AfD düpiert CSU auf russisch

Damit haben die CSU-Strategen nicht gerechnet, als sie den Online-Angriff auf die Zielgruppe der Russlanddeutschen ausgetüftelt hatten. In mühevoller Inszenierung setzten sie nach dem Russland-Besuch von Horst Seehofer auf Facebook massiv bezahlte Banner ein. Das Motiv zeigt Seehofer mit folgendem Text: „Wir wollen keine Republik, in der linke Kräfte und der Multikulturalismus die Vorherrschaft haben“.

Noch in der Nacht nach der Veröffentlichung dieser Banner konterte die AfD Bayern mit ihrem Banner. Dieses zeigt den Landeschef Bystron mit dem Spruch: „Wir sprechen russisch nicht nur auf Plakaten“. (siehe Aufmacherfoto). Damit Landet Bystron einen Volltreffer gegen seinen Kontrahenten Seehofer. Denn in der Tat ist das Bemühen um die Russlanddeutschen durch die bayerische Schwesterpartei der CDU  nur wenig glaubwürdig, spielen die Russlanddeutschen in ihren Reihen kaum eine Rolle.

In der AfD hingegen engagieren sich zahlreiche Russlanddeutsche als Mitglieder. Das ganze Parteiprogramm liegt auf Russisch vor. Die Partei wird auch überproportional stark von Russlanddeutschen gewählt. Das zeigt sich auch bei der Popularität der beiden Banner: Während die CSU ihr Werk mühsam bewerben muss, wird Bystrons Banner von Facebook-Usern kostenlos weiter geteilt.

Auch im direkten Duell ist Bystron glaubwürdiger als Seehofer, von dem es bekannt ist, dass er nur Deutsch spricht und bereits bei Englisch auf seine Grenzen stößt. Bystron dagegen kann eine Abiturnote eins nach zehn Jahren Russisch-Unterricht vorweisen sowie anschließendes Studium der Slawistik an der LMU München. Während Seehofer bei den Treffen mit russischen Politikern auf Dolmetscher angewiesen ist, spricht Bystron fast akzentfrei Russisch, wie die Teilnehmer mehrerer konsularischer Gespräche mit dem Außenpolitiker der AfD bestätigen.

Der Versuch der CSU, nun auch die Russlanddeutschen gezielt anzusprechen, wird von Experten als Zeichen äußerster Nervosität in der Partei interpretiert. In der Tat herrscht in den Reihen der CSU große Anspannung vor der Bundestagswahl. Monate lang grenzte sich die CSU von der Zuwanderungspolitik Merkels ab. Am Ende schwenkte Seehofer jedoch um und unterstützt Merkel im Wahlkampf. Die  Parteibasis will ihm jedoch nicht folgen. Nach der Bekanntgabe der Merkel-Unterstützung folgte eine Austrittswelle aus der CSU, verbliebene Mitglieder weigern sich beharrlich, Wahlkampf für Merkel zu machen.

Hinzu kommt: Mit der AfD hat die Partei im bürgerlichen Wählerspektrum zum ersten Mal spürbare Konkurrenz. Unter Bystrons Führung steigerte sich die bayerische AfD kontinuierlich von zwei auf aktuell zehn Prozent. Der CSU droht eine veritable Blamage: die auf Bayern beschränkte Partei könnte bundesweit unter die Fünf-Prozent-Hürde fallen. Durch die vielen Direktmandate würden dann trotzdem zahlreiche CSU-Politiker in den Bundestag einziehen, aber der Nimbus der Unbesiegbarkeit wäre dahin. Es würde sich offenbaren, was die CSU wirklich ist: eine Regionalpartei.