Trump Junior und Russland: Seifenblase oder Stolperfalle?

Foto: Gage Skidmore/ Flickr/ https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/
Im Visier der Ermittler: Donald Trump (Foto: Gage Skidmore/ Flickr/ https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/)

Bislang konnte Donald Trump alle Vorwürfe, heimliche Kontakte zur russischen Regierung zu pflegen, abwehren und die Mainstream Medien und das linke politische Lager der USA als schlechte Verlierer hinstellen, die seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl gegen die Establishment Kandidatin Hillary Clinton nicht verwinden können. Nun aber gewinnt eine Geschichte an Fahrt, bei der es scheint, als könnte sie nicht nur Mitgliedern der Familie Trump gefährlich werden, sondern auch dem Präsidenten selbst.

Von Ingmar Blessing

Während des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes gaben sich die Demokratische Partei um Hillary Clinton und die Mainstream Medien alle Mühe, Donald Trump als Schoßhund von Wladimir Putin hinzustellen. Trump ließ das alles an sich abprallen. Den Wählern waren die Verdächtigungen egal, oder aber sie fanden die Aussicht, von Clinton regiert zu werden, schlimmer, als die Vorstellung eines mit Russland zusammenarbeitenden Trump im Amt.

Teilweise waren die Vorwürfe offen lächerlich, wie das sogenannte „Trump Dossier“ zeigt. Nach diesem soll Trump in Moskau unter anderem eine sehr delikate Party veranstaltet haben. Diese Vorwürfe, so kam später heraus, wurden von einem ehemaligen britischen Geheimdienstagenten fabriziert und sind völlig haltlos.

Nach der Wahl ging es im Wochentakt weiter mit Vorwürfen, Trump würde heimlich mit Russland zusammenarbeiten, wobei diese angesichts mangelnden Beweise jenseits normaler geschäftlicher Verbindungen immer lächerlicher klangen. Die Demokratische Partei wie auch innerparteiliche republikanische Gegner von Trump, vor allem aber die Mainstream Medien beschädigten sich damit selbst, da diese nicht aufhören wollten, auf einem vermeintlich toten Pferd herumzureiten.

Am Samstag vor zwei Wochen aber brachte die New York Times eine Geschichte , deren Inhalt etwas mehr enthielt, als den üblichen substanzlosen Dreck, mit dem die Familie Trump sonst von den Medien beworfen wird.

Am 3. Juni 2016, knapp ein halbes Jahr vor der Wahl, erhielt Donald Trump Junior eine E-Mail von einem ehemaligen russischen Geschäftspartner des Vaters. Dieser wurde offenbar von der russischen Regierung kontaktiert, die ihn als Mittler verwenden wollte, um der Trump Kampagne schädigendes Matrial über Hillary Clinton zukommen lassen.

In der von einem Vertrauten geschriebenen E-Mail hiess es laut New York Times, dass die Dokumente „Hillary und ihre Geschäfte mit Russland schlecht dastehen lassen würden und sie sehr hilfreich für deinen Vater wären.“ Ebenfalls in der E-Mail stand, dass „es sich dabei offensichtlich um wichtige und sensible Informationen handelt, die gedacht sind als Unterstützung von Russland und der russischen Regierung für Herrn Trump.“

Trump Junior schrieb sofort zurück, ließ dabei die Worte „ich liebe es“ fallen und schlug ein baldiges Treffen in New York vor.

Kaum eine Woche später, am 9. Juni, saß Trump Junior mit sieben weiteren Personen in einem Konferenzraum des Trump Tower in New York.

Bislang ist unklar, was bei diesem Treffen genau besprochen wurde, oder um welche Art von Information oder Zusammenarbeit es ging. Bekannt sind bislang nur der Namen der bei dem Treffen anwesenden, darunter Trump Junior, der Schwiegersohn von Trump Jared Kushner und der damalige Kampangnenleiter Paul J. Manafort. Von russischer Seite nahmen mehrere Anwälte an dem Treffen teil, ein aus Russland stammender Lobbyist, der offen über seine KGB Vergangenheit spricht und dazu Trumps ehemaliger Geschäftspartner Agalarov. Insgesamt nahmen acht Personen an dem Treffen teil.

