Südafrika: Der vergessene Völkermord

Eine ethnische Minderheit wird in ihrem eigenen Land, wo sie seit über 350 Jahren lebt, gezielt angegriffen und unter schrecklichen Bedingungen gefoltert, vergewaltigt und ermordet, während die Polizei und Regierung wegsieht? Eine ganze Bevölkerungsgruppe lebt in Angst und Schrecken, weil sie erleben mussten, wie Politiker zu ihrer Verteibung und Ermordung aufrufen? Verzweifelte Appelle im Internet verhallen im Nichts, und Flüchtlinge werden aus Europa wieder abgeschoben, weil sie nicht als Verfolgte anerkannt werden? So ein Skandal würde doch sicher den Bundestag und alle NGOs und Gutmenschen auf den Plan rufen – außer die betroffenen Opfer sind Weiße.

Weiße Südafrikaner.

Von Collin McMahon

Seit dem Ende der Apartheid 1994 sind in Südafrika etwa 70.000 Weiße ermordet worden, darunter etwa 4000 Opfer sogenannter ‚Plaasmoorde’ (Farmmorde). Genocide Watch hat das Land als „völkermordgefährdet“ eingestuft und warnt vor „dunklen Gewitterwolken über der Regenbogennation“. Die linke ANC-Regierung unter dem skandalgeplagten Jacob Zuma bestreitet, dass es ein Problem gibt, obwohl er selbst die Antiapartheidhymne „Kill the Farmer, Shoot the Boer“ auf einer Demo sang. Der Chef der linksradikalen EFF Julius Malema ruft offen zur gewaltsamen Landnahme auf und hat die weißen Farmer aufgefordert, ihre Höfe zu verlassen, da sonst schwarze Jugendliche „gewaltsam ihre Farmen fluten werden“.

Im benachbarten Zimbabwe hat eine ähnliche Kampagne der ethnischen Säuberung weißer Farmer durch Diktator Robert Mugabe bereits die Wirtschaft des Landes zum Erliegen gebracht. Von 4500 Farmen in weißem Besitz im Jahre 2000 sind in Zimbabwe nur noch 300 in Betrieb, und der Terror geht weiter. In der ehemaligen Kornkammer Afrikas lebt jetzt ein Drittel der Bevölkerung von internationaler Hilfe.

In Südafrika gehören etwa 67% des Landes weißen Farmern. Radikale Aufpeitscher wie Julius Malema prangern die Ungleichverteilung als Folge der ungerechten Apartheidpolitik an und fordern eine gewaltsame Landreform. Die weißen Boeren weisen darauf hin, dass diese damals nur dünn besiedelten Gebiete erst im 19. Jahrhundert von holländischen Einwanderern auf der Flucht vor den Engländern erschlossen wurden.

Im Zuge der Black Economic Empowerment (BEE) werden Unternehmer seit 2001 verpflichtet, schwarze Miteigentümer, Manager und Mitarbeiter vorzuweisen. Im Juni 2016 wurde ein Enteignungsgesetz verabschiedet, mit dem die Regierung die Landreform erzwingen kann. Präsident Zuma zögert aber noch, das Gesetz anzuwenden, da die Landreformfarmen katastrophale Einbrüche von 79% weniger Ertrag und 84% weniger Arbeitsplätze verzeichnen. Bisher sind etwa 10% der Agrarfläche durch Rückkauf umverteilt worden, viel weniger als das ANC-Ziel von einem Drittel.

In Südafrika werden jeden Tag etwa 50 Menschen ermordet (2016: 18.673 Morde), davon etwa 20 Weiße (40%), obwohl Weiße nur 9% der Bevölkerung ausmachen. Im Jahr 2016 starben bei 369 Farmüberfällen 71 Farmer und Familienangehörige, täglich ein Überfall. Bis zum 9.2. gab es 2017 bisher 31 Überfälle und acht Tote.

