Der Triumph des IS-Terrors im Museum

Von Thomas Heck

Die Bundesanwaltschaft hat die Flucht des Attentäters vom Breitscheidplatz rekonstruiert – offenbar ist er direkt nach der Tat in den Bahnhof Zoo gelaufen. Dort posierte er vor einer Überwachungskamera und zeigte mit einem Finger den auch von IS-Kämpfern benutzten Tauhidgruß, den man auch oft bei Erdogan sieht.
Gegen einen 26-jährigen Tunesier, der in Kontakt mit dem Todesfahrer gestanden haben soll, wurde gestern Haftbefehl erlassen – allerdings nur wegen Sozialbetrugs, der Verdacht der Mitwisserschaft ließ sich vorerst nicht belegen. Aber auch Al Capone wurde ja nicht wegen der ihm nachgesagten Gewaltverbrechen verurteilt, sondern wegen Steuerbetrugs. Doch es bestätigt, dass es sinnvoll wäre, bei geringsten Verstößen von Flüchtlingen diese sofort abzuschieben. So würde man sich einige Probleme ersparen.
Neuigkeiten auch aus der Abteilung „Rad ab“, eine besonders widerliche Nachricht: Noch liegen Opfer des Anschlags vom Breitscheidplatz im Krankenhaus, trauern Angehörige und Freude um die Toten – da redet der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte in Bonn auch schon darüber, sich den Terrorlaster als Ausstellungsstück zu sichern (bevor’s jemand anderes tut). Die Selfieikonisierung eines Attentats als Beleg für die Idiotie der Gegenwart – das dürfte tatsächlich in die Geschichte eingehen. Im Bundesdorf am Rhein haben sie den Löwen im Stadtwappen offenbar durch einen Geier ersetzen. Peinlich… stellt sich nur die Frage, ob die Blutspuren und Leichenteile am Exponat verbleiben oder dieser vorher gründlich desinfiziert wird.
Das ganze wäre ein fatales Signal. Terrorismus beruht auf dem Konzept der „Propaganda der Tat“. Zum einen soll Angst und Schrecken unter den „Feinden“ verbreitet werden. Zum anderen sollen durch den Vorbildcharakter neue Mitstreiter gewonnen werden – eine zentrale Strategie des IS, der ja gerade davon lebt, überall auf der Welt Sympathisanten aktivieren zu können, die in ihren Heimatländern zuschlagen. Die Selbstmordattentäter von Brüssel waren gebürtige Belgier, bei den Anschlägen von Paris waren französische Staatsbürger beteiligt. Auch in der deutschen Salafistenszene wimmelt es von IS-Sympathisanten.
Das Haus der Geschichte ist gewissermaßen die Vitrine des deutschen kollektiven Gedächtnisses. Mit der Aussicht, dort einen Platz zu bekommen, haben wohl nicht mal die optimistischsten Terrorstrategen kalkuliert. Wenn nun das Mordwerkzeug des „Islamischen Staates“ quasi als Trophäe dort ausgestellt würde, entspräche man genau dieser Logik.

 

Zumal der IS mitnichten „Geschichte“ ist. Die Miliz befindet sich mitten im Krieg. Das ist auch der wesentliche Unterschied zu der Ausstellung über die linksextreme Rote Armee Fraktion. Der letzte Anschlag der Gruppe fand 1993 statt, ein Jahr vor der Eröffnung des Bonner Museums.
Der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte in Bonn, Hans Walter Hütter, verweist auf die Tür eines Bundeswehrfahrzeuges, das in Afghanistan beschossen wurde. Dies werde auch im Haus der Geschichte gezeigt.
Doch zum einen hat der Einsatz im fernen Afghanistan die Menschen weniger aufgewühlt als der Anschlag im Herzen Berlins. Zu weit weg war der Vorfall, zu gering das Medienecho. Zum anderen war der Beschuss die Folge einer direkten militärischen Konfrontation zweier Kombattanten. Hier ging es darum, sich einen konkreten strategischen Vorteil in einer Gefechtssituation zu verschaffen. Mit der „Propaganda der Tat“ hatte dies nichts zu tun.
Es spricht nichts dagegen, den Lkw, oder Teile davon, für die Nachwelt auszustellen, wenn der „Islamische Staat“ einmal besiegt sein wird. Wenn er Geschichte ist. Dann könnte er sogar zu einem Symbol für eine wehrhafte Demokratie werden, die sich von der Logik der Terroristen nicht in die Knie zwingen lässt. Warten wir doch mal ab und lassen uns diesen Krieg erstmal gewinnen, denn so sieht es zur Zeit wahrlich nicht aus.
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