Als die meisten dieser Informationen noch nicht bekannt waren, gingen Beobachter zunächst davon aus, dass diese „Trump-Russland-Geschichte“ die selbe Halbwertszeit hätte wie alle anderen auch: Einen Tag. Kurz nach Bekanntwerden der Geschichte gab Trump Junior eine Erklärung ab und veröffentlichte den Inhalt der E-Mails, was den Eindruck einer eher lauwarmen Geschichte erhärtete. Vor allem für Präsident Trump schien keine Gefahr zu bestehen.

Für Trump und vor allem Trump Junior ist die Geschichte mittlerweile aber mit drei großen Haken versehen. Zum einen kann nun nicht mehr behauptet werden, dass es keine (politischen) Kontakte zwischen dem Kreml und dem Trump Tower gab. Zweitens wäre es hochgradig illegal und Verrat gewesen, hätte sich die amerikanische Wahlpartei um Trump mit einem ausländischen Staat zusammengeschlossen, um eine andere amerikanische Wahlpartei zu schlagen. Und drittens, im Eröffnungsschreiben der Kontaktaufnahme stand explizit, dass dies im Auftrag der russischen Regierung geschieht und Trump Junior sofort dieses berüchtigte „ich liebe es“ zurückschickte.

Letzteres wird wohl Trump Juniors Kopf kosten. Konservative Beobachter meinen wegen des mehr als deutlich kenntlich gemachten Absenders „russische Regierung“ auch, dass die Sache ein geplanter Hinterhalt für Trump war und man darauf baute, dass Trump Junior unerfahren und naiv genug war, um auf den Leckerbissen am Angelhaken hereinzufallen. Eine Variation dessen, wenn auch unwahrscheinlich, könnte sein, dass Trump Junior den Braten roch und wir noch eine unerwartete Wendung in der Geschichte erleben werden.

Die Sequenz der Enthüllungen und Ereignisse nach der Erstveröffentlichung der Geschichte deuten an, dass noch mehr kommen könnte. Zunächst ließ man Trump Junior etwas Zeit und Raum für eine Erklärung und dann kamen nach und nach weitere Details ans Tageslicht, mit welchen die erste Reaktion in Zweifel gezogen wurden und die nicht nur Trump Junior, sondern auch den Präsidenten selbst in sehr schlechtem Licht dastehen ließen.

Momentan gibt es noch keine Vorwürfe gegen den Präsidenten selbst. Lediglich sein Sohn steht im Kreuzfeuer und wird sich am 26. Juli gemeinsam mit dem beim Treffen ebenfalls anwesenden Wahlkampfverantwortlichen Paul Manafort vor dem Kongress erklären müssen. Die ersten Republikaner fordern bereits öffentlich, dass Trump sich von seiner Familie distanziert, die er eng in seine Amtsführung eingebunden hat, um mögliche Interessenkonflikte so gut es geht zu entzerren. Trump selbst, er ist ein Familienmensch, steht bislang fest zu seinem Sohn. Dass er kein Problem mit Entlassungen hat, ist angesichts seiner früheren Präsenz im Fernsehen allseits bekannt. Es war sogar sein Markenzeichen. Ob er es auch übers Herz bringt, seinen Sohn – der kein öffentliches Amt innehat, sich aber immer wieder im Namen der Familie Trump öffentlich äußert – rechtzeitig „loszuwerden“, bevor dieser sein Amt beschädigt, bleibt abzuwarten.

Gleichzeitig weitet das FBI seine Ermittlungen zur Trump-Russland-Geschichte aus, die bislang von vielen aufgrund der heißen Luft als eine Verschwendung von Zeit und Geld erachtet wurden. Das hat sich inzwischen geändert. Selbst der von Trump als FBI Direktor vorgeschlagene Christophr Wray meinte, dass Trump Junior das unterbreitete Angebot hätte dem FBI melden müssen.

