Kommt der große Knall im Oktober?

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Im Herbst macht es Wumm (Foto: Pixabay)

Schaut man sich die Entwicklung der Aktienpreise in den letzten Monaten und Jahren an, dann könnte man meinen, es ginge nur noch aufwärts. Ein Rekord nach dem anderen wird gebrochen und dank der weitergeführten Zentralbankpolitik des billigen Geldes scheint kein Ende in Sicht.

Von Ingmar Blessing

Eine kleine aber stetig wachsende Gemeinde an Investoren beginnt allerdings so langsam Zweifel an der Nachhaltigkeit der ewigen Wertsteigerungen zu bekommen. Während es bislang vor allem Krisenprofiteure waren, die grundsätzlich darauf bauen, dass jedes Hoch einmal zu Ende ist und sie genau dann ihr Geld verdienen, so gibt es in den USA inzwischen mindestens zwei Händler, die massiv auf einen starken Einbruch der Kurse wetten.

Zunächst stieg ein Händler in den Ring, der täglich eine bestimmte Summe auf einen massiven Kurseinbruch setzte – und bislang 89 Millionen Dollar verlor, aber immer noch setzt – und dafür den Spitznamen 50 Cent bekam. Ihm zur Seite gesellte sich nun ein zweiter, der seinen Einsatz so platzierte, dass er mit seiner Wette am Ende 262 Millionen Dollar abräumen könnte.

Beide Händler setzten ihr Geld im VIX ein, dem sogenannten Volatitilitätsindex des S&P500, in dem die 500 größten US Unternehmen gelistet sind, mit dem die Preisschwankungen des S&P500 gemessen werden und der auch als „Angstindikator“ bezeichnet wird. Niedrige VIX Werte entsprechen keiner Angst und hohe Werte zeigen eine massive Unsicherheit an, die sich in Kursstürzen bemerkbar macht. Derzeit befindet sich der VIX auf historisch niedrigem Niveau, was von einigen Händlern als Zeichen dafür gewertet wird, dass die Marktpreise, also das Agieren der Händler insgesamt nicht mehr auf den zugrundeliegenden Wirtschaftszahlen basiert, sondern sich eine Blase gebildet hat.

50 Cent und der zweite Händler bauen nun mit außerordentlichem Einsatz darauf, dass die Blase bis Ende Oktober platzen wird. Michael Snyder meint dazu, dass es für sie „so sein wird, als hätten sie gerade in der Lotterie gewonnen,“, falls es dazu kommt. Für alle anderen Händler und Anleger, vor allem die Gewinnler des derzeitigen Preisblase heißt das selbstverständlich das Gegenteil.

Dass etwas großes im Busch sein könnte zeigt sich auch am Verhalten anderer Anleger, wie etwa Ruffer LLP aus London, die ebenfalls auf einen Kurssturz setzen und bislang dutzende Millionen verloren haben, aber unbeirrt an ihrer Strategie festhalten. In einem rationalen Markt, so ihr Argument, wären die Kurse schon lange eingebrochen, was bislang aber noch von den massiven Eingriffen der Zentralbanken verhindert wird, die, wie David Stockman meint, „die globalen Finanzmärkte in Spielhöllen verwandelt haben, in denen nur noch spekuliert wird“. Die seit dem Jahr 2007 gedruckten 15 Billionen Dollar schieben die Preise an den Finanzmärkten unweigerlich nach oben, da das frische Geld irgendwo geparkt werden muss.

Ablesen lässt sich die völlig abgehoben Situation mit einem Vergleich der realen Wachstumszahlen der Wirtschaft und jener der Aktienmärkte. Während die Realwirtschaft nahe an der Stagnation agiert, so sind die Aktienwerte geradezu explodiert. Kaum ein Unternehmen kann seinen Wert mit Erträgen rechtfertigen. Tesla Motors ist das Paradebeispiel dafür, letztlich aber nur eines von vielen, deren Bewertung inzwischen sogar mit der niederländischen Tulpenkrise verglichen wird.

Viele Anleger folgen auch der von Martin Armstrong empfohlenen Strategie, der nicht nur ebenfalls in den kommenden 6-12 Monaten eine große Krise sieht, sondern über seinen Blog auch ankündigte, dass es nun an der Zeit ist, das Portfolio in „sichere Häfen“ zu bringen, womit langfristig solide Aktien und sonstige Wertanlagen gemeint sind. Ein australischer Hedge Funds ging sogar so weit und beschloss vor wenigen Wochen seine eigene Auflösung, da es laut Geschäftsleitung nicht mehr möglich ist, aufgrund der Blasenbildung und irrationalen Preisentwicklung auf den Märkten solide Investitionsentscheidungen zu treffen.

Der Analyst Egon von Greyerz ordnet die aktuelle Entwicklung in einen größeren Kontext ein. Er meint, dass „das System, in dem wir heute leben auf Falschnachrichten, Falschgeld, Amoralität, Prinzipienlosigkeit und der Abwesenheit jeglicher ethischer Werte basiert. Trotz, oder eher wegen all der Anwälte, Gesetze und Regulierungen funktioniert das Finanzsystem heute bei weitem schlechter und ist durchsetzt von Betrug, die Staaten greifen mehr ein denn je und manipulieren die Märkte. Der Kunde spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Vor allem geht es daum, dass sich die Banker in den Chefetagen mit Multimilliardendeals, Boni und Optionen die eigenen Taschen füllen. Wie schon zwischen 2006 und 2009 gehen die Gewinne an die Banker und die Verluste an den Staat und das Volk. Während der Finanzkrise erhielten viele Banker die selben Boni wie im Jahr davor und das obwohl die meisten von ihnen ohne Staatseingriffe untergegangen wären und nur dank der zugeschossenen Billionen überleben konnten.“

Das massive fortdauernde Gelddrucken durch die Zentralbanken ist dabei die Institutionalisierung dieses Betruges. Die oberen Etagen der Banken profitieren, die große Politik profitiert und der Rest wird nicht nur kalt enteignt, sondern auch einem Marktumfeld ausgesetzt, in dem ihnen eine funktionierende Wirtschaft vorgegaukelt wird, in der die Preise aber nicht mehr ihre Funktion als zuverlässiger Bewertungsmaßstab ausfüllen, sondern eine Scheinwelt der Prosperität erzeugen. Von Greyerz fährt fort: „All das ist der Beweis dafür, dass wir uns am Ende einer Finanzära befinden.“

Die Zentralbanken selbst sind naturgegeben etwas optimistischer. Janet Yellen von der Federal Reserve meinte erst kürzlich, dass wir zu unseren Lebzeiten möglicherweise nie wieder eine Finanzkrise erleben werden. Diese Aussage lässt sich so interpretieren, dass der Entschluss, die Umwandlung der akuten Finanzkrise ab 2007 in eine chronische Finanzkrise ohne absehbares Ende weiter steht und damit bei Bedarf weiterhin Geld auf die brennenden Märkte geworfen wird.

Nur, irgendwann ist die Grenze erreicht. In Japan, wo nicht nur der Aufkauf von Anleihen, sondern auch Aktien betrieben wird, gab der Notenbankchef Haruhiko Kuroda bereits zu, dass diese Politik gescheitert ist, es aber keine Kursänderung geben soll. Und in Europa manövrierte Mario Draghi die EZB mit dem Aufkaufprogramm in eine Catch 22 Falle, aus der sie nicht mehr rauskommt. Einerseits muss die Bank aufpassen, dass sie die Inflation nicht treibt und den Markt kaputt macht, andererseits ist sie aber dazu gezwungen, weiter Anleihen aufkaufen, da es sonst keine Käufer mehr für Staatsanleihen gibt, der Markt also bereits kaputt ist. Das alles, wähend kurz hinter dem Horizont bereits die Frage lauert, was die EZB eigentlich kaufen soll, wenn ihr irgendwann bereits alles gehört.

Die beiden Händler, aber auch Armstrong, von Greyerz und eine immer größer werdende Gemeinde an Händlern und Analysten sagen nicht nur, dass dies nicht mehr lange gut gehen wird, sondern sie lassen ihren Worten auch Taten folgen und bereiten sich aktiv auf einen kurz bevorstehenden großen Knall vor.