Die Mordrate unter weißen Farmern in Südafrika liegt nach Angaben von Boerenaktivisten bei 198 pro 100.000 Einwohner – sechsmal so hoch wie für Südafrikaner allgemein (33). Das wäre die höchste Mordrate der Welt, vor Honduras (84) und Venezuela (53 pro 100.000). Weißer Farmer in Südafrika zu sein ist der gefährlichste Job der Welt.

Hier eine unvollständige Übersicht nur für die vergangenen Tage:

Am 3.2 wurde der 79-jährige Trevor Rees auf seiner Holzfarm in Pudsey, KwaZulu-Natal überfallen, gefesselt, angeschossen und zwei Tage lang gefoltert. Rees ist am 12.2. im Krankenhaus von Pietermaritzburg seinen Verletzungen erlegen.

Am Dienstag, 7.2. wurde die dreifache Mutter Tanya Wiers in Polokwane bestialisch abgeschlachtet und ihre Augen ausgestochen. Ihr Sohn Rolf fand ihre Leiche nach der Schule in einer Blutlache.

Am Mittwoch, 8.2. wurde Niels Erichsen (65) und seine Frau am Tor ihrer Farm bei Rustenburg überfallen  und das Haus geplündert. Erichsen wurde zweimal in den Bauch geschossen und starb im Krankenhaus. Im Empangeni Distrikt, KwaZulu-Natal wurden in einem Lohndisput zwei Farmer mit Macheten angegriffen und schwer verletzt.

Am Freitag, 10.2. wurde Richard Brady und seine Frau um 21:40 h in Underberg, KwaZulu-Natal von fünf Männern überfallen und in ihrem Tresorraum eingesperrt.

Johan Prinsloo (73) wurde auf seiner Farm in Lydenburg, Mpumalanga kurz nach 20:30 h überfallen und mit einem Sack über den Kopf misshandelt. Andre Pretorius wurde bei Roodeplaat, Tshwane überfallen und sein Auto gestohlen.

Am Samstag 11.2. wurde Cynthia Tredoux um 16:30 h von zwei Angreifern überwältigt, gezwungen den Safe zu öffnen, geschlagen, gefesselt, geknebelt und durchs Haus geschleift.

Am Sonntag, 12.2. wurden Ben and Marti Nel auf ihrer Farm bei Letsitele, Limpopo, um 3 Uhr morgens angegriffen und schwer verletzt, die Frau wurde vergewaltigt. Am selben Tag wurde ein Paar auf einer Farm in Hluhluwe, KwaZulu-Natal von drei Angreifern mit Schusswaffen und Macheten überfallen, der Frau wurde der Arm gebrochen.

Am Montag, 13.2 wurde Ryno Jansen van Rensburg (23) auf seinem Hof bei Warmbaths, Limpopo von zwei Angreifern ermordet. In Balfour, Mpumalanga  wurden vier Menschen, laut Social Media Berichten eine Familie von zwei Eltern und zwei Kindern, ermordet.

Die weißen Südafrikaner sind nicht nur Opfer unvorstellbar brutaler Gewalt, sondern fühlen sich auch noch von der Welt im Stich gelassen – wegen ihrer Hautfarbe. Viele Südafrikaner wollen das Land verlassen, werden aber in Europa entweder nicht als Flüchtlinge hereingelassen, oder werden aus bürokratischen Gründen wieder ausgewiesen, selbst in den Ländern ihrer Vorfahren UK und NL. Inzwischen kursieren Petitionen, um die USA und EU um Aufnahme für weiße Südafrikaner als Flüchtlinge zu ersuchen.

Viele weiße Südafrikaner erhoffen sich Hilfe vom neuen US-Präsidenten Donald Trump: Eine Petition fordert die Anerkennung des Völkermords in Südafrika durch die US-Regierung. Der Boerensänger Steve Hofmeyr hat nun angekündigt, mittels einer Crowdfundingkampagne Geld für ein Treffen mit Trump sammeln zu wollen.

Collin McMahon ist Autor („Lukas und Skotti“) und Übersetzer („Gregs Tagebuch“). Er schreibt gerade an einem Buch über Donald Trump.

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