen sind. Oder hat schon mal jemand davon gehört, dass einem deutschen Kind per behördlicher Anordnung der Limonadenstand dicht gemacht wurde? Nein? Hat dann vielleicht schon einmal jemand davon gehört, oder gar gesehen, dass ein deutsches Kind – gerne eines der „noch nicht so lange bei uns lebenden“ – überhaupt einen Limonadenstand betrieben hat? Mir jedenfalls fällt kein Beispiel ein.

Deutschland hat in seinem Gleichheitswahn per Regulierungswut schon lange aufgehört seine Kinder zu eigenständigen Wesen zu erziehen. Bevor etwas passieren darf, muss es erst in Gremium XY besprochen werden, um dann selbstredend beerdigt zu werden und sei es nur wegen ein paar vom Aussterben bedrohter Käfer. Eigeninitiative wäre da Gift. Der feuchte Traum des Sozialismus. Nichts mehr wird falsch gemacht, weil nichts mehr gemacht wird.

Aber vielleicht gibt es ja bald Abhilfe, könnte man meinen. Im Rahmen der Migrationskrise kommen gerade viele Menschen ins Land, die zwar kulturfremd sein mögen und leider auch viel Kriminalität und gar Terrorismus mitbringen. Aber immerhin handelt es sich dabei ausnahmslos um eigeninitiative Menschen, da sie sich auf Wanderung begeben haben. Es ist auch nie die Mehrheit, die sich mit kriminellen oder terroristischen Aktivitäten beschäftigt, die meisten möchten letztlich einfach nur ihrem Leben nachgehen und das auch im fremden Deutschland. Würden sie sich zu emsigen Unternehmern entwickeln, sie könnten das Eis nicht nur für sich brechen, sondern auch für die Einheimischen und beweisen, dass sie etwas können und zu etwas gut sind.

Worin aber besteht ihr Leben in Deutschland? Nun, bei der Ankunft gibts erst einmal Teddybären. Danach folgt der Gang zur Unterkunft mit 3x täglich kultursensiblem Essen, kostenlosen Sprachkursen ohne Anwesenheitspflicht, Asylgeld (oder zwei) auf Hartz4 Niveau, kostenloses ÖPNV Ticket, neue Zähne, Kennenlernpartys mit deutschen Frauen und wenn mal was kaputt geht oder abbrennt ist auch nicht so schlimm. Ach, und wenn Ramadan ist und man im 5. Obergeschoss untergebracht ist, der Aufzug aber nicht funktioniert, dann gibts das Essen selbstverständlich trotzdem vors Bett geliefert. Nur kauen und beten müssen sie noch selbst.

Und so schließt sich der Kreis um die halbe Welt ins kalte Kanada. Wo noch Reste an Eigeninitiative vorhanden sind, da wird sie in ein Regelkorsett gezwängt und systematisch erwürgt. Wo sie dringend von Nöten und möglicherweise auch da wäre und über die Härten des Alltags hinweghelfen könnte, da wird sie betäubt mit einem Rundumservice, an dem alle verdienen, nur nicht die Gesellschaft.

Bei den alten Römern war es so, dass Brückenbauingenieure einen Monat lang unter den von ihnen gebauten Brücken schlafen mussten. Sozialingenieure sollte man dazu zwingen, einen Monat lang in der von ihnen geschaffenen Mikrogesellschaft zu leben. Allerdings ist es mehr als nur eine Spekulation, dass sie vorher Reißaus nähmen.

Liebe Leser! Sind Sie selber einmal von diesem Regulierungswahn „erschlagen“ worden, können Sie uns ein Beispiel nennen? Dann beschreiben Sie uns bitte Ihr Erlebnis und schicken die Story an redaktion@journalistenwatch.com

Die verrücktesten Geschichten werden wir veröffentlichen.