Bewahr’ uns Herr, vor Sturm und Wind … und Autos, die elektrisch sind

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Deutschlands glühende Landschaften (Foto: Collage)

Kennen Sie auch diesen Nachbarn, der sich vegan ernährt, Fahrrad fährt, auf seinem Dach eine Solaranlage hat und dessen Frau aussieht, als ob ihre Dessous aus Jute wären? Das sind genau jene, die mit dem Finger auf uns zeigen. Wir, die wir morgens in unsere stinkenden Pkw oder auf unsere lauten Motorräder steigen. „Umwelt-Sau“ ist noch ein harmloser Ausdruck für unser ökologisches Fehlverhalten. Wer umweltbewusst ist, fährt elektrisch. Und wenn es nach den Stromlobbyisten geht, – Entschuldigung – ich meinte, nach der Regierung, dann sind bis zum Jahr 2020 eine Million dieser sauberen Autos auf den Straßen unterwegs.

Von Klaus Peter Schäfer

Ja, das Elektroauto hat eine gute Ökobilanz. Glauben die, die es glauben wollen.

Wer es nicht glaubt, dem möchte ich hier einmal ein paar Fakten zum Nachdenken an die Hand geben. Elektroautos beschleunigen sehr schnell, jedenfalls drei, vier mal, bis die Batterie schon an Leistung verloren hat. Das aber auch nur, wenn das Wetter nicht zu heiß ist und der Fahrer die Klimaanlage nicht zum Überleben braucht. Und natürlich auch nur dann, wenn es nicht zu kalt ist und der Fahrer die Heizung nicht einschaltet. Also für jene, die glauben Strom ist umweltfreundlich und kommt einfach so aus der Steckdose, sind die Elektroautos ein Segen.

Die Wahrheit sieht – wie so oft – wieder anders aus. Der Strom kommt immer noch hauptsächlich aus Kraftwerken, die Öl, Kohle oder Gas verbrennen oder (bitte lesen Sie nun ganz leise) die Kernkraft nutzen. Ja, gibt’s immer noch. Aber sagen Sie es nicht weiter.

Strom zu produzieren ist in etwa wie Holz sägen

Denn es bleibt einiges an Verlusten: bei der Umwandlung und beim Transport des Stromes über Umspannwerke und kilometerlange Leitungen. Pauschal kann man sagen, dass man für 100 kWh Verbrauchsstrom 250 kWh Primärstrom erzeugen muss. Mit 100 kWh Energie fährt ein Elektroauto, wenn Klimaanlage oder Heizung aus sind, rund 500 Kilometer. 250 kWh Primärenergie entspricht übrigens 25 Litern Diesel. Damit kann man – mit einem Dieselfahrzeug natürlich – auch rund 500 km fahren. Solange also der Strom durch Verbrennung erzeugt wird, macht das Elektroauto überhaupt keinen Sinn. Da kann dann den „Rohstoff“ auch der Endverbraucher mit seinem eigenen Auto verbrennen und Emissionen in die Luft jagen.

Ja, aber wenn wir aus der Stromerzeugung durch fossile Brennstoffe ausgestiegen sind? Und nur noch Ökostrom produzieren? Ja, aber dann …

…aber dann werden die eine Million Elektroautos 2020 auf den deutschen Straßen stehen. Stehen, nicht fahren! Sie fragen sich warum? Nun man würde bei einer Million Elektroautos einen Energiebedarf von 3,24 Billionen Watt brauchen.

Hier noch mal die Zahl: 3,240.000.000.000 Watt !!!

Und wenn nun der Strom dafür aus Windkrafträdern kommen soll, wird es kein Feld mehr in Deutschland geben, auf dem kein Windrad steht. Dann brauchen wir noch die Elektrotankstellen. An denen mangelt es ja noch sehr. Für die eine Million Elektroautos braucht man viele Tankstellen und jede von ihnen müsste mehrere Megawatt Strom bei durchschnittlich 1.000 Autos pro Tag bereit stellen. Das wiederum wird ein Problem für unser 220-Vol-Netz. Soll heißen: Zu jeder Tankstelle müsste eine eigene Hochspannungsleitung führen. Ach ja und natürlich einen Transformator. Denn mit Hochspannung kann man die Batterien ja nicht laden. Dass Transformatoren eine sehr hohe Abwärme haben, ist ja hin reichlich bekannt. Schlecht für die Klimaerwärmung … und damit für die Ökobilanz.

Aber egal. Der Umwelt zu Liebe können wir das schon durchziehen. Schließlich ist Deutschland fast alleine für den Klimawandel verantwortlich. Oder verstehe ich da etwas falsch?