Wie die Nachricht zu bewerten ist, dass im Zuge der Affäre mehrere von Trumps Anwälten hingeschmissen haben, kann kaum eingeschätzt werden. Dabei handelt es sich zwar eigentlich um ein äußerst schlechtes Zeichen, allerdings ist dies wie erwähnt ziemlich normal bei Donald Trump.

Der weitere Verlauf der Geschichte hängt von der Befragung von Trump Junior und Manafort am Mittwoch im Kongress ab. Es ist anzuenhmen, dass die beiden momentan gerade intensiv darauf vorbereitet werden, zumal es die Demokraten (und die feindlich gesinnte Republikaner-Eliten) im Kongress kaum abwarten können, die beiden zu grillen. Eine sehr hohe Einschaltquote dürfte garantiert sein.

Für die Befragung und den weiteren Verlauf der Dinge sind drei Szenarien relevant.

Erstens, es ergibt sich nichts Neues und ein Konspirieren kann nicht nachgewiesen werden. Dann würde Trump Junior mit keiner oder einer geringen Strafe davon kommen. Sehr wahrscheinlich würde er sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Für Paul Manafort und die übrigen beim Treffen Anwesenden würde die Sache wohl ohne Konsequenzen enden. Konsequenzen für sie gäbe es, falls ihnen beim Einverständnis zur Teilnahme am Treffen die Anwesenheit der „russischen Regierung“ bekannt war. Sollte dies der Fall sein wäre ihr Karriere beendet – wie auch jene der Trump Kinder im Weißen Haus. Donald Trump selbst wäre erst einmal beschädigt.

Zweitens, es kommen neue Fakten auf den Tisch und es gab mindestens die feste Absicht einer Konspiration. Das hätte ernste Folgen nicht nur für Trump Junior, sondern für alle Teilnehmer des Treffens, denn das nennt sich Verrat. Donald Trump selbst wäre in dem Fall nicht selbst betroffen, müsste sich aber umgehend von den Personen distanzieren und seine Regierung im Grunde von vorne beginnen, wobei er danach wohl enge Leitplanken für die restliche Amtszeit bekäme und nur noch der Abnickonkel für die politischen Profis in Washington wäre.

Drittens, es kommt heraus, dass Informationen flossen. Dabei handelt es sich zwar nicht das schlimmste des Vorstellbaren – dies wären direkte Geschäfte oder gar Gespräche zwischen Trump und Putin – aber es würde genügen, die Legitimität von Trump selbst infrage zu stellen. Bislang wurde dies völlig erfolglos von den Mainstream Medien und der politischen Elite versucht, da es keine Beweise dafür gab (auch man davon ausgehen kann, dass den relevanten Entscheidungsträgern hinter den Kulissen die Geschichte mit dem Treffen von Trump Junior schon seit längerem bekannt ist). Würde sich hier nun bestätigen, dass mindestens Informationen flossen, dann wäre Trump erledigt. Bestenfalls würde es wie im zweiten Szenario ablaufen, schlimmstenfalls würde es ihm wie Richard Nixon ergehen und sein Name – eine der größten Marken der USA mit Milliardenwert – wäre völlig verbrannt.

Man darf also gespannt sein auf die Ergebnisse aus der Befragung am kommenden Mittwoch. Je nachdem was dabei herauskommt, das zeigt die Geschichte, könnte es explosiv werden. Bill Clinton etwa soll Somalia nur aus Verärgerung und zur Ablenkung von den Enthüllungen aus dem Lewinski Skandal bombardiert haben.

Trump, eindeutig keine stoische Friedenstaube, hätte angesichts der aktuellen Gemengenlage auf der Welt genügend Angriffsziele, an denen er zur Ablenkung seine Wut ablassen könnte und die meisten dieser Ziele sind so explosiv, dass selbst ein homoerotisches Verhältnis zu Wladimir Putin am Ende völlig egal sein könnte.