Britische Regierung will Umwandlung des Geschlechts ohne medizinischen Grund ermöglichen

Eine Fahne erobert die Welt (Foto: Von user:theodoranian - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18387
Eine Fahne erobert die Welt (Foto: Von user:theodoranian - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18387

Gute Nachrichten für alle sich im falschen Körper fühlenden Briten. Während es momentan noch eine medizinische Grundlage braucht für die Änderung des Geschlechts in der Geburtsurkunde, so plant die konservative britische Regierung nun, dies ohne triftigen Grund zu erlauben, wie der Express berichtet.

Von Ingmar Blessing

Die Bildungs- und Gleichberechtigungsministerin Justine Greening bestätigte das Vorhaben, im September ein Gesetz im Parlament einzubringen, nach dem es zukünftig ohne vorige medizinische Untersuchung und Diagnose möglich sein soll, das in der Geburtsurkunde eingetragene Geschlecht in das gewünschte abzuändern. Ebenfalls abgeschafft werden soll die zwei Jahre dauernde Wartefrist zwischen Diagnose und offizieller Änderung.

Die Ministerin meinte in einem Interview mit Sky News, dass die vorgeschlagenen Änderungen die momentan „komplexen“ Regelungen des Geschlechtergesetzes vereinfachen sollen. „Wir wollen den Prozess vereinfachen, ihn von der Medizin wegholen und ihn weniger übergriffig gestalten,“ so die Ministerin der konservativen Partei.

Sie verglich das Vorgaben dabei mit der Entkriminalisierung der Homosexualität vor 50 Jahren und sieht trotz „riesiger Fortschritte bei den LGBT Rechten,“ so ihre Worte, weiteren Verbesserungsbedarf im Themenbereich. Es wird angenommen, dass das Vorhaben von der Labourpartei und den Liberaldemokraten unterstützt werden wird, so der Express.

Weniger erfreut sind christliche Organisationen, wie etwa das Christian Institute mit Simon Calvert, der das Vorhaben kritisierte und sich besorgt darüber zeigte, dass „die großen Parteien sich so weit entfernt haben von den Sorgen und Nöten der normalen Bevölkerung“. Er sagte: „In die Debatte um Transgeschlechtlichkeit muss dringend eine Portion Realität eingebracht werden, bevor die gegenwärtige politische Mode völlig am Rad dreht.“

Er verweist dabei auf die USA, wo in einzelnen Bundesstaaten ähnliche Gesetze verabschiedet wurden und sich daraus praktische Alltagsprobleme ergaben, da Frauen und Mädchen nun mit Männern Toiletten und Duschräume teilen müssen. Diese können ihre Anwesenheit in den Frauen vorbehaltenen Hygienebereichen mit der einfachen Behauptung begründen, dass sie „sich als Frau fühlen“. Sogar das US Militär ist dabei, entsprechende noch aus der Obamaära stammende Regelungen umzusetzen, nach denen Frauen und Männer gemeinsam duschen sollen, wie Journalistenwatch berichtete.

Auch in Kanada ist die Gesetzgebung zur Abänderung des Geschlechts sehr lose. Die Journalistin und Aktivistin Lauren Southern testete die Grenzen des dort möglichen aus und ließ sich – nach damals noch altem kanadischem Recht, das eine medizinische Begründung erforderte – an nur einem Vormittag zum Mann umregistrieren, was sie in einem denkwürdigen Video festhielt.

Das britische Vorhaben folgt der überall im Westen vorherrschenden linksprogressiven Mode, dass das Geschlecht nur eine soziale Konstruktion sei und nicht biologisch determiniert ist. Naturwissenschaftler und konservative Sozialwissenschaftler wehren sich vehement gegen die postmodernistische Sichtweise, da diese Theorie wissenschaftlich nicht nur widerlegt ist, sondern bei Kindern nachweislich massive psychische Schäden anrichten kann.

Seltsam an der Angelegenheit ist, dass sich linke wie (auf dem Papier) konservative Regierungen in nichts nachstehen. Die oben erwähnten Beispiele in den USA und Kanada wurden von linken Regierungen durchgesetzt. Großbritannien aber wird von den konservativen Torys regiert. Nicht anders verhält es sich in Deutschland, wo Bundeskanzlerin Merkel im Bundestag bei der Abstimmung zur sogenannten „Ehe für Alle“ zwar aus taktischen Gründen gegen das bei der wertkonservativen Parteibasis unbeliebte Gesetz stimmte, dieses aber trotzdem eine konservative Mehrheit erhielt.

Während sich beim Thema der Homoehe nur eine relativ große, wenn auch wie in Frankreich teilweise lautstarke Minderheit dagegen ausspricht und im katholischen Irland bei einer Volksabstimmung zum Thema sogar eine sehr deutliche Mehrheit für deren Einführung stimmte, so ist das Thema der Geschlechtsidentität als gesellschaftliches Konstrukt bei weitem kontroverser und wird nur von einer relativ kleinen Personengruppe vertreten. Trotzdem und obwohl weniger als ein Prozent der Bevölkerung von diesem Problem betroffen ist – die Selbsthilfeorganisation Trans-Ident spricht von weniger als 2.000 Fällen pro Jahr – erklärt eine Regierung nach der anderen diesen Themenberich zur Priorität.

Es stellt sich die Frage, wie eine so kleine Interessengruppe ohne unmittelbare Finanzkraft selbst in konservativen politischen Kreisen über diesen unbegründet überproportionalen Einfluss verfügen